Translationsphilosophie

Philosophie wird als die Suche nach dem „Wesen“ und Sinn der Welt beschrieben. Funktion einer Translationsphilosophie wäre demnach die neugierige Erkundung der Beschaffenheit und der Funktion von „Translationen“ (im weiten Sinn einer Neuschaffung von etwas auf Grund eines als bestehend angenommenen Phänomens). „Wesen“ verweist in diesem Zusammenhang auf das, was ein „Zeichen“ von einer Form ausgehend prototypisch „kennzeichnet“.


Im Seminar sollen historisch als wichtig erachtete Philosophen und philosophische Theorien daraufhin untersucht werden, ob sie Anregungen für das heutige Verständnis von Translation bieten können. – Ich nenne ein paar Namen und Schulen als Anregung und Beispiele:
(1) griechische Klassik und Nachklassik: Platon, Aristoteles, Skeptiker (Karneades), Epikur 
(2) Mittelalter: Augustinus, Thomas v. Aquin; Nikolaus v. Kues; Ibn Rušd 
(3) Renaissance, Humanismus, Empirismus (Hobbes, Hume), Rationalismus (Descartes, Leibniz) 
(4) Neuzeit: Kant, Hegel, Nietzsche, Marx – Wittgenstein, Rorty, Lévinas, Habermas
Im Gegenzug sollen heutige Translationstheorien auf ihnen zugrunde liegende Begründungen hin analysiert werden. – Vgl. u. a. Übersichten, z. B.
Prunč, Erich (2007): Entwicklungslinien der Translationswissenschaft. Von den Asymmetrien der Sprachen zu den Asymmetrien der Macht; Berlin: Frank & Timme
(= TransUD. Arbeiten zur Theorie und Praxis des Übersetzens und Dolmetschens 14).
Robinson, Douglas (19979: Western Translation Theory, from Herodotus to Nietzsche; Manchester: St. Jerome.
Venuti, Lawrence (ed.) (2000): The Translation Studies Reader; London – New York: Routledge.
Baker, Mona + Malmkjær, Kirsten (eds.) (1998): Routledge Encyclopedia of Translation Studies; London – New York: Routledge.
Snell-Hornby, Mary et al (Hgg.) (1998): Handbuch Translation; Tübingen: Stauffenburg (= Handbücher).


Es wird erwartet, dass die Zusammenführung der beiden Ansätze neue Erkenntnisse zutage fördern kann.