Multi-Media Translation Projects
Lokalisierung "KPlayer"
Softwarelokalisierung - was ist das?
Unter Softwarelokalisierung versteht man die Anpassung eines Programms an die Anforderungen eines bestimmten Landes. Meist handelt es sich dabei um die Übersetzung einer Benutzeroberfläche in die jeweilige Landessprache. Gegebenenfalls müssen auch grafische Elemente (z. B. Farben mit symbolischer Bedeutung in der Zielkultur) oder bestimmte Programmfunktionen den Konventionen der Zielkultur angepasst werden (z. B. für Buchhaltungssoftware).




Konqui
Konqui,
das KDE-Maskottchen
Linux/KDE
KDE ist ein Windowmanager des Betriebssystems Linux und somit wie dieses ein Open Source Projekt. Jeder Interessierte, egal ob es sich dabei um Programmierer oder Übersetzer handelt, kann sich daran beteiligen. Das deutsche Übersetzerteam hat eine eigene Webseite, auf der man zahlreiche nützliche Einstiegsinformationen, Stilrichtlinien, Standardübersetzungen und ein visuelles Wörterbuch finden kann. Die Zusammenarbeit der Übersetzer wird von einem Teamkoordinator aufeinander abgestimmt, der auch gerne bei der Projektwahl behilflich ist.

KBabel
Die Datei, die der Softwarelokalisierer zum Übersetzen erhält, besteht nicht nur aus dem Text der grafischen Benutzeroberfläche (GUI) des Programms, sondern auch aus Programmcode, damit der Text beim Kompilieren später an der richtigen Stelle im Programm eingefügt wird. Damit diese Kodierungen nicht versehentlich vom Übersetzer gelöscht werden, übersetzt man Software in der Regel mit Hilfe eines Lokalisierungstools, im Falle von Linux mit KBabel. Dieses ist bei einer normalen Linux-Distribution wie z. B. SuSE im Paket enthalten, kann aber auch alternativ aus dem Internet heruntergeladen werden. KBabel zeigt dem Übersetzer nur den zu übersetzenden Text und blendet den Programmcode aus. Im Gegensatz zu Lokalisierungstools unter Windows wie z. B. Passolo unterstützt KBabel keine WYSIWYG-Ansicht von Menüs oder Dialogen. Dafür spart man die teuren Lizenzgebühren. Man sollte sich auf jeden Fall die Zeit nehmen, das Handbuch durchzuarbeiten.

Screenshot KBabel
Ein Screenshot von KBabel




Unser Projekt: KPlayer
Der KPlayer ist ein KDE Frontend für den MPlayer. Der MPlayer ist ein bekannter Mediaplayer unter Linux, der sowohl Videos als auch Musik abspielen kann - und das in vielen verschiedenen Formaten, wie z. B. .mp3, .avi oder .wav. Da der MPlayer von Aussehen und Bedienung aber nicht zur KDE-Oberfläche passt, wurde ihm mit KPlayer ein neues Erscheinungsbild aufgesetzt. Unsere Aufgabe bestand darin, diese Oberfläche mit sämtlichen Menüpunkten, Kurz- und Fehlermeldungen, "Was ist das?"-Hilfe und Tooltipps zu übersetzen.
Screenshot KPlayer
Ein Screenshot von KPlayer



Wie werde ich KDE-Übersetzer
Voraussetzung ist zunächst eine funktionierende Linux-Version auf dem eigenen Rechner.
  1. Als Einstieg in die Arbeit als KDE-Übersetzer wird empfohlen, sich zuerst in die Mailingliste (Link) des deutschen Übersetzerteams einzutragen. Dadurch erhält man sofort Einblicke in die Arbeit der anderen Übersetzer, kann Begriffsdiskussionen mitverfolgen und eigene Fragen stellen, die immer bereitwillig beantwortet werden.
  2. Dann führt kein Weg an der Lektüre der umfangreichen Website des Übersetzerteams vorbei.
  3. Fühlt man sich schließlich startbereit, findet man auf "Wer macht was" eine Übersicht über die KDE-Programme, wer für die Übersetzung zuständig ist und für welches Projekt noch Übersetzer gesucht werden. Entweder man sucht sich hier ein Projekt aus und teilt dies dem Übersetzerteam mit, oder man wendet sich an den Teamkoordinator, der bei der Auswahl gerne behilflich ist.
  4. Zunächst sollte man sich die neueste Version des ausgewählten Programms auf dem Rechner installieren. So kann man herausfinden, wo die zu übersetzenden Strings im Programm angezeigt werden, und bestimmte Funktionen selbst testen. Dies ist sehr hilfreich, wenn das englische Original nicht eindeutig ist und Einträge in der Zielsprache neu formuliert werden müssen.
  5. Danach sollte man KBabel auf seinem Rechner installieren, falls man dies nicht bereits bei der Linux-Installation erledigt hat.
  6. Die zu übersetzenden Dateien kann man sich z. B. aus dem WebSVN herunterladen. Diese Dateien sind sogenannte POT-Dateien (portable object templates), die vom Übersetzer zunächst in PO-Dateien umgeformt werden müssen (indem man sie einfach umbenennt).
  7. Klickt man auf die PO-Datei, öffnet sich automatisch KBabel und man kann mit der eigentlichen Übersetzung beginnen.
  8. Die fertige Übersetzungsdatei schickt man am Besten, gerade als Einsteiger, zum Korrekturlesen an den Teamkoordinator.


Mögliche Probleme

Konsistenz
Wichtigstes Qualitätskriterium für die Softwarelokalisierung ist die Konsistenz von Terminologie und Stil. Man muss sich entscheiden, wie der Benutzer addressiert werden soll und wie ein Hilfetext, eine Statusmeldung etc. aufgebaut sein soll. Besonders wichtig ist die konsistente Verwendung der Terminologie, dass man also im Menü, in den darauf bezogenen Hilfetexten und Meldungen stets die gleichen Begriffe für einen Sachverhalt verwendet. Der Wiederholungsgrad ist bei Software im Gegensatz zu normalen Texten sehr hoch. Hier ist eine Translation Memory-Funktion hilfreich. Um diese bei KBabel bedienen zu können, muss man sich allerdings intensiver mit dem umfangreichen Handbuch beschäftigen.

Tux und Konqui im Stress
Probleme mit konsistenter Terminologie?
Terminologie
Es ist häufig nicht einfach, für das spezifische Software-Vokabular Entsprechungen in der Zielspracheresprache zu finden. Soweit vorhanden (bei KDE leider nicht sehr umfangreich) kann der Übersetzer in den Stilrichtlinien oder in den Standardübersetzungen Hilfe finden, die Begriffe im Forum zur Diskussion stellen und sich in anderer, ähnlicher, Software Anregungen holen (Paralleltextanalyse). Ein einheitliches Ergebnis kommt dabei selten zustande, die Entscheidung liegt letztlich beim Übersetzer. Bei manchen Sachverhalten ist es am Sinnvollsten, sie komplett neu zu formulieren.

Länge
Die deutsche Übersetzung ist im Regelfall länger als das englische Original. Es kann vorkommen, dass die deutsche Übersetzung nicht in das entsprechende Textfeld passt und abgeschnitten wird. Man sollte seine Formulierungen also eher knapp halten. Wenn sich gar keine Lösung finden lässt, bleibt nur, den Programmierer zu kontaktieren.

Textformatierung
Im zu übersetzenden Text befinden sich Formatierungsbefehle wie z. B. \n für einen Zeilenumbruch oder das &-Zeichen für einen Hotkey. Diese darf der Übersetzer nicht einfach entfernen. Die Hotkeys werden vom Übersetzer neu vergeben, wobei darauf zu achten ist, dass sie innerhalb eines Menüs nicht doppelt vorkommen dürfen.

Zu Linux
Allgemein kann es z. B. bei bestimmten Notebooks, die in der Regel für Windows ausgelegt sind, unter Linux immer noch Probleme geben. Auch die Installation von zusätzlichen Programmen (wie in unserem Fall dem MPlayer) kann sich schwieriger gestalten als erwartet und erfordert mitunter die Hilfe eines Informatikers. So erklärt sich vielleicht auch, dass bislang kaum Übersetzer beim KDE-Projekt mitarbeiten und die Übersetzungen zumeist von Computerfachleuten übernommen werden. Diese sind allerdings sehr hilfsbereit und helfen gerne über Anfangsschwierigkeiten hinweg.

Diese Seite ist Teil der FASK-Seiten von D. Kiraly