Kognitive Prozesse, übersetzerische Strategien und Entscheidungen

Sigrid Kupsch-Losereit, Mainz/Germersheim



1 Kognition und kognitive Prozesse


Der Begriff Kognition bezeichnet als Sammelbegriff alle perzeptiven und produktiven geistigen Prozesse. Seit den 70er Jahren entwickelt sich eine neue, umfassende wissenschaftliche Richtung, die Kognitionswissenschaft, die die Beziehungen zwischen Gehirnzuständen, Informationsverarbeitung, mentalen Prozessen und Bewußtsein untersucht. Sie möchte Einsichten in die Beschaffenheit der Strukturen und Prozesse des menschlichen Wissens und Denkens gewinnen, indem sie insbesondere nach strukturellen Übereinstimmungen dieser Ebenen (Gehirn, Informationsverarbeitung und Bewußtsein) sucht. Im Rahmen dieser neuen Kognitionswissenschaft, die interdisziplinär die Ergebnisse und Methoden unterschiedlicher Disziplinen wie Psychologie, Neurowissenschaft, Computerwissenschaft, Künstliche Intelligenz-Forschung, Philosophie, Sprachwissenschaft und Psycholinguistik miteinbezieht, wird Sprache nicht mehr als autonomes Modul sondern als Epiphänomen der Kognition angesehen. Über eine Beschreibung des direkt zugänglichen sprachlichen Materials hinaus soll der komplexe kognitive Prozeß erfaßt werden, in dem Sprachkompetenz, Weltwissen, pragmatische Zwänge und gesellschaftliche Faktoren integriert werden. Sprache und Texte sind nicht Entitäten an sich, sondern werden in Situationen erzeugt und in den Köpfen von Teilnehmern eines Kommunikationsprozesses produziert.



2 Translatologische Forschung und Übersetzungsprozeß


Die translatologische Forschung, die lange Jahre historisch, sprachanalytisch, kontrastiv oder textlinguistisch orientiert war, behandelt erst seit wenigen Jahren den Prozeß des Übersetzens[1]. Auf Grund der erwähnten neueren psycholinguistischen und neurologischen Forschung hat sich die theoretische Perspektive, ergänzt durch genuin funktionale und handlungsorientierte übersetzungswissenschaftliche Studien (vgl. Reiß/ Vermeer 21991 und Snell-Hornby 21994), verändert. Gegenüber sprach- und textlinguistisch inspirierter Übersetzungswissenschaft und Übersetzungsdidaktik ist fortan das Hauptaugenmerk auf die subjektive Seite bei der Planung einer Übersetzung, auf die Aktivierung kognitiver Ressourcen und den Ablauf mentaler Prozesse gerichtet. Sprachliches Handeln wird nicht mehr isoliert von den Sprechern gesehen, sondern in deren Leben und Erfahrungen eingebettet. Nicht mehr das Produkt - Ausgangstext (AT) und Zieltext (ZT) - sondern der Prozeß des Übersetzens wird untersucht. Dieser Prozeß umfaßt alle mentalen und kognitiven Prozesse, die bei einem Translator in gegebenem situativ-kulturellen Kontext auf der Basis seines sprachlichen und außersprachlichen Wissens ablaufen sowie die Entwicklung seiner kognitiven Strategien während des Übersetzens. Damit wird die kognitive Tätigkeit des Translators genuiner Forschungsgegenstand. Die prozeßorientierte Erforschung des Übersetzens findet ihren Niederschlag in den Arbeiten von Gile, Dancette, Hönig, Krings, Kußmaul, Kupsch-Losereit, Lörscher, Risku, Séguinot, Shreve u.a. In diesen Arbeiten wird Übersetzen als komplexer mentaler Prozeß erkannt und charakterisiert, in dem der Translator sich verstehend einen AT zu eigen macht. Dieser Prozeß läuft sowohl routiniert prozedural als auch dynamisch als neuronales Geschehen ab. Er ist eine kreative, strategische Leistung eines Translators, der auf der Grundlage eines AT in unterschiedlichen Situationen und Handlungszusammenhängen und für unterschiedliche kommunikative Fun ktionen `Textwelten' erstellt.



2.1 Methoden


Wie und welche Prozesse laufen nun aber ab in der black box, dem Gehirn des Übersetzers? Wann und wie werden kognitive Strukturen erworben und aktiviert, die ausschließlich für das Übersetzen relevant sind? Darüber geben Auskunft zum einen die Erkenntnisse aus der psycho- und neurolinguistischen Forschung, die Verfahren der Introspektion (TAP - Methode), der Informantenbefragung und der Fehleranalyse, die der Ergänzung aus empirisch-experi-mentellen Forschungen bedürfen[2]. Mit Hilfe dieser genannten Verfahren sollen die nicht direkt beobachtbaren mentalen Prozesse erschlossen werden. Die während des Übersetzungsvorgangs oder danach geäußerten Überlegungen dienen - retrospektiv analysiert - der Feststellung übersetzerischer Strategien und Vorgehensweisen (vgl. Lörscher 1991:39-119) sowie der interpretativen Hypothesenbildung von Denkprozes sen (vgl. Kußmaul 1995:5-37).



3 Kognitive Verstehensprozesse


Im folgenden werden die Gegenstandsbereiche und Probleme translatorischer Tätigkeit angesprochen, die mit Hilfe der Kognitionswissenschaft erforscht und gelöst werden. Da bieten sich zunächst die beim Übersetzen ablaufenden und es steuernden Verstehensprozesse an, die als kognitive Prozesse konzipiert werden. Sie sind höchst komplex, beginnt das Verstehen eines AT doch nicht bei der Lektüre der ersten Wörter und Sätze eines Textes, sondern bei der in gegebener Situation bereits aktivierten Erwartung an die Art von Text und Inhalt. Daher soll der Zusammenhang zwischen neuronalen und kognitiven Prozessen als theoretischer Grundlage für Verstehensvorgänge kurz dargestellt werden.



3.1 Neuronenströme und Engramme


Nach neuro- wie kognitionswissenschaftlichen Erkenntnissen besteht eine Parallelität zwischen Gehirn- und Verstehensprozessen. Die Gehirntätigkeit besteht aus Neuronenströmen, wobei die Neuronen über Synapsen hinweg elektrische Signale voneinander erhalten. Es entstehen Signal- oder Erregungsspuren, die also in einer Verkettung von Neuronen bestehen und Engramme genannt werden. Kommen Sinneseindrücke von außen, die bereits bekannten ähneln, so finden sie einen teilweise gebahnten Weg vor und benutzen alte Erregungsspuren, bereits bestehende Engramme. Neuronale Netze erlernen Verbindungen zwischen den Knotenpunkten, aktivieren bereits häufig benutzte, stellen über eine Veränderung der Synapsenstärken neue Verbindungen her. Hauptmerkmal des Gehirns als neuronales Netz vorgestellt ist also seine Gedächtnis- und Lernfähigkeit, weil es durch Erfahrung lernt und neue neuronale Verknüpfungen herstellt (vgl. Schade 1992:38f.). Jegliche mentale Aktivität besteht aus einer Vielzahl unabhängiger parallel ablaufender Vorgänge, die sich immer wieder neu kombinieren und in Abhängigkeit vom jeweiligen Kontext neu organisieren (vgl. Rickheit/Strohner 1993:88f.). Diese Vernetzungen stellen Beziehungen her zwischen sprachlichem und konzeptuellem Wissen. So werden Wissenseinheiten, z.B. Konzepte nicht ungeordnet und isoliert, sondern in systematischen Zusammenhängen im Langzeitgedächtnis gespeichert. Informationen, die in einen sinnvollen Zusammenhang zu dem bereits vorhandenen Wissen gebracht werden können, lassen sich so, auch ohne ständige Wiederholung, dauerhaft merken. Sie sind Wissensstrukturen, welche Erfahrungen repräsentieren, die ein Mensch im Laufe seines Lebens macht. Dazu gehört das Wissen über soziale Situationen und Erfahrungen mit den dazugehörigen Personen, Erwartungen, Intentionen, Gegenständen und Handlungen. Was ein Wort (z.B. fr. aimable) oder ein Text bedeutet, kann nur verstanden werden, wenn Wissen und Erfahrung durch einen Diskurs vorhanden sind, in dem das Wort oder der Text verwendet worden ist (vgl. Sucharowski 1996:246-252). Solche systematischen Zusammenhänge und typischen kulturspezifischen Konstellationen werden scenes genannt bzw. frames, wenn es sich um die Repräsentation stereotypen sprachgebundenen Wissens handelt[3 ].



3.2 Inferenzen und Textverstehen


Verstehen ist somit das Resultat kognitiver Prozesse, meist von Inferenzen, die aus mentalen Schlußfolgerungen und Problemlösungsoperationen bestehen[4]. Diese Inferenzen verbinden die Textinhalte mit dem Wissen über sprachliches Handeln, dem Interaktionswissen (Vgl. Heinemann/Viehweger 1991:96-108), sowie Erfahrungs- und Weltwissen, um einen kohärenten und in sich stimmigen Textsinn zu erhalten. Verstehen basiert auf einer vernetzten Integrationsleistung, mit der wir Texte und außersprachliche Wissensbestände in unser Bewußtsein eingliedern. Dieser integrative Prozeß ist subjektiv-individuell, da die neuronalen Verknüpfungen sich jeweils neu organisieren - allerdings auf der Basis ihrer erlernten Erfahrungen. Textverstehen wird damit als strategisch-konstruktiver Prozeß konzipiert, der mit Wörtern, Sätzen und Texten verbundene Konzepte und Schemata aktiviert, d.h. die mit ihnen verbundenen Situationen, Affekte, sozialen und interaktionellen Muster[5]. Die mentale Leistung des Translators besteht darin, eine aktuell-spontane Beziehung zwischen AT, Handlungszusammenhängen, d.h. der kommunikativen und sozialen Funktion dieses AT, sowie seinem kulturellem Wissen herzustellen. Aus dem Dargestellten ergibt sich, und neuere Forschung belegt es, daß sein Verstehen und damit seine kognitiven Strategien abhängig sind von seinem Vorwissen und seiner Erfahrung aber auch von den Erwartungen (wie z.B. Textsorte), Absichten und Zielsetzungen, mit denen der AT gelesen wird[6]. Der Translator liest den Text also von vorneherein sub specie translationis. Das Verstehen des Translators bezieht den sozialen Sinnzusammenhang textvermittelten und textvermittelnden Handelns mit ein, es integriert inferierend sprachliches, pragmatisches und interaktionelles Wissen der zielsprachlichen Kultur. Es ist eine Abfolge von Konstruktions- und Integrationsprozessen.



4 Kognitive Semantik

Eng verknüpft mit dem Verstehensprozeß allgemein ist die mentale Repräsentation von sprachlichen Inhalten. Ausgangspunkt ist die bei Erwachsenen beobachtbare Tendenz zur Kategorienbildung, die auf Körpererfahrung und der Vorstellung von Wahrnehmungen des kulturellen Kontextes, in dem der einzelne lebt, basiert. Kategorisierung ist ein Denkprozeß, der Erfahrungsbewältigung ermöglicht. Eine Vielzahl von Eindrücken wird erst mit Hilfe von Kategorisierungen überschaubar, ordnet verschiedenste Wahrnehmungen, ordnet z.B. eine Fr ucht der Kategorie `Apfel' zu.



4.1 Prototypen


In empirischen Studien zur Begriffsbildung fand die Psychologin Eleanor Rosch (1973 und 1975) heraus, daß Wortbedeutungen sich aus wahrgenommenen, anschaulichen, prototypischen Details und Szenen ergeben. Aus dem bild- und gestalthaften Prototyp kristallisiert sich ein konzeptuell-begriffliches Gebilde heraus, das hinwiederum je nach Situation und Kontext in den lexikalischen Zusammenhang eingebunden wird. Für die verschiedenen Kulturkreise ist von unterschiedlicher Verarbeitung der Wahrnehmung auszugehen, die in Abhängigkeit zur lebenspraktischen Problembewältigung zu sehen ist[7]. Daraus erwuchs die sog. Prototypensemantik, die seit den 80er Jahren (Lakoff 1987 und Taylor 1989) in der Sprachwissenschaft und auch in der Translationswissenschaft (Schäffner 1993) erfolgreich angewendet wird. Prototypen haben innerhalb einer Sprachgemeinschaft überindividuelle, kollektive Geltung: so konzentrieren sich in unseren Kulturen typische Eigenschaften für die Kategorie Möbel eher in Stuhl a ls in Teppich oder Sitzkissen.



4.2 Schemabildung


Wortbedeutungen werden in kognitiven Modellen also eher in prototypischer Weise als in abstrakt logischen semantischen Kategorien - z.B. Merkmalbündeln oder paradigmatischen Oppositionen (Strukturalismus) - abgespeichert. Sie werden als kognitive Einheiten gesehen, in denen Wissen über die Welt mit einem Ausdruck konventionell verbunden ist, und dem Gebrauch dieses Ausdrucks in kulturell geprägten Standardsituationen. Sie erfassen dieses Wissen in geordneten Zusammenhängen - scenes und frames - sprach- und kulturspezifisch. Mein Lieblingsbeispiel hierzu möge zeigen, wie wichtig es beim Übersetzen ist, eine bewußte Vorstellung solcher interkonzeptuellen Beziehungen, also scenes, sowohl im Ausgangs- wie auch im Zieltext herzustellen. Der erste Satz des ersten Kapitels (Primo giorno. Prima) in Umberto Ecos Il nome della rosa lautet:
"Era una bella mattina di fine novembre. Nella notte aveva nevicato un poco, ma il terreno era coperto di un velo fresco non più alto di tre dita." Die deutsche Übersetzung lautet: "Es war ein klarer spätherbstlicher Morgen gegen Ende November. In der Nacht hatte es ein wenig geschneit, und so bedeckte ein frischer weißer Schleier, kaum mehr als zwei Finger hoch, den Boden."[8] Diese Übersetzung ist genial, gibt es doch bei uns keine schönen Novembermorgen und schon gar nicht gegen Ende des Monats. Die scene, die wir haben, sieht eher nach trüben kalten Regen- und Nebelmorgen aus. Um also den Eindruck aus der Textvorlage zu übermitteln, übersetzte Kroeber `klarer spätherbstlicher Morgen', ergänzt den velo fresco zu `frischer weißer Schleier' und aus den non più alto di tre dita, was logisch gesehen weniger als drei Fingerbreiten sind, wurden in der deutschen scene `kaum mehr als zwei Finger hoch'. Dieses Beispiel zeigt, daß der Übersetzer nicht von der Grundbedeutung eines Wortes-an-sich ausgeht - bella oder mattina - , sondern von größeren repräsentativen Bedeutungsstrukturen, mit denen jeweils Wörter in Situationen, Handlungsabläufen etc. verbunden werden. Die Bedeutung von Lexemen wird beschrieben vor dem Hintergrund gestalthafter Bezugsrahmen, die das jeweils relevante enzyklopädische Wissen repräsentieren. Kognitive Semantik nimmt nicht nur das sprachliche Material als permanenten Ausgangs- und Zielpunkt methodischer Reflexion, sondern bezieht den Sprachbenutzer, der die jeweils aktuelle Beziehung zwischen Sprache, konzeptuellem Weltwissen und konkreter Situation herstellt, in die Theoriebildung mit ein[9]. Hierzu einige Beispiele:



4.3 Metaphorik


Kognitive Modelle liefern auch den theoretischen Rahmen für Metaphernanalysen. In ihnen wird die Metapher nicht mehr als Schmuckelement in literarischen Werken gesehen, sondern als kreatives Grundmuster im Bereich der Lexik. In den Gebieten, wo keine erfahrungsgebundene konzeptuelle Ebene vorhanden ist, wird sie geschaffen mittels des metaphorisch (idealisierten) kognitiven Modells (Lakoff 1987:303), d.h. durch Projektion, durch gestaltübertragende Mechanismen, die zwei Bereiche verbinden. Und diese Projektion schlägt sich als metaphorische Lexikalisierung nieder[11]. Metaphorisierung ist damit ein wichtiges Mittel der Kategorienerweiterung, der physische und kulturelle Erfahrung zugrundeliegt. Zwei Beispiele mögen belegen, wie wichtig und alltäglich die Metapher als strukturgebundenes Prinzip in der Sprache ist, aber auch, wie unterschiedlich die `Bildsprache' in kognitiver Sicht sein kann. Präziser ausgedrückt, wie unterschiedlich die sprachliche Verarbeitung und Benennung ist.
Im ersten Fall liegt eine Übertragung vom Herkunftsbereich `Tierwelt' auf `Eigenschaften der Menschen' vor: `Kamel' -> `Dummkopf, Trottel'. Die französische Bildsprache unterscheidet sich hierin, da ein `chameau' ein `starr- und dickköpfiger, unangenehmer Mensch' ist, und eher `buse' bzw. `bécasse' den `Trottel' bzw. die `dumme Gans' bezeichnet. Und die Kosenamen fr. `caille' `Wachtel' und `biche' `Hirschkuh' für `Kind' und `Frau' sind dem Deutschen völlig fremd und wären zu ersetzen durch `Spatz, Mäuschen, Mausi, meine Taube'.
Im zweiten Fall werden Bildschemata metaphorisch in abstrakte Konzepte hineingetragen: Konkretum `schönster Pflanzenteil' -> Abstraktum `das Beste'. Fr. `la fine fleure de farine' `Auszugsmehl, feinstes Mehl' -> `la fine fleur de la jeunesse, d'un groupe, de la société, de l'armée' etc. `die Blüte der Jugend, die Besten einer Gruppe, der Gesellschaft, die Elite der Armee etc.' und auch `la fleur de l'âge' `im besten, blühendsten Alter, in der Blüte des Lebens'. Die lexikalisierte metaphorische Beziehung ist immer sprachgemeinschaftsorientiert, also kulturbedingt. Der Grund dafür liegt in kulturell verwurzelten Erfahrungen, die dann kognitiv verarbeitet und repräsentiert, in der Sprachbildung und im Diskurs deutlich werden. So orientiert sich in der französischen Sprache die Konzeptualisierung von Gefühlen wie z.B. Angst, Liebe, Haß, an Prototypenbildern wie Feuer, Hitze, Krankheit, Schmerz[12 ].



5 Text und Textkohärenz


Nach kognitions- wie neurowissenschaftlichen Erkenntnissen existiert das Objekt `Text' nicht als exakt quantifizierbare Datenmenge bzw. als syntaktisch-lineare Zeichenkette. Der Text besteht aus `sprachlichen Daten', die bereits das Produkt eines Verarbeitungsprozesses sind und deren Aufnahme von unserem sprachlichen und außersprachlichen Vorwissen, unserer Enkulturation, unseren Erwartungen und von theoretischen Annahmen bestimmt werden. Immer ist eine über die sprachliche Äußerung hinausgehende Repräsentation im Spiel. Der Text ist ein Konstrukt kognitiver Operationen, in denen das sprachliche Referenzpotential mit Standardsituationen, sozialen und interaktionellen Mustern verbunden und signifikant vom Wissen über Weltzusammenhänge geleitet wird[13]. Der Translator setzt den möglichen Textinhalt des AT und des ZT mit seinen Erfahrungs- und Wissensinhalten in Beziehung sowie dem Wissen darum, welche kommunikativen und sozialen Funktionen vom ZT erwartet werden. Er ermöglicht es dem Rezipienten, daß dessen Weltwissen mit der kontextspezifischen Textinformation interagieren, Textsinn und damit Handlungsziele erkannt werden.
Textkohärenz, verstanden als thematischer Zusammenhang, der die Aufeinanderfolge von Sätzen pragmatisch sinnvoll erscheinen läßt, ergibt sich daher in kognitiven Modellen als Resultat von Sinnerstellungsrelationen sowie beziehungsstiftenden Bedeutungszuweisungen. Kohärenz wird auf Prozesse der konzeptuellen Vernetzung aufeinanderfolgender Äußerungen bezogen[14]. Erst der Leser stellt konzeptuelle Zusammenhänge her, d.h. Zusammenhänge von semantisch-logischen Strukturen, referentiellen Sachverhalten und soziokommu-nikativem Rahmen. Die Herstellung von Textkohärenz ist daher ein zentrales Mittel zur Verstehenssteuerung. Da schließlich keine Einzelsätze sondern Sequenzen von Sätzen als scenes gespeichert werden, fördert die Kohärenz die Integration neuen Wissens in bestehendes Wissen. Der Translator ermöglicht ein interaktives Verstehen, indem er auf kohärenzfördernde referentielle Kontinuität achtet, fehlende Wissensvoraussetzungen und Wissenslücken expliziert[15]. In kognitionswissenschaftlichen Modellen hängt die Kohärenzbildung somit von den Verstehensprozessen des Rezipienten ab. Kohärenz ist nicht länger eine Eigenschaft des Textes sondern das Resultat der Verarbeitung eines Textes[16].



6 Translatorische Strategien


Die Steuerung der subjektiven Verstehensvorgänge durch bottom-up und top-down-Prozesse sowie durch Schemabildung läuft nicht immer automatisch ab. Häufig muß der Translator Szenen bewußt konstruieren, unkontrollierte ZS-Formulierungen überprüfen oder sich vergewissern, daß er das vom Autor vorausgesetzte Weltwissen besitzt. Die automatische, unbewußte Informationsverarbeitung verläuft tendenziell schnell und parallel; darunter fallen Wahrnehmungsprozesse, reflexhafte Assoziationen von Wörtern, korrekte Satzbildung etc. Die kontrollierte, bewußt eingesetzte Informationsverarbeitung verläuft tendenziell langsam und seriell[17]. Bei Sprachproduktionsprozessen sind die bewußten Prozesse grundlegend (Kontrolle über Gedächtnisleistungen und deklaratives Wissen, Fähigkeit zu Selbstkorrekturen etc.). Sie unterliegen der Kontrolle metakognitiver Regulation, also der Kontrolle des Wissens über die eigenen kognitiven Fähigkeiten und Defizite. Dadurch wird der gezielte Einsatz von Strategien in gegebener Situation ermöglicht, die kognitives Verhalten steuern[18].
Das didaktische Ziel besteht nun darin, Probleme zu identifizieren, angemessene Problemlösungstrategien zu planen sowie erfolgreiche strategische Prozesse, die eine Repräsentation von Textinhalten ermöglichten, systematisch in didaktische Methoden umzuwandeln. Der Bewußtmachung erfolgreicher Problemlösungsstrategien kommt somit eine Schlüsselrolle zu. Die Verknüpfung von kognitionswissenschaftlichen Ansätzen mit Lernstrategiemodellen führt zu einer Optimierung der Kognitionsleistung des Translators: eigene Kompetenzen und translatorische Ziele einschätzen lernen, Hilfsmittel effizient einsetzen, die Hierarchisierung und Sequenzierung der Textinformation vornehmen, eine Globalstruktur des Textes antizipieren und übergeordnete Textzusammenhänge herstellen, die den Aufbau einer kohärenten Wissens- und Textstruktur ermöglichen. Strategisches Vorgehen hängt somit zum einen ab von translatorischen Zielsetzungen, Hypothesen und Annahmen hinsichtlich der Rezipienten und erfolgt zum anderen auf der Grundlage von eigenen Erfahrungen, Präsuppositionen sowie von vorhandenen Wissensbeständen[19 ].



6.1 Makrostrategie


Geht der Translator nach einer durch das translatorische Ziel vorgegebenen Makrostrategie vor, so dient diese vor der Formulierung des ZT der Absicherung von sprachlichen Entscheidungen und der Fehlervermeidung. Die Formulierung einer Makrostrategie: Zweck der Übersetzung, Adressat, Medium, Situation, Wissens- und Textstruktur etc. wird also vor den Beginn der Übersetzungsphase verlegt. Sie lenkt bereits mentale Operationen, die den ZT antizipieren, und läßt den eigenen Recherchebedarf besser abschätzen[20]. Ohne die Kenntnis dieser kognitiven Operationen, insbesondere der Inferenzen, die wir bereits als erfahrungs- und übungsabhängige Leistungen beschrieben haben, kann Übersetzen nicht in strategisch kontrollierter Weise erfolgen, falsche Inferenzen gehemmt oder kommunikationsgefährdende Texte verhindert werden.
Die Makrostrategie bleibt nicht sprach- und bedeutungsbezogen, da sie die Wissensrepräsentation miteinbezieht. Sie betrachtet sprachliche Ausdrücke als Zugang zu einem umfassenden Wissenssystem, das ein Netzwerk von Beziehungen, den kognitiven Routinen, bildet. Sie antizipiert Text- und Situationsanforderungen (vgl. Risku 1998:245-261) und wählt im Anschluß daran eine bestimmte Strategie aus. So ist vornehmlich in Fachtexten eine Strategie notwendig, mit der man wichtige Informationen herausfiltert, d.h. Haupt- von Randinformationen unterscheiden und den Aufbau semantischer Makrostrukturen fördern kann. Als erfolgreiche Strategie stellt sich dabei das Erzeugen von Vorstellungsbildern und die graphische Skizzierung von Beziehungsgefügen heraus. Solche schemageleiteten Vorstellungskonzepte - darauf zielt die Strategie ab - werden ganzheitlich und nicht wortanalytisch erkannt. Eine Skizze, die kognitive Operationen zur Herstellung von Kohärenz und das unterschiedliche strategische Vorgehen verdeutlicht, sieht dann etwa folgendermaßen aus:


Herstellung von Kohärenz


Im Gegensatz zu textgeleiteten Operationen verlaufen schemageleitete strategische Operationen genau umgekehrt: sie gehen aus von der Superstruktur eines Textes und weiter zur Makrostruktur des Textes, zu seiner Kohärenz bis hin zu komplexen und atomaren Propositionen (Argumente und Wörter/Morpheme). Danach können größere Sinneinheiten, Wissen über Weltzusammenhänge erkannt und damit kognitiv leichter gehandhabt, eine kohärente Wissensstruktur und eine semantische Globalstruktur eines Textes erarbeitet werden[21]. So erleichtert etwa die Darstellung eines Fachtextes als hierarchisch strukturierte Einheit die kognitive Verarbeitung für den Rezipienten, zumal wenn diese Darstellung die hierarchische Struktur der entsprechenden Wissensstruktur oder die kulturell geprägte Organisation des Wissens in diesem Gebiet wiederspiegelt (Begriffshierarchien etc.). Sie sollte auch helfen, pseudowissenschaftliche Mikrostrategien zu vermeiden, die der Komplexität der Textproduktion nicht gerecht werden. Solche verabsolutierten Mikrostrategien sind etwa die Absicherungstrategien durch vorschnellen Rückgriff auf externe Hilfsmittel (besonders im Grundstudium) oder solche, die anhand ihrer Beziehung zum AT die Wahl der ZT-Elemente festlegen:


Für professionelles Übersetzen ist es daher erforderlich, eine Makrostrategie zu entwickeln, die sich aus dem Ziel des Übersetzens in einer interkulturellen Kommunikationssituation und nicht aus den `objektiven' Merkmalen des AT ergibt. Es versteht sich von selbst, daß die Bewußtmachung der Makrostrategiebildung und die Entwicklung translatorischer Strategien allgemein einen didaktisch hohen Stellenwert haben. Durch sie kann die Kontrolle und die Koordination der Arbeitsabläufe - z.B. sinnvolle Recherche - erfolgen, damit diese bei den Studierenden allmählich schneller ablaufen und vorhandene Kenntnisse besser verarbeitet werden. Anhand von vielen Untersuchungen zur Entwicklung der übersetzerischen Kompetenz kann man feststellen, daß das Wissen des Translators auf dem Weg zum Experten hin, sich in ganz spezifischer Weise verändert. Wichtig ist dabei, daß Übersetzen als strategisches Handeln verstanden wird mit explizit festzulegenden Prozeduren (Sprachsystemunterschiede, Textanalyse, texttypologische Varianten, kulturelle Konventionen etc.) Daraus folgert eine Erkenntnis, die für ein Modell des Übersetzens wichtig ist. Im Gegensatz zum reinen Bilingualismus kann dieses Strategiemodell des Übersetzens erklären, warum unter anderen, unterschiedlichen äußeren Umständen andere Formen der Übersetzung, also unterschiedliche Zieltexte entstehen. Im Gegensatz zum bilingualen Sprecher erlernt der Translator im Laufe des Studiums offenbar weitere kognitive Strukturen, die eine `konstruierte' Übersetzung ermöglichen. Diese kognitiven Strukturen werden immer reichhaltiger und - d.i. das Entscheidende - werden unterschiedlich organisiert. Typisch für Angänger ist z.B. die Tatsache, daß sie ihre Strategien noch nicht nach dem Übersetzungsziel ausrichten, sondern eher wort- und sa tzorientierte Lösungen suchen.



6.2 Organisation von kognitiven Strukturen


Alle Beispiele weisen darauf hin, daß Repräsentationen von der Struktur des vorhandenen deklarativen Wissens abhängen, das als Netzwerk von Propositionen vorstellbar ist. Prozedurales Wissen, also das Generieren von Informationen aus dem Langzeitgedächtnis, das Verarbeiten externer Information oder die Zusammenstellung von spezifischen Wissenskomponenten, ist als System von Produktionsregeln vorstellbar. Es entsteht durch die wiederholte Umsetzung des deklarativen Wissens in Handeln. Allmählich werden die prozeduralen Steuerungsmechanismen eingeübt und sind zuverlässig verfügbar, so daß die übersetzerische Tätigkeit durch automatische Prozesse gesteuert wird. Je mehr der Translator über gut eingeübtes prozedurales Wissen verfügt, desto mehr Kapazität ist verfügbar für die nicht automatisch ablaufenden Prozesse, die dann auf einer höheren Organisationsebene des Handelns angesiedelt sind und z.B. sogar dem Erwerb deklarativen Wissens dienen können[22]. Bewußte Suchroutinen und Erschließungsstrategien können lückenhaftes Wissen ausgleichen[23]. Mentale Einheiten und Sprachmittel sind nämlich in prozeduraler Form miteinander verbunden; und da auch ein Translator selten spontane gebrauchsadäquate Ausdrucksfähigkeit in zwei Sprachen hat, muß er lernen, wie Redemittel prozedural repräsentiert werden, sich folglich prozedurales Wissen aneignen. Beim Übersetzen spielt dieses Wissen deshalb eine große Rolle, weil häufig nur mit seiner Hilfe konzeptuelle Äußerungsstrukturen verstanden werden. Wenn dann eine Konzeptualisierung beim Translator zustande kommt, so ist damit nicht automatisch eine bestimmte Textäußerung im ZT vorhanden; die Selektion alternativer Formulierungen hängt i. w. von häufigen und routinierten Vertextungsstrategien ab. Schnelligkeit und Automatizität sowohl kognitiver wie sprachlicher Verarbeitungsprozesse sind übungsabhängige Lei stungen.



7 Kognition und übersetzerische Kompetenz


Der Zusammenhang zwischen der Entwicklung kognitiver Strategien und der Zunahme übersetzerischer Kompetenz (vgl. Shreve 1997) soll am Beispiel von Problemlösungsstrategien gezeigt werden. Wenn neue Strukturen/ Inhalte für die Integration neuen Wissens erforderlich sind, so sucht der semiprofessionelle Translator nach neuen Methoden und Strategien, indem er fragt, in welche Konzepte, abstrakte Strukturen oder welche kommunikative Situation der neue Stoff einzubetten ist oder auch, welche Ziele er mit diesen neuen Inhalten verfolgt. Der Anfänger dagegen erweitert seine kognitiven Strukturen und lernt erst einmal den Stoff getrennt von solchen Schemata, z.B. indem er zunächst Wörterbücher konsultiert etc. Die kognitiven Strukturen werden also im Laufe des Studiums erweitert und organisieren sich immer mehr durch Schemabildung und in Abhängigkeit von kommunikativen Zielen. Das Beispiel von fr. `école privée' vs. `école publique' belegte dies im Unterricht ganz deutlich. Während die Anfänger munter drauf los übersetzten - wie wir sahen, falsch übersetzten - maßen die höheren Semester der Information in Bezug zur übersetzerischen Zielsetzung mehr Gewicht bei, gliederten die Ausdrücke in die abstrakte Struktur `Schulwesen' ein und kamen zu korrekten Übersetzungen. Semiprofessionelle und professionelle Translatoren stellen aber nicht nur zahlreichere Beziehungen her zwischen abstrakten Konzepten, sie organisieren ihr Wissen auch in abstrakteren Beziehungsstrukturen. Das Wissen des Translators wird also nicht einfach mehr, es wird anders genutzt und dient immer mehr als flexibles Konstruktionswerkzeug. Aus den eingangs erwähnten Prämissen, v.a. den Engrammen, ergibt sich, daß Art, Rang und Häufigkeit übersetzerischer Aufgaben zu einer Reihe unterschiedlicher Strategien führen und schließlich zu übersetzerischer Kompetenz.
Bevor die letzte Dekade des zweiten Jahrtausends, die man die `Dekade des Gehirns' genannt hat, zu Ende geht, haben auch Übersetzungswissenschaftler eine Wende in der wissenschaftstheoretischen Fundierung ihrer Disziplin vollzogen. Die Ergebnisse und Erkenntnisse aus Gehirnforschung, Neurologie, Psychologie und Psycholinguistik werden auf die komplexe Realität des Übersetzens bezogen und insbesondere auf die Modellierung des Übersetzungsprozesses. Zunächst erlaubt der prozeßorientierte Verstehensbegriff eine Rekonstruktion der für das Textverstehen und -produzieren grundlegenden inferierenden Prozesse (s. 2 und 3). Die Verarbeitung von sprachlichem und außersprachlichem Wissen wird beim Übersetzen als integrativ-produktiver Prozeß beschrieben, der sich in der Formulierung des ZT niederschlägt. Die Integration neuer Wissensinhalte in bereits Ge- und Bekanntes - ein kognitiver Prozeß - hängt ganz wesentlich von den Fähigkeiten des Translators ab. Der Fähigkeit nämlich, sprachliches, konzeptuelles und prozedurales Wissen zu nutzen und Neues dazu in Beziehung zu setzen, neuronal zu vernetzen.
Der AT stellt in seiner materialen Form keine Sinnkonstante dar, die objektiv auf Fakten untersucht wird, da im Übersetzungsprozeß bottom-up und top-down Prozesse zusammenwirken. Textinhalte werden szenisch visualisiert und nur die Information, die von den Erwartungsstrukturen aktiviert wird und für den Kontext bzw. die bereits vorhandenen scenes, stereotypisierte Muster, relevant ist, wird für die Verarbeitung ausgewählt (s. 4). Während dieser Verarbeitung kommt es zu kognitiven Reflexionsprozessen, die prototypische Szenen, Überzeugungen, Handlungen, Erfahrungen, Vorstellungen verbinden mit frames, den sprachlichen Möglichkeiten für diese Szenen. Da die für das Verstehen wichtigen und relevanten Informationen in szenischen Vorstellungen erfaßt werden, spielt es vorzugsweise bei Fachtexten eine große Rolle, Schematisierungstechniken anzuwenden. Mit solchen Techniken können relevante Textinformationen identifiziert und organisiert, also in größeren Sinneinheiten zusammengefaßt werden (s. 5 und 6). Schemabildung und graphische Darstellung von Beziehungsgefügen (s. 6) wirken sich positiv auf Verstehen und Behalten von Textinformation aus und unterstützen den Übersetzungsvorgang. Die Schwierigkeit beim Aufbau kognitiver Strukturen und von szenischen Vorstellungen besteht darin, die wichtige und relevante Information bei der Recherche herauszufiltern, Datenströme in Wissen zu `prozessieren'. Diese kognitiven Strategien sind kennzeichnend für den professionellen Translator und werden in der Verstehens- und Produktionsphase des Übersetzens eingesetzt. Auf der Grundlage einer Makrostrategie, die von den Zielsetzungen, der Verwertbarkeit einer Translation für den Rezipienten ausgeht, gelangt man zu kommunikativ wirksamen und adäquaten zielsprachlichen Formulierungen.



8 Bibliographie


Baldauf, Christa (1997), Metapher und Kognition - Grundlagen einer neuen Theorie der Alltagsmetapher, Frankfurt/ Main
Börner, Wolfgang/Vogel, Klaus (edd.) (21997), Kognitive Linguistik und Fremdsprachenerwerb. Das mentale Lexikon, Tübingen
Christmann, Ursula (1989), Modelle der Textverarbeitung: Textbeschreibung als Textverstehen, Münster
Dancette, Jeanne (1995), Parcours de traduction: Etude expérimentale du processus de compréhension, Lille
Dirven, René (1994), Metaphor and nation. Metaphors Africaners live by, Frankfurt u.a.
Eigler, Gunther/Jechle, Thomas/Kolb, Monika/Winter, Alexander (1995), "Textentwicklung und Nutzung externer Information. Prozeß- und produktorientierte Analysen", in: Baurmann, Jürgen/Weingarten, Rüdiger (edd.), Schreiben. Prozesse, Prozeduren und Produkte, Opladen, 147- 72
Eigler, Gunther Jechle, Thomas/Merziger, Gabriele/Winter, Alexander (1990), Wissen und Textproduktion, Tübingen
Ellis, Andrew W./Young, Andrew W. (1991), Einführung in die kognitive Neuropsychologie, Bern
Gadenne, Volker (1996), Bewußtsein, Kognition und Gehirn. Einführung in die Psychologie des Bewußtseins, Bern u.a.
Gile, Daniel (1995), Basic concepts and models for interpreter and translator training, Amsterdam
Heinemann, Wolfgang/Viehweger, Dieter (1991), Textlinguistik. Eine Einführung, Tübingen
Hönig, Hans (21997), Konstruktives Übersetzen, Tübingen
Jahr, Silke (1996), Das Verstehen von Fachtexten. Rezeption - Kognition - Applikation, Tübingen
Krings, Hans P. (1986), Was in den Köpfen von Übersetzern vorgeht. Eine empirische Untersuchung zur Struktur des Übersetzungsprozesses an fortgeschrittenen Französischlernern, Tübingen
Kupsch-Losereit, Sigrid (1995a), "Die Modellierung von Verstehensprozessen und die Konsequenzen für den Übersetzungsunterricht", in: TEXTconTEXT 3, 179-195
Kupsch-Losereit, Sigrid (1995b), "Übersetzen als transkultureller Verstehens- und Kommunikationsvorgang: andere Kulturen, andere Äußerungen", in: Salnikow, Nicolai (ed), Sprachtransfer - Kulturtransfer. Text, Kontext und Translation, Frankfurt, 1-15
Kupsch-Losereit, Sigrid (1996), "Kognitive Verstehensprozesse beim Übersetzen", in: Lauer, Angelika/Gerzymisch-Arbogast, Heidrun/Haller, Johann/Steiner, Erich (edd.), Übersetzungswissenschaft im Umbruch. Festschrift für Wolfram Wilss zum 70 Geb., Tübingen, 217-228
Kupsch-Losereit, Sigrid (1997), "Übersetzen: ein integrativ-konstruktiver Verstehens- und Produktionsprozeß", in: Drescher, Horst W. (ed.), Transfer. Übersetzen - Dolmetschen - Interkulturalität. 50 Jahre Fachbereich Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft der Johannes Gutenberg- Universität Mainz in Germersheim, Frankfurt, 209-223
Kußmaul, Paul (1995), Training the translator, Amsterdam
Lakoff, George/Johnson, Mark (1980), Metaphors we live by, Chicago
Lakoff, George (1987), Women, fire, and dangerous things: What categories reveal about the mind, Chicago and London
Liebert, Wolf-Andreas (1992), Metaphernbereiche der deutschen Alltagssprache. Kognitive Linguistik und die Perspektiven einer kognitiven Lexikographie, Frankfurt
Lörscher, Wolfgang (1991), Translation performance, translation process, and translation strategies. A psycholinguistic investigation, Tübingen
Ning Yu (1998), The contemporary theory of metaphor, Amsterdam
Reiß, Katharina/Vermeer, Hans Josef, (21991), Grundlegung einer allgemeinen Translationstheorie, Tübingen
Rickheit, Gert/Strohner, Hans (1993), Grundlagen der kognitiven Sprachverarbeitung. Modelle, Methoden, Ergebnisse, Tübingen/ Basel
Risku, Hanna (1998), Translatorische Kompetenz. Kognitive Grundlagen des Übersetzens als Expertentätigkeit, Tübingen
Rosch, Eleanor (1973), "Natural categories", in: Cognitive Psychology 4, 328-350
Rosch, Eleanor (1975), "Cognitive reference points", in: Cognitive Psychology 7, 532-547
Schade, Ulrich (1992), Konnektionismus: Zur Modellierung der Sprachproduktion, Opladen
Schäffner, Christina (1993), "Die europäische Architektur - Metaphern der Einigung Europas in der deutschen, britischen und amerikanischen Presse", in: Grewenig, Adi (ed.), Inszenierte Information. Politik und strategische Kommunikation in den Medien, Opladen, 13-30
Schwarz, Monika (1992), Einführung in die kognitive Linguistik, Tübingen
Séguinot, Candace (1989), The translation process, Toronto
Shreve, Gregory M. (1997), "Cognition and the evolution of translation competence", in: Danks, Joseph H. et al. (edd.), Cognition processes in translation and interpreting. Thousands Oaks, 120-136
Snell-Hornby, Mary (ed.) (21994), Übersetzungswissenschaft - eine Neuorientierung. Zur Integration von Theorie und Praxis, Tübingen
Stolze, Radegundis (21997), Übersetzungstheorien. Eine Einführung, Tübingen
Sucharowski, Wolfgang (1996), Sprache und Kognition. Neuere Perspektiven in der Sprachwissenschaft, Opladen
Taylor, John R., (1989) Linguistic categorization: Prototypes in linguistic theory, Oxford
Vermeer, Hans Josef (1992), "Eine kurze Skizze der scenes-&-frames-Semantik für Translatoren", in: Salevsky, Heidemarie (ed.), Wissenschaftliche Grundlagen der Sprachmittlung. Berliner Beiträge zur Übersetzungswissenschaft, Frankfurt, 75-83
Weber, Frauke (1995), Denken in Metaphern. Kognitive Semantik und französische Gefühlsmetaphorik, Frankfurt u.a.
Zwaan, Rolf A. (1993), Aspects of literary comprehension, Utrecht

[1] Vgl. Stolze 21997:23-75 zur Geschichte der sprachenpaarbezogenen, transferorientierten Übersetzungswissenschaft. Neuere handlungsorientierte übersetzungswissenschaftliche Studien stellt der Sammelband von Snell-Hornby 21994 vor.
[2] Dazu gehören Experimente zur bewußten und automatischen Informationsverarbeitung Wahrnehmung, Mustererkennung, Visualisierung, Worterkennung, Schemabildung (Zuordnung von Gegenständen zu Klassen), Konzeptualisierungsprozesse z.B. von Farben etc.
[3] Zur Kulturspezifik von scenes und frames vgl. Vermeer 1992.
[4] Vgl. Schwarz 1992:29. Der pure Vergleich von eigenem und fremdkulturellem Sprach- und Weltwissen stellt keine kognitive Operation an sich dar. Diese Vergleichshandlung geht der Inferenz voraus, ist also nicht das entscheidende Paradigma des Verstehensprozesses, auch wenn Fremdes erst einmal über bereits Bekanntes wahr- und aufgenommen wird.
[5] Näheres zu diesem Prozeß in Kupsch-Losereit 1995a und 1995b.
[6] Zwaan 1993:15-18 und 157 belegt die Abhängigkeit kognitiver Strategien und Kontrollmechanismen von Texttyp und Texterwartung. Bei Zwaan auch weiterführende Literatur.
[7] Vgl. die beispielhaften Untersuchungen der kognitiv und sprachlich unterschiedlichen Verarbeitung von Farbwahrnehmungen in den verschiedenen Kulturen von Ellis/Young 1991 und Lakoff 1987.
[8] Eco, Umberto (1980), Il nome della rosa, Milano, 29. (Deutsche Übersetzung von Kroeber, Burkhart (1982), Der Name der Rose, München, 31).
[9] Vgl. dazu die Beispiele zur unterschiedlichen Konzeptualisierung sprachlicher Ausdrücke in Kupsch-Losereit 1997:216-221.
[10] Über die Verarbeitung von Lexemen durch Inferenzprozesse informiert der Sammelband von Börner/ Vogel (21997).
[11] Pflanzenbeispiele im Deutschen `Frauenschuh' `Orchidee mit schuhförmiger Blüte', `Osterglocke' `Narzisse'; im Französischen `pied-de-lion' `edelweiss', `pied-de-loup' 'lycopode', `pied-de-mouton' `champignon' etc.
[12] Vgl. Weber 1995. Zur Kulturspezifik oder Universalität von Metaphern vgl auch Dirven 1994, Liebert 1992 und Ning Yu 1998, der konzeptuelle Metaphern für Raum, Zeit, Gefühle etc. untersucht.
[13] Es ist ein bekanntes Phänomen, daß der Rezipient nur eine Teilmenge von dem Mitgeteilten wahrnimmt. Aus einem Satz wird nur soviel verarbeitet, bis ein Schema identifiziert ist. Details werden dann aus dem Schema und nicht mehr vom Satz abgeleitet.
[14] Für diese Modellvorstellung ist die Beobachtung bedeutsam, daß nach dem Lesen eines Textes die Rezipienten oft nicht mehr unterscheiden, ob eine Information explizit im Text vorgekommen ist oder nicht; vgl. Fußnote 13.
[15] Solche semantischen Relationen, die Beziehungen zwischen den Bedeutungseinheiten herstellen, sind z.B. Konjunktion, Kausalität, Zweck, Konzession, Kontrast, Konditional etc. Vgl. Christmann 1989:52.
[16] Zur Konzeption von Kohärenz in kognitiven Modellen vgl. Sucharowski 1996:213-226 und Rickheit/Strohner 1993:233-236.
[17] Zur generellen Unterscheidung von kontrollierten und automatischen Prozessen der Informationsverarbeitung vgl. Gadenne 1996:107-122.
[18] So läßt sich die Entwicklung übersetzerischer Strategien und d. h. letztendlich der Übersetzungskompetenz aus den kognitiven Grundlagen erklären.
[19] Zu translatorischen Annahmen und zu den wichtigsten Strategien - Integration, Konstruktion und Intertextualisieren - vgl. Kupsch-Losereit 1996:224-226.
[20] Zu den Merkmalen erfolgreicher Strategiebildung vgl. Hönig 21997:87-90.]
[21][ Vgl. hierzu die Beispiele zu strategischen Vorgehensweisen in Jahr 1996:80-130.
[22] Je umfangreicher und vertrauter ein bestimmtes Wissensfeld ist, desto eher wird es strukturiert und desto flexibler läßt es sich auch strategisch umstrukturieren. Auf die Frage nach französischen Schultypen ergab sich bei Studierenden im Grundstudium z.B. eine recht ärmliche strukturierte Folge von Typen `école élémentaire', `collège', `lycée'. Dagegen sah die Folge deutscher Schultypen wesentlich reichhaltiger aus Vorschule, Grund- und Hauptschule, Realschule, Gesamtschule, Gymnasium, Berufsschule.
[23] Die gegenseitige Beeinflussung von Wissen externer Information - aus Wörterbüchern, Lexika, Datenbanken, Enzyklopädien, Fachliteratur - und Textproduktion belegen Eigler et al. 1990:153-192 und Eigler 1995:147-172.

Letzte Bearbeitung: 6. April 2000
Erstellt und bearbeitet von dem WWW-Team nach der Vorlage von Frau Dr. Kupsch-Losereit
Homepage des FASK * Übersicht der User-Seiten * Hauptseite von Frau Dr. Kupsch-Losereit