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Telekommunikation


Kapitel I.5: Online-Praxis
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Frank Krüger, M.A.
Fachbereich 23, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
e-mail: krueger@nfask2.fask.uni-mainz.de

Gliederung

  1. Komponenten für den Online-Betrieb
  2. Dienste und Anwendungen
  3. Anbieter: Merkmal und Unterschiede

siehe auch:

Spezielle Literaturtips:


1 Komponenten für den Online-Betrieb

1.1 Rechner und seine Austattung

Die Anforderungen an einen Rechner für die Arbeit im Internet bzw. den Datenaustausch über Modem insgesamt, sind - je nach eingesetzter Software - relativ niedrig. Für die Nutzung von Mailboxen oder eine Rechnerkopplung im Dialogbetrieb, d.h. wenn eine direkte Verbindung besteht, kann schon ein 286er PC mit MS-DOS 3.3 ausreichen. Auf der anderen Seite setzen die modernen Online-Dienste für ihre Zugangssoftware mindestens Windows 3.1 (bzw. Macintosh OS 7.x) voraus.

Um vernünftig arbeiten zu können, sind bei Intel-PCs folgende Austattungsmerkmale zu berücksichtigen:

Von den Apple Macintosh-Rechnern erfüllen praktisch alle Geräte - vielleicht bis auf die allerersten Modelle von vor 1987 (die heute wohl kaum noch in Betrieb sind) - die Mindestvoraussetzungen für einen Einstieg in die Online-Welt, der jedoch ab System 7.x wesentlich leichter fällt.

1.2 Netzanschluß

Für beide Systemwelten ist de facto lediglich die Kapazität der seriellen Schnittstellen von größerer Bedeutung, und auch das nur in Zusammenhang mit der (ausnutzbaren) Leistungsfähigkeit des Modems.

Denn neben der Verbindung vom Modem zum Telefonanschluß (TAE- bzw. ISDN-Dose), ist selbstverständlich auch ein Anschluß des (externen) Modems an die serielle Schnittstelle des Rechners erforderlich, der einige Tücken in sich bergen kann. So erreichen erst neuere PCs, d.h. ab der 486er Generation, an den Anschlüsse COM1 oder COM2 eine Übertragungsgeschwindigkeit von 115,2 kbit/s, wie sie etwa für ISDN notwendig ist, ältere PCs sind beschränken sich sogar mit 57,6 kbit/s, was aufgrund der Datenkompression im Modem wertvolle Übertragungsleistung verschenkt.
Apple Macs erreichen dagegen standardmäßig an ihren seriellen Anschlüssen (Drucker- bzw. Modem-Port) 230 kb/s und bieten damit sogar die Voraussetzung für die oben beschriebene Kanalbündelung.

Diesen Geschwindigkeitsproblemen ebenfalls nicht unterworfen sind interne Modem- bzw. ISDN-Schnittstellenkarten (meist ISA), da die entsprechenden Bus-Systeme (meist ISA, auch AT oder PCI bzw. Nubus beim Mac) über wesentliche höhere Übertragungskapazitäten verfügen. Andererseits können bei ISA-Karten nicht zu unterschätzende Probleme durch die notwendige Konfiguration von Interrupts und I/O-Adressen bzw. durch Konflikte mit anderen ISA-Karten (Sound, Video, CD-ROM etc.) entstehen.

Bei der Auswahl des Modems bzw. seiner Leistungsfähigkeit ist zu beachten:

1.2.1 Zugangssoftware und -protokolle

1.2.1.1 TCP/IP-"Stacks" und serieller Zugang
Die Konfiguration des Modemzugangs erfolgt in der Regel in der teils mitglieferten Software (spezifischer Treiber für das Modem), teils in das Betriebssystem integrierten Kommunikationsschnittstelle.

So werden für den Internet-Zugang von einem PC aus die TCP/IP-Pakete durch eine betriebssystemabhängig standardisierte Netzwerkschnittstelle (bei Windows Winsock.dll, bei Mac MacTCP) erzeugt bzw. an die "darüberliegenden" Client-Programm weitergegeben. In diesem Programm (vergleichbar zu dem standardisierten POSTSCRIPT-Modul innerhalb des Druckertreibers) werden wichtige Zugangsdaten wie z.B. die IP-Nummer, der Domain Name Service etc. eingetragen.
Außerdem sorgt diese Kommunikationsschnittstelle für die Verbindung zum Internet-Provider durch zwei weitere Funktionen:

  1. Sie initialisiert (d.h. bereitet vor) das Modem, wählt die Nummer des Internet-Providers und einigt sich mit dem anderen Modem auf verschiedene Übertragungsparameter wie Geschwindigkeit, Kompressionsverfahren und Fehlerkorrektur. Kann keine Verbindung aufgebaut werden, so verfügen viele Programme über eine automatische Wahlwiederholung.
  2. Ist die physikalische Verbindung hergestellt, so wird auf der nächsten Schicht (vgl. OSI-Referenzmodell) das grundlegende Übertragungsprotokoll aufgebaut. Dies sind in der Regel:
Diese Funktionen übernimmt bei Windows ebenfalls die winsock.dll, beim Mac steht daszu das eigene Systemprogramm MacPPP zur Verfügung.

Speziell für E-Mail werden zwei weitere Protokolle verwendet, die oft auch auf dieser Ebene eingestellt werden können (je nach Implementierung der winsock):

1.2.1.2 Anbieterspezifische Software
Alle großen Anbieter von Online-Diensten bieten zwar schon länger mehr oder weniger schnelle, komfortable bzw. teure Übergänge ins Internet an, arbeiten zum großen Teil aber immer noch mit ihren eigenen, also proprietären Übertragungsprotokollen.

Daher ist auch für jeden Online-Dienst eine eigene Zugangssoftware (nach dem Vorbild von T-Online oft "Decoder" genannt) notwendig, die in den meisten Fällen bzw. neueren Versionen lediglich mit graphischer Benutzeroberfläche, also Windows (nicht DOS!) bzw. Mac OS läuft.

Obwohl alle diese Programme mehr oder weniger auf die gleiche "Technik" (Betriebssystem und Modem) zurückgreifen, kann die Konfiguration doch sehr unterschiedlich sein. Da die Installation in den meisten Fällen aber ausführlich beschrieben ist, sollte dies wenig Probleme machen

Diese Programme lassen sich zwar schon vor dem Verbindungsaufbau laden, aber die volle Funktionalität (z.B. Zugriff auf die verschiedenen Foren bei Compuserve) läßt sich erst mit dem Dialogbetrieb, also während Telefongebühren anfallen, erreichen.

1.2.1.3 Fax-Software
Software zum Faxen über ein geeignetes Faxmodem besteht aus mehreren Einzelprogrammen, etwa (am Beispiel von FaxSTF f. den Macintosh):

1.2.1.4 Andere Kommunikationsprogramme
Eine weitere Softwaregattung umfaßt Programme für alle anderen Arten von Kommunikationsanwendungen mit (Fax-)Modems.

Solche Software sind entweder relativ einfache, mit einem Modem mitgelieferten Programme oder professionelle Systeme mit komfortablen und relativ standardisierten Zugängsmöglichkeiten. Dazu gehört z.B. das am FASK für den Modem-Server eingesetzte PC Anywhere (bei uns allerdings in einer sehr alten Version) oder das Windows Terminal.

Der Übergang zu sog. Mailbox-Software ist bei manchen Programmen (z.B. Telefinder für den Mac) fließend.

2 Dienste und Anwendungen

Ergänzend zu den bisher geschilderten technischen Funktionsweisen und Voraussetzungen für elektronische Kommunikation in Wählnetzen, wird nun auf zwei praktische Aspekte des Online-Zugangs eingegangen. Bevor die unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten digitaler Endeinrichtungen, also Computer und Modem oder ISDN-(Bild-)Telefon, zusammengefaßt werden, sollen verschiedenen Anbieter von Online- und Internet-Zugängen (zusammen: Netz-Provider) im allgemeinen verglichen werden.

Eine Zusammenstellung einzelner Anbieter mit ihren spezifischen Merkmalen (besondere Angebote, Kostenstruktur und Kontaktmöglichkeiten) findet sich im Abschnitt 3b) von Anhang E2.

Quelle: ISDN-Katalog 97, S. 42
Haufe-Broschüre,
PC-Welt Tips (PDF)

Die einzelnen Anwendungsmöglichkeiten sind teilweise schon unter technischen Gesichtspunkten erläutert worden, und sollen nun systematisch gegenübergestellt werden:

2.1.1 Endgeräte-Ersatz: Telefax, Anrufbeantworter und Internet-Telefonie

Eine besondere Form der Datenübertragung (im technischen Sinne) ist das Telefax bzw. hier die Nutzung von Telefax-Software in Verbindung mit einem Faxmodem (vgl. Kapitel 2.1, Abschnitt Telefax und Faxmodem). Durch die Integration mit der Datenspeicherungs- und -verarbeitungskapazität des Computers, lassen sich durch ein Faxmodem viele bequeme Funktionen (z.B. Telefonbuchverwaltung, automatisches und zeitversetzes Senden, Serienfax an mehrere Empfänger), die sonst nur mit intelligenten und dementsprechend teuren (ISDN-)Geräten möglich sind, realisieren. Marktführer bei professioneller Software für Faxmodems ist die Firma Delrina mit WinFax, daß bei vielen Faxmodems auch als Lite-Version mit eingeschränkter Funktionalität mitgliefert wird.
Ein weiterer Vorteil des Faxmodems ist die weitgehend papierlose Verwaltung und Archivierung des Telefaxverkehrs, da abgehende Sendungen nicht zuvor ausgedruckt werden müssen und ankommende Mitteilungen nur bei Bedarf ausgegeben werden.

Auch lassen sich viele Modems - natürlich vorausgesetzt der Computer ist immer am Laufen - als digitale Anrufbeantworter einsetzen, sofern sie dem entsprechenden Standard für die Voice-Kommunikation genügen. Wichtig ist dabei, daß ein spezielles Programm für das Modem bzw. eine Konfigurationsanleitung beiliegt, da die manuelle Einstellung eines Modems sehr schwierig ist. Zum Speichern von Ansagetexten ist außerdem entweder eine Soundkarte im PC oder ein Mikrofonanschluß am Modem notwendig.

Der neueste Trend ist jedoch die vor allem bei internationalen Gespräche unschlagbar günstige Internet-Telefonie, bei der ja immer nur die (meist Orts-)Gesprächsgebühren zum Einwahlknoten des Providers anfallen. Dazu werden immer mehr Programmsysteme entwickelt, die aber bisher noch nicht untereinander kompatibel sind. Voraussetzung für eine Gesprächsverbindung ist auch, das beide Endgeräte kommunikationsbereit sind, also nicht nur die PCs eingeschaltet sind, sondern auch die entsprechende Software geladen ist. Spontane Gespräche sind somit nicht möglich. Ein weiteres Problem ist, daß das Gespräch über einen speziellen Telefonie-Server vermittelt werden muß, der - da er meist von dem Software-Anbieter selbst bereitgestellt wird - oft in den USA plaziert ist und so die Gesprächsqualität stark von der Verbindungsbandbreite in die USA und von dort zurück abhängig ist. Ist das Netz überlastet, so können sich daraus stark störende Übertragungslücken ergeben. Von der zahlreichen Software hat Cooltalk von Netscape v.a. deswegen große Chancen sich durchzusetzen, weil der damit besonders kompatible Navigator (Browser) von Netscape so weit verbreitet ist (Microsoft ist in diesem Marktsegment noch nicht aktiv ....).

2.1.2 Online- vs. Internet-Angebote

Hauptunterschiede von Internet Service Providern und Online-Diensten (meist mit erkennbaren Vorteilen für letztere) sind: Auf der anderen Seite ist das Internet-Angebot konkurrenzlos umfangreich und kann auch niemals von einem einzigen, zentral organisierten Dienst erreicht werden. So kann ein reiner Internet-Service-Provider (ISP) aus zwei Gründen in Frage kommen:
  1. Das Hauptinteresse für eine Informationssuche liegt in speziellen oder kulturspezifischen Themen, beschränkt sich also nicht auf deutsch- bzw. englischsprachige Angebote oder speziell die Bundesrepublik bzw. USA.
  2. Noch wichtiger ist der Kostenfaktor: Die großen Online-Dienste mit ihrem umfangreichen eigenen Angebot können ihre Angebot gar nicht so billig anbieten, wie die gemeinnützigen oder werbefinanzierten Internet-Provider, die einen geringeren Verwaltungsaufwand haben und oft auch - außer zu Marketing- und Kommunikationszwecken - keine eigene Rechnerkapazität unterhalten müssen.
    Daher dürften die kleinen, ortsansässigen Vereine (vgl. Anhang E2) gerade für Studierende attraktiv sein.
Auch die vielzitierte Bandbreitenprobleme, also die tatsächlich erreichbaren Übertragungsgeschwindigkeiten, die oft mehr durch den Anschluß des Providers an das Internet als den eigenen Modemzugang limitiert sind, können genauso bei den großen Online-Diensten (so als Dauerbrenner bei Compuserve, aber selbst bei der Telekom-Tochter T-Online nicht zu vermeiden) auftreten, da diese mit der stark steigenden Nachfrage nicht mitkommen.

2.1.3 Datenübertragung und Fernsteuerung

Eine Datenübertragung außerhalb der Standardprotokolle im Umfeld des Internets tritt vor allem bei der Nutzung von Mailboxen oder privatem Datenaustausch auf.

Für beide Arten dieser 1:1-Datenübertragung kann weitgehend beliebige Software (sog. Terminalprogramme) eingesetzt werden, die lediglich gewissen Standardprotokollen genügen müssen - aber da gibt es bei den handelsüblichen, auch beim Modem kostenlos mitgelieferten Programmen kaum Probleme. Zu den bekanntesten Programmen gehören neben Telix und Telmate (beide in DOS bzw. Windows-Versionen verfügbar) auch Kermit, das gleich einem heute weit verbreiteten Protokoll den Namen gab. Viele gängigen Terminalprogramme unterstützen außer dem Dialogmodus auch die Dateiübertragung mit Protokollen wie XMODEM, YMODEM und ZMODEM. Wichtig ist bei der Mailbox- oder privaten Kommunikation nur, daß beide Seiten die gleichen Protokolle und sonstigen Einstellungen gewählt haben (vgl. als Beispiel Abschnitt 1, Voreinstellungen im Anhang E2 zur Modemeinwahl am FASK).

Ein spezieller Bereich der Datenübertragung ist die Fernsteuerung, -überwachung und -wartung von großtechnischen Maschinen (z.B. Heizungs- und Produktionsanlagen), Alarmsystemen (z.B. Videoüberwachung) oder Rechnern. Durch spezielle, sog. Remote-Acess-Software können z.B. externe Dienstleister über große Entfernungen System- und Netzwerkdiagnosen betreiben und so Störungen ohne große Reisekosten bzw. Zeitverzug beheben. Die gleiche Technik hilft aber auch den sog. Teleworkern sich von ihrem heimischen Arbeitsplatz aus bei dem Auftraggeber bzw. ihrer Firma einzuwählen und die zentralen Büroressourcen mitzunutzen, ohne lange Anfahrtszeiten in Kauf nehmen zu müssen. Durch diese interaktive Kommunikationsmöglichkeit mit den Kollegen unterscheidet sich die meist auch höher qualifizierte Teleworking-Tätigkeit von der herkömmlichen Heimarbeit.

2.1.4 ISDN: PC-Telefon-Kopplung und Videoconferencing/ Telecooperation

Auf das digitale und - wie gezeigt - sehr vielseitige und leistungsfähige ISDN beschränkt bleiben die Möglichkeiten einer Kopplung von PC und Telefon mit oder ohne Übertragung von Videobildern.

Die einfachste Form dieser Koppelung ist der schon beschriebene Ansschluß eines PC an ein ISDN-Komforttelefon als Telefonielösung (sog. Computer Integrated Telephonie, CTI). Durch entsprechende Software lassen sich dann viele Telefonfunktionen (z.B. Telefonnummernverwaltung integriert in die eigene oder unternehmensweite Adressdatenbank, Gesprächs(kosten)journale einschl. Anrufbeantworter- und. Sprachboxfuntionen). In Unternehmen mit ISDN-Telekommunikationsanlagen können diese Aufgaben speziell ausgerüstete PCs (sog. Telematikserver) übernehmen, die gleichzeitig auch als zentrale Telefax-Gateways und interaktiv bedienbare Sprachboxen zur Verfügung stehen. Außerdem sind alle mit ISDN-Adapter ausgestatteten PCs über die TK-Anlage wie in einem lokalen Netzwerk - allerdings nur mit 64kbit/s - verbunden, was aber für einen geringen Datenkommunikationsbedarf u.Umständen schon ausreicht.

Eine weitergehende Lösung ist die Integration von allgemeinen Telekommunikationsfunktionen in den Computer, der sog. Telekooperation. Schon über das heute verbreitete ISDN lassen sich Telefongespräche - mit Hilfe von Soundkarte und Mikrofon am Computer geführt - durch die gemeinsame, interaktive Bedienung von Anwendungsprogrammen unterstützen, in den z.B. Ideen als Text oder Bildskizze auf dem eigenen Rechner eingegeben wird und gleichzeitig am Bildschirm des Gesprächspartners erscheint - und von diesem ebenfalls manipuliert werdern kann. Eine typische Anwendung ist Telelearning in Gruppen ("virtueller Klassenraum") oder als "Coaching" eines oder weniger Lernenden durch einen Experten, der z.B. spezielle Funktionen von Programmen erklärt.

Werden in diesem Rahmen auch Videobilder eingesetzt, entweder um das oder die Gegenüber sehen zu können (zwecks Übertragung der nonverbalen Kommunikation) oder um Bilder der Gesprächsobjekte (z.B. Konstruktionszeichnungen) und ihrer Veränderungen in hoher Qualität vermitteln zu können, so spricht man von Video- und Datenkonferenzen. Das erst nach und nach ausgebaute Breitband-ISDN ist dabei nur Voraussetzung für die - nicht immer erforderliche - Übertragung von Bewegtbildern wie beim Fernsehen. Ein ISDN-Basisanschluß ermöglicht mit den unterstützten 128 kbit/s (Kanalbündelung) immerhin eine flüssige Videobildübertragung von 30 Bildern pro Sekunde (bei Fernsehartiger Auflösung) be klarer Sprachwiedergabe. Den Engpaß stellt in diesem Fall die Rechnerleistung dar, dessen Prozessor- und Schnittstellenleistung z.T. nur 5-10 Bilder pro Sekunde zulassen.

Selbst Mehrfachkonferenzen mit Bildern zu verschiedenen Konferenzorten sind im "normalen" ISDN möglich, wenn immer nur eine "Partei" an die jeweils entfernten Orte übertragen wird. Vereinfacht werden die Videokonferenzen auch mit gelegentlichen Partnern durch einheitliche Video- und Audiokompressionsprotokolle, die von allen gängigen Softwareprodukten unterstützt werden. Die nicht unerheblichen Investitionskosten in Hard- und Software - wenn auch der Betrieb schon mit entsprechend ausgerüsteten Standard-PCs möglich ist - rentieren sich sehr schnell durch eingesparte Reisekosten. Alternativen zu diesen PC-Lösungen, die neben einer Tischvideokamera und internen Videocodier- und -kompressionskarten vor allem auf spezieller Fernbedienung- und Telecooperation-Software basieren, bieten für die "einfache" Bildtelefonie ohne weitere Kooperation sog. Auftischlösungen aus Telefon, Bildschirm, Kamera und (De-)Codier-Einheit. "Echte" Konferenzen mit mehreren, räumlich verteilten Teilnehmergruppen ermöglichen dagegen sog. Rollabouts und - in einem noch größeren Maße - Studiolösungen, die neben einer Videobild- und -tonübertragung auch die Einspeisung von (gespeicherten) Video- und Computersignalen sowie einen Dokumentmodus zulassen.

Eine viel beachtete Anwendung von Telekooperation in Zusammenhang mit Videoübertragung ist in der Medizin die gemeinsame Durchführung von schwierigen Operationen durch die jeweiligen Spezialisten weltweit, ohne daß diese ihr heimisches Krankenhaus verlassen müssen. Dabei verfolgen die Mediziner den Fortgang der Operation mit Hilfe von kleinen Videokameras, deren Bilder über ISDN übertragen werden und können ihrerseits mit Hilfe eines Joysticks entweder virtuell (z.B. durch Durchspielen weiterer Vorgehensmöglichkeiten auf den Fernsehbildern) oder real durch Steuerung der Operationswerkzeuge - heute Laser statt Skalpell - eingreifen.

3 Anbieter: Merkmale und Unterschiede

Zunächst werden die bei den großen Gruppen der Online-Anbieter, Online-Dienste - T-Online für Deutschland, die großen amerikanischen bzw. weltweiten Online-Dienste - und die lokalen bzw. regionalen Internet Service Provider (ISP) vorgestellt und miteinander verglichen.

Anschließend wird auf einige prinzipiellen Unterschiede der einzelnen Online-Dienste und Provider eingegangen (Eine aktuelle Gegenüberstellung konkreter Gebühren und Angebote dazu findet sich übrigens im Anhang E2, Abschnitt 3).

Ferner werden hier die in ihrer Bedeutung stark zurückgehenden Mailboxanbieter sowie der sehr spezifische private Datenaustausch über Modem ( Abschnitt 3d) kurz diskutiert.

3.1 Online-Dienste vs. Internet Service Provider

Quelle: ISDN-Katalog 97,
S. 55-66 (v.a. T-Online),
Haufe-Broschüre

Online-Dienste sind proprietäre, d.h. augrund spezieller Zugangs- und Kommunikationssofware geschlossene, Rechnerverbünde, auf die in der Regel ausschließlich (zahlende) Mitglieder zugreifen können (z.B. T-Online, AOL, Compuserve). Das Internet dagegen zeichnet sich gerade durch seine offene, d.h. nicht auf einen bestimmten Benutzerkreis begrenzte, Architektur aus (TCP/IP), die alle Hardware-/Software-Plattformen und Informationsanbieter zuläßt. Der Zugang, ob für eine Universität bzw. größereFirmen über Standleitungen oder für das Büro/den Haushalt über Wählleitungen und Modem/ISDN, wird von sog. Internet-Service-Providern (ISP) bereitgestellt, die entweder selbst oder über lokale Partner (sog. POP - Point of Presence) einen direkten Zugang in das Internet anbieten..

Durch die überragende und immer noch stark wachsende Bedeutung des Internets bieten mittlerweile auch alle Online-Dienste Nutzungsmöglichkeiten von Internet-Diensten an. Dabei ist aber darauf zu achten, daß - je nach Online-Dienst/Provider bzw. gewählter "Nutzungsklasse" nicht immer alle Internet-Dienste zur Verfügung stehen. Zu den Standardangeboten gehören E-Mail und auch WWW, aber schon Telnet und FTP oder auch eher exotische Dienste wie "IRC Chat" und Finger werden - v.a. von Online-Diensten - weniger bzw. nur gegen zusätzliche Kosten angeboten.

Teilweise von den gleichen Firmen vertreten, aber dennoch grundsätzlich von den ISP zu unterscheiden, sind die Internet Presence Provider (IPP), die ihren Kunden eine Internet- bzw. Web-Präsenz zur Verfügung stellen. Entsprechende Dienste reichen vom bloßen Bereitstellen des Plattenplatzes bzw. von Webserverkapazitäten und der Kommunikationsverbindung bis zur kompletten Planung und dem Design von Web-Seiten aufgrund der vom Kunden zur Verfügung gestellten Informationen und Materialien.

Mittlerweile stellen zumindest auch alle großen Online-Dienste ihren Kunden begrenzt kostenlosen Plattenplatz für ein eigenes (privates) Web-Angebot zur Verfügung (etwa 1-5 MB je nach Anbieter), so daß auch hier die Grenzen verschwimmen.

3.2 T-Online

=> vgl. auch tabellarische Zusammenfassung in Anhang E2

T-Online ist für Deutschland mit Sicherheit der bedeutendste Online-Dienst. Er unterscheidet sich von den anderen, us-amerikanischen Diensten auch durch seine staatliche Vorfinanzierung in den Anfängen - das schon 1983 gestartete Bildschirmtext (Btx) bei Behörden, staatstragenden Verbänden und großen Firmen mehr Anklang als beim (privaten) Benutzer. So hat es bis zur Internet-Ära gedauert, bevor T-Online (zwischenzeitlich auch in Datex-J umbenannt) eine größere Verbreitung erhielt. Diese historischen Wurzeln sind auch heute noch in vielen Seiten erkennbar, die auf einem relativ einfach anmutenden speziellen Grafik-Zeichensatz (sog. CEPT-Standard) basieren. Nach der zwischenzeitlichen Einführung eines moderneren Standards (KIT), sind nun auch HTML-Seiten im Internet-Standard möglich. Besonders viel genutzt wird das Online-Banking, da es durch seine frühe Einführung inzwischen den bestmöglichen Sicherheitsstandards entspricht. So ist für jeden Buchungsvorgang - der mit Hilfe geeigneter Software weitgehend automatisch gestartet werden kann - neben dem Benutzerpassword und der Konto-Geheimzahl (PIN) eine nur einaml verwendbare Transaktionsnummer notwendig. Gerade das Online-Banking bei T-Online wird von vielen Banken und Sparkassen stark (auch finanziell z.B. durch Übernahme der Anmeldegebühr) unterstützt. Als Informationsanbieter finden sich neben Versandhäusern, die in T-Online schon lange Online-Shopping anbieten, viele staatliche oder vom Staat geförderte Einrichtungen und Vereine.

Besonders erwähnenswert sind die zahlreichen Übergänge zu anderen Telekommunikationsdiensten - einen Internet- bzw. WWW-Zugang bieten ja auch alle Konkurrenten, aber einen Mitteilungsversand an Telefax-, Telex-, Telebox 400-, Cityruf- und Miniruf ("QUIX")-Geräte sowie in die Mobilfunknetze ermöglicht nur T-Online.

3.3 Von der USA in die Welt: AOL, Compuserve, MSN

=> vgl. auch tabellarische Zusammenfassung in Anhang E2

Auf dem deutschen bzw. europäischen Markt tummeln sich natürlich auch die großen us-amerikanischen Online-Dienste. Trotz ihrer immer stärkeren internationalen bzw. lokalisierten Ausrichtung, sind aber alle drei in Deutschland vertretenen Anbieter dieser Art - America Online, Compuserve und Microsoft Network - immer noch stark amerikanisch geprägt. America Online und MSN haben sich jedoch deutsche Partner gesucht (Bertelsmann bzw. T-Online), die bei der Lokalisierung helfen bzw. deutsch(sprachig)e Angebote ergänzen können. Damit sind diese Anbieter v.a. für Amerikanisten und alle stark auf amerikanische Informationen und Kommunikationspartner angewiesenen Online-Nutzer interessant.

3.4 Internet Service Provider (ISP)

=> vgl. auch tabellarische Zusammenfassung in Anhang E2

In diese Rubrik fällt für seine Angehörigen im weiteren Sinne (also alle Mitarbeiter/innen und Studierende) auch der FB 23 bzw. allgemein die Universitäten. Dennoch bieten wir im Moment noch keinen "echten" Wähl-Zugang in das Internet, sondern zum einen das "Inhouse"-Angebot über die lokale Netzwerkverkabelung im FASK und zum anderen einen rudimentären Modemserver (vgl. Anhang E2, Abschnitt 1 und 2), der eher unter die nächste Rubrik, " Privater Datenaustausch" fällt.

Außerhalb der Universitäten finden sich neben den kommerziellen Internet-Service-Providern auch einige gemeinnützige Vereine (z.B. sub-Netz oder INKA), deren Mitglieder sich gemeinsam eine ISDN-Standleitung, etwa durch steuerlich absetzbare Spenden, finanzieren.

3.5 Mailboxen und privater Datenaustausch

Mailboxen sind meist private bzw. gemeinnützige Anbieter von Diskussionsgruppen oder in Dateien gespeicherten Informationen (z.B. TechWriter's Home in Nürnberg) mit nur geringen Austauschmöglichkeiten zu anderen informellen "Netzwerken". Sie verlieren immer mehr an Bedeutung, da sie weitgehend im Internet aufgegangen sind. Das gleiche gilt für die früher von einigen Computerfirmen (z.B. Novell oder Apple) oder Verlagen (z.B Makrolog, Wiesbaden) im Rahmen des Kundendienstes bereitgestellten Modemzugängen, über die Kunden untereinander und mit Mitarbeitern diskutieren oder Software-Treiber und andere aktuelle Informationen herunterladen konnten. Für den Austausch von Nachrichten in Form von E-Mail oder Diskussionsbeiträgen (ähnlich zu, technisch aber nicht identisch mit den Usenet News) bieten viele Mailbox-Anbieter einen auch im Internet verbreiteten UUCP-Zugang (Unix-to-Unix-Communication Protocol) an.

Dagegen bleibt der private Datenaustausch, d.h. der Aufbau einer Datenübertragungsverbindung zwischen zwei Modems bzw. den entsprechenden Computern, auch in Zukunft aktuell, um v.a. Dateien (z.B. übersetzte Texte) zwischen zwei Geschäftspartner (typischerweise Übersetzer/in und Auftraggeber) auszutauschen. Dies hat gegenüber dem Internet den Vorteil der (fast) absoluten Abhörsicherheit, d.h. die Dateien können im Gegensatz zum weltweit offenen Internet unterwegs nicht abgefangen und mißbräuchlich genutzt werden. Außerdem kann die Verbindungsdauer durch eine optimale Abstimmung beider Modems bzw. der Übertragungssoftware aufeinander - während bei Online-Diensten ja aufgrund der hohen Nutzerzzahl nur der Benutzer sein Modem auf den Anbieter einstellten kann - minimiert werden.


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Letzte Bearbeitung: 20. Juni 1997

Erstellt von F. Krüger (e-mail: krueger@nfask2.fask.uni-mainz.de) im Rahmen der Vorlesung Telekommunikation.

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