Hier geht es zum englischen Original des Fragebogens

Auswertung der Umfrage


Alter der Befragten



Vor unserer Umfrage hatten wir das Vorurteil, dass die Mehrzahl der befragten Dozenten nicht über 40 Jahre alt seien. Umso überraschter waren wir, als wir anhand der Ergebnisse sahen, dass nur 43% der Umfrageteilnehmer in dieser Altersgruppe zu finden waren (20-30 Jahre: 7%; 30-40 Jahre: 36%). Die 40-50-Jährigen machten nur 14% aus. Nicht erwartet hatten wir die große Gruppe der 50-60-Jährigen mit 36%. Die goldene Alterstrophäe für innovative Dozenten ging an die 7% der über 60-Jährigen.

Applaus gibt es hier

Unterrichtssprachen

In der Regel unterrichten Dozenten in einem Land, in dem ihre Muttersprache gesprochen wird. Wir erfuhren allerdings auch von Lehrkräften, die zwar in ihrer Muttersprache, aber nicht in ihrem Heimatland tätig sind. Interessanterweise bieten einige Dozenten auch Übersetzungskurse in eine andere als ihre Muttersprache an; ein englischer Muttersprachler in Brasilien bietet also z.B. Übersetzungskurse ins Portugiesische an.

In ein und demselben Klassenraum treffen häufig mehrere Kulturkreise mit ihren verschiedenen Sprachen aufeinander. Kurse werden also nicht nach Muttersprachen getrennt. So übersetzen z.B. Engländer und Franzosen zusammen Texte ins Französische und können sich so gegenseitig beim Verstehen des Ausgangstextes und bei der Formulierung in die Zielsprache behilflich sein. Ein Phänomen, in dessen Genuss wir an unserer Universität bisher noch nicht gekommen sind.


Voraussetzungen zur Durchführung von authentische Projekten

Ist es Voraussetzung, freier Übersetzer zu sein, um authentische Projekte anbieten zu können? Unsere Auswertungen haben ergeben, dass beinahe 50% der Befragten neben ihrem Lehrauftrag freiberuflich tätig sind.

Auf die Frage, ob die Dozenten Allgemein-oder Fachübersetzungsübungen anbieten, antworteten 50% "Beides", 12,5% "nur allgemeine Übersetzungen" und 37,5% "nur Fachübersetzungen". Folglich ist es nicht entscheidend, welche Art von Texten für authentische Projekte verwendet werden.


Auswahlkriterien

Nach welchen Kriterien suchen die Dozenten ihre Texte aus?

In erster Linie wird Wert auf die Länge des Textes gelegt. Die Befragten wiesen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass häufig nur ein begrenzter Zeitraum innerhalb des Semesters für die Übersetzung zur Verfügung steht. Da Studenten für die Bewältigung eines Textes mehr Zeit benötigen als professionelle Übersetzer, stellen kurzfristige Abgabetermine ein weiteres Hindernis dar.

Als fast genauso wichtig empfanden die Lehrkörper das Thema des Textes. Sind die Studenten bereits mit einem Sachbereich vertraut, steigt ihre Motivation. Die Bearbeitung fällt ihnen leichter, da nicht so viele Hintergrundrecherchen von Nöten sind.

Von Bedeutung ist ebenfalls der Stil des Textes, da dieser den Schwierigkeitsgrad einer Übersetzung zusätzlich beeinflusst. Der Bezahlung der Arbeit maßen die Dozenten keinerlei Wichtigkeit bei, weil die Projekte hauptsächlich auf freiwilliger Basis oder für wohltätige Zwecke durchgeführt werden. Erfolgt jedoch eine Vergütung, fällt diese meist geringer aus als auf dem Markt üblich. In diesen Fällen wird das Geld entweder gespendet, unter den Studenten aufgeteilt oder zur Anschaffung von Unterrichtsmaterial verwendet.


Fallen die Texte vom Himmel?

Leider nicht, aber oftmals löst sich das Problem der Textsuche von selber, denn die Mehrheit der Befragten gaben an, dass viele Auftraggeber sich von sich aus an die Dozenten wenden, um ihre Texte von Studenten übersetzen zu lassen. Im Gegensatz dazu ergreift nur ca. ein Viertel der Lehrkräfte selbst die Initiative, einen geeigneten Text ausfindig zu machen. In anderen Fällen wird auf eigene Aufträge zurückgegriffen, die die Studenten mit Erlaubnis der Klienten bearbeiten. Bei manchen Dozenten ist die selbständige Suche nach einem Text Teil des authentischen Projekts. Lassen sich keine geeigneten Texte finden, wird auf andere Art und Weise versucht, eine authentische Atmosphäre zu bewahren. In diesem Fall "spielt" der Dozent den Auftraggeber. Er greift z.B. auf Texte aus dem Internet oder eigene, bereits abgeschlossene Projekte zurück und stellt fixe Abgabetermine, die die Studenten berücksichtigen müssen.


Vorgehensweise


Offensichtlich spielt die Klassengröße für diejenigen Dozenten, die bereit sind, authentische Projekte anzubieten, keine Rolle. Das Spektrum reichte von Kursen mit weniger als 10 bis hin zu über 25 Studenten.


Wie arbeiten die Studenten?


Es hat uns sehr überrascht, dass die Studenten offensichtlich mehr zu Hause als im Unterricht arbeiten müssen. Wir gehen davon aus, dass dies hauptsächlich Vorbereitungszwecken aufgrund von Zeitmangel innerhalb des Semesters dient.


Welche Hilfsmittel werden verwendet?


Reaktionen

Wie kommen die Projekte bei den Studenten an?

Ausnahmslos alle Studierenden scheinen nach Angaben ihrer Dozenten von dieser innovativen Unterrichtsform begeistert zu sein. Ihre Motivation steigt und sie sind bereit, mehr Zeit zu investieren als z.B. in die Übersetzung von Zeitungsartikeln, die anschließend im Mülleimer landen. Wenn die Möglichkeit besteht, besuchen sie ähnliche Kurse im folgenden Semester erneut.


Was halten die Kollegen der befragten Dozenten von dieser Unterrichtsform?

Nur ein einziger der befragten Dozenten gab an, von seinen Kollegen kritisiert zu werden. In den meisten Fällen bewerteten die Kollegen die Projekte als positiv, jedoch gestalteten nur wenige von ihnen ihren eigenen Unterricht entsprechend um.


Wie ist die Reaktion der Auftraggeber?

Genau die Hälfte der Klienten war mit der Idee einverstanden, häufig jedoch unter der Bedingung, dass der Dozent die fertige Übersetzung noch einmal Korrektur liest. 33% waren anfangs skeptisch, konnten jedoch schließlich vom Konzept überzeugt werden. Für die übrigen 17% war es nicht von Bedeutung, wer den Text übersetzt, solange die fertige Übersetzung pünktlich auf ihrem Schreibtisch liegt.


Wie beurteilen die Dozenten selbst die Arbeit mit authentischen Projekten?


Wie aus der Grafik hervorgeht, hat die Mehrheit der Dozenten nicht nach dem ersten authentischen Übersetzungsprojekt das Handtuch geworfen, sondern blieb dieser innovativen Unterrichtsmethode treu. Dennoch scheint diese Art des Unterrichtens noch nicht allzu lange zu existieren, da viele der Befragten angaben, erst 2-5 Mal solche Projekte angeboten zu haben.


Sind authentische Projekte mit mehr Aufwand verbunden?


Viele Dozenten berichten, dass die Durchführung eines solchen Projektes einen erhöhten Arbeitsaufwand bedeutet. Dies ist vor allem auf den engen Zeitrahmen zurückzuführen, der für die Anfertigung der Übersetzung zur Verfügung steht. Für das Projekt muss ein Konzept erstellt werden, um die einzelnen Arbeitsschritte effektiv zu koordinieren und ein einheitliches Endprodukt zu gewährleisten. Da die Auftraggeber häufig darauf bestehen, dass der Dozent die Arbeit der Studenten Korrektur liest, muss dieser mehr Zeit und Arbeit investieren.


Trotz gelegentlicher Probleme war der allgemeine Tenor der Befragten durchweg positiv. "Advantages far outreach any disadvantage", so ein anonymer Umfrageteilnehmer. Ausnahmslos alle Dozenten betonten die enorme Motivationssteigerung, die von authentischen Projekten ausgeht. Die Studenten sind begeistert und stolz, dass ihre Arbeit veröffentlicht und einem breiten Publikum zugänglich gemacht wird. Sie werden darauf vorbereitet, was sie im späteren Berufsleben erwartet; hierzu gehören z.B. Vertragsverhandlungen mit dem Auftraggeber, das Anlegen und Arbeiten mit Datenbanken, Terminologierecherche, Zusammenarbeit mit anderen Übersetzern und Experten und durch Zeitdruck bedingte Stresssituationen. Für Studenten, die professionelle Übersetzer werden wollen, ist diese Art des Unterrichts die beste Methode, um sich auf das Berufsleben vorzubereiten.

Fazit: Ohne authentische Übersetzungsprojekte geht es nicht!!!


Für weitere Fragen stehen wir Ihnen zur Verfügung unter:
authentic_translation_projects@hotmail.com

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Hier finden Sie Informationen zu Unterrichtsmethoden auf der ganzen Welt (auf Englisch), die eine Gruppe in einem vorherigen Semester zusammengestellt haben.