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Ganzheitliches Lernen
Der Lehrer betritt den Klassenraum, die lebhaften Gespräche verstummen. Während der nächsten 45 Minuten stenografieren die Schüler eifrig mit, was der Lehrer erzählt, und bemühen sich die Aufgaben des Lehrers zu seiner Zufriedenheit zu lösen.

Ziel eines fortschrittlichen Sprachunterrichts, der sich am Menschen und an der Komplexität von Sprache orientiert, soll eine positive Lernatmosphäre schaffen, die nicht nur frei von Zwängen ist, sondern in der auch das Selbstbewusstsein und die Motivation der Schüler gestärkt und räumliche Freiheit geschaffen wird.

Sprache ist etwas, das zwischen Menschen entsteht.
Sprachunterricht ist mehr als nur das Vermitteln von grammatischen Regeln und Vokabeln. Es geht vielmehr darum, im Unterricht die Bedingungen dafür zu schaffen, in der Sprache zu kommunizieren und mit anderen in Kontakt zu treten. Das Lernen in der Gemeinschaft fördert das soziale Miteinander und lässt die Lernenden in eine ganz neue fremdartige Welt eintauchen.

Soziale und interkulturelle Kompetenz gehen Hand in Hand. Denn um sich sicher in einer fremden Kultur bewegen zu können, muss man sich nicht nur seiner eigenen, sondern auch der jeweils anderen Kultur bewusst sein. Der Klassenraum ist der Ort, an dem die (gar nicht mehr so) fremde Kultur in ihrer Vielfalt erfahren werden kann, z. B. durch Lieder, Rollenspiele, Literatur, Filme oder Spiele.

Lernen darf Spaß machen!
Auch die emotionale Komponente beeinflusst wesentlich den Lernerfolg. Informationen, die emotional bedeutsam sind, werden leichter behalten. Darum fördert eine positive Einstellung zu der jeweiligen Sprache und Kultur sowie eine gute freundschaftliche Beziehung zwischen Lehrer und Lernenden.

Die Funktion des Lehrers ist es, den Lernenden zu unterstützen. Er hilft dem Lernenden durch sein motivierendes Feedback, Fehler nicht als Niederlagen, sondern als neue Chancen zum Erfolg zu verstehen. Nur ein selbstbewusster und motivierter Lernender, der den Lernprozess selbstständig mitgestaltet, entwickelt das notwendige Interesse am Lerninhalt und ein Gefühl der Verantwortung für das eigene Lernen und damit das eigene Leben. Deshalb muss er keine Angst davor haben, sich vor der Gruppe zu blamieren und wird im Gegenteil dazu angehalten, kindlich experimentell mit der Sprache umzugehen und all ihre Möglichkeiten auszuschöpfen.

Mit Leib und Seele dabei sein
Zu einem emotionalen und psychischen Wohlbefinden gehört auch körperliche Ausgeglichenheit. Im Unterrichtsraum dürfen Bänke und Stühle nicht das natürliche Bedürfnis nach Freiraum einschränken. Der Lernende muss eine bequeme Haltung einnehmen können, da es der menschlichen Natur widerspricht, stundenlang stillzusitzen. In Rollenspielen wird der Körper eingesetzt, um das Gelernte in Bewegungen auszudrücken. So werden zum Beispiel kulturspezifische Gesten und Verhaltensweisen eingeübt. Nur wenn die Unterrichtsinhalte einen Bezug zum Leben und Alltag herstellen, wird der Lernende die Sprache außerhalb des Unterrichts sinnvoll anwenden können.