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3.3 Lokalisierung

 

3.3.1 Lokalisierungsprozess

Nachdem die Internationalisierungsphase (wie in 3.2 beschrieben) abgeschlossen ist, geht man zum Lokalisierungsprozess über, der viel "Handarbeit" erfordert und nicht so automatisiert abläuft, wie die Internationalisierungsphase. Es hat sich gezeigt, dass es später weniger Probleme gibt, wenn man zuerst eine Pilotlokalisierung durchführt. Da zum Beispiel eine Webseite oft in acht Sprachen oder mehr lokalisiert wird, vervielfachen sich Probleme später nur und das führt zu höheren Kosten bzw. mehr Arbeitsaufwand. Diese Pilotlokalisierung ist dem Lokalisierungsprozess um mehrere Wochen voraus, um einen reibungsloseren Ablauf zu ermöglichen. Hierfür wählt man meist zwei Sprachen bei denen aufgrund von Textexpansion oder Schriftsystem, die meisten Probleme zu erwarten sind, wie zum Beispiel Französisch und Japanisch.

Doch bevor die eigentliche Lokalisierung beginnen kann, muss ein Lokalisierungsplan geschrieben werden. Es werden Arbeitsanweisungen für Programmierer, Tester und Lokalisierer bzw. Übersetzer erstellt. Außerdem wird ein Zeitrahmen festgelegt, der meist sehr eng ist. Bei einer Webseiten-Übersetzung ist die Zeit meist noch knapper als bei einer Software-Lokalisierung, unter anderem auch deshalb, weil Webseiten später leichter umgeändert werden können und sowieso häufiger aktualisiert werden. Man setzt ungefähr 20 Tage für die Lokalisierung, die Testphase und eventuelle technische Korrekturen an. Dann drei Tage zur Sprachenkorrektur und einen Tag, um die Seiten auf den Server hochzuladen. (vgl. Ebden "The Localization Process" URL)

 

Wie gestaltet sich der Arbeitsauftrag für einen Übersetzer?   Seitenanfang

In der Regel erhält man per E-Mail die HTML-Dateien der zu übersetzenden Webseite. Es kann aber auch vorkommen, dass man die komplette Webseite aus dem Netz herunterladen muss, doch das ist selten der Fall.

Der Vorteil von HTML-Dateien liegt darin, dass sie auf allen Plattformen und Betriebssystemen geöffnet werden können und es ist relativ einfach ist in HTML etwas umzuändern. Außerdem verbrauchen HTML-Dateien wenig Speicherplatz.

Die Ordnerstruktur der Dateien sollte möglichst schon internationalisiert sein, d.h. bereits für die jeweiligen Sprachen eingerichtet sein.
Zum Beispiel:

index.html

/us

/us/images

/de                                                                                

/de/images

/shared/images

usw.  

 

Die Indexseite enthält bereits die Links zu den Sprachdateien. Dann muss man als Übersetzer nur noch beispielsweise die englischen Dateien in den deutschen Ordner kopieren und die HTML- und Bilddateien lokalisieren und in den internen Links, die Dateipfade von us auf de umändern.

Bei Graphiken mit Textelementen sollten Texte und Bilder in getrennten Dateien vorliegen ( z.B. in Photoshop-Dateien), dann sind sie leichter zu bearbeiten.

In den Arbeitsanweisungen, die man als Übersetzer erhält, sollte im Idealfall nicht nur drinstehen, welche Dateien zu übersetzen sind, sondern auch genau welche HTML-Tags übersetzt werden müssen und welche nicht. Denn es besteht die Gefahr, dass Tags ganz gelöscht werden oder fehlerhaft sind, so dass sie nicht mehr funktionieren. Natürlich ist es dann sehr aufwendig den Fehler aufzuspüren. Grundsätzlich gibt es auch Programme (z.B.: Trados Tag Editor; siehe 3.1.4) mit denen man bei der Übersetzung die Tags von Anfang an schützen kann (vgl. Esselink S.211-14).

Wenn man mit der Übersetzung fertig ist, folgt die Sprachkorrektur, d.h. man überprüft ob alles übersetzt ist, sucht nach Rechtschreib- bzw. Grammatikfehlern und ob man die passende Terminologie verwendet hat. Bei der Webseiten- Übersetzung ist es wichtig, dass man so lokal wie möglich übersetzt, d.h. man muss Links und Inhalte wählen, die von lokalem Interesse sind. Eine Webseite ist eigentlich nur eine Ansammlung von Texten, deshalb erhält der sprachliche Aspekt einen besonderen Stellenwert, die Seite wird nur erfolgreich sein, wenn sie verständlich ist und sich der Benutzer gut zurechtfindet. Erst an zweiter Stelle steht die Funktionalität, wie bereits erläutert ist es bei Webseiten einfacher im Nachhinein noch Änderungen vorzunehmen . (vgl.Ebben "The Localisation Process" URL)

Trotzdem muss man als Übersetzer die lokalisierte Webseite auch auf ihre Funktionalität hin überprüfen. Sind alle Bilder vorhanden, wurde kein Tag beschädigt und funktionieren alle internen und externen Links auf der Seite. Dafür gibt es auch Hilfstools, einerseits kann man ganz normale "test-tools" für Webseiten verwenden, beispielsweise von SiteBoss oder man nimmt dafür ein Lokalisierungstool wie  zum Beispiel TransWebExpress von Berlitz  (siehe 3.1.4) mit dem man die Orginaldateien mit den lokalisierten Dateien vergleichen kann, um so Fehler aufzuspüren (vgl.Esselink S.214-18).
                   

Der folgende Abschnitt 3.3.2 geht näher auf die Probleme ein, mit denen man bei der kulturellen Anpassung einer Webseiten konfrontiert ist.

3.3.2 Kulturelle Anpassung  Seitenanfang


    eine Seite zurück  ein Kapitel zurück  zur Inhaltsübersicht  ein Kapitel vor  eine Seite vor          Erstellt von Simone Fabian, Kristina Laub & Claudia dos Reis Santos, letzte Änderung im Oktober 2002.