Gibt es ein Leben nach dem Examen?

oder: Wo trifft die akademische Welt des Übersetzer- und Dolmetscherstudiums die heutige Wirklichkeit?

Beantworten können diese Frage naturgemäß diejenigen am besten, die diese "Reise" von der einen Welt in die andere Welt vor kurzem unternommen haben, sprich: die vor nicht allzu langer Zeit ihr Examen abgelegt haben und sich nun im Berufsalltag befinden. Was läge näher, als in genau dieser Zielgruppe eine Umfrage durchzuführen, um eben diese Frage zu konkretisieren?

(Anmerkung: Diese Umfrage wurde ausschließlich unter Absolventen des FASK Germersheim durchgeführt, und somit beziehen sich auch die Aussagen ausschließlich auf dieses Institut. Dennoch ist es wahrscheinlich, dass hier viele Parallelen zu anderen Universitäten bestehen...Weitere Anmerkung: Dieser Bericht spiegelt die persönliche Meinung einer Studentin wider. Für Rückmeldungen jeglicher Art sind wir dankbar.)

Folgende Ergebnisse kamen hierbei zu Tage:

1) Viele der Absolventen bemängelten den oftmals fehlenden Praxisbezug. Oft würden in den Übersetzungsübungen schöngeistige Texte übersetzt, die wenig auf die spätere Tätigkeit vorbereiteten. Einige schlugen obligatorische Praxissemester in der Industrie vor, andere beklagten mangelnde Vermittlung von übersetzungsrelevanten Computerkenntnissen.

2) Wieder andere bemängelten die zu fachspezifische und punktuelle Wissensvermittlung, wobei weite Bereiche unangetastet blieben. Der Zusammenhang fehle.

3) Andererseits wurde auch beklagt, dass unter den Studenten häufig das Bewusstsein fehle, dass der Fachbereich in Germersheim eben eine akademische Einrichtung sei und keine "Sprachenschule".

Dabei wurde unweigerlich das Spannungsfeld deutlich, in dem sich der Fachbereich in Germersheim befindet: Auf der einen Seite hat Germersheim den Anspruch einer akademischen Institution, die gar nicht das Ziel verfolgt, "flächendeckend" Wissen zu vermitteln, wie das bei einer Ausbildung der Fall ist. Stattdessen sollen die Studenten zum selbständigen Lernen und Wissenserwerb angeleitet werden. Übersetzungsrelevante Computerkenntnisse werden in Germersheim durchaus vermittelt, aber es liegt in der Verantwortung des Einzelnen, dieses Angebot auch in Anspruch zu nehmen. Gleichsam liegt es in der Verantwortung des Einzelnen, sich um Praktika im In-und Ausland zu bemühen, zumal hier in gewissem Umfang auch institutsintern Hilfestellung geleistet wird. Die sogenannte studentische Freiheit ist anscheinend Vorrecht und Gefahr zugleich.

Andererseits erhebt Germersheim auch den Anspruch, die Studenten auf den Beruf des Übersetzers oder des Dolmetschers vorzubereiten, also auch in gewissem Maße ein praxisnahes Lehrangebot anzubieten. Hierauf können die Studenten nur in geringem Maße Einfluss nehmen. Unweigerlich stellt sich hierbei die Frage nach dem Rollenverständnis von Dozent und Student: Eine Meinungsumfrage unter Erstsemestern, die diese Frage aufgreift, ergab, dass fast alle Erstsemester den Dozenten als Wissensvermittler verstehen, dessen Meinung und Aussage grundsätzlich nicht angezweifelt werden darf. Die Sichtweise, den Dozenten als Berater und Assistierenden im eigenen Lernprozess zu verstehen, ist fast allen Erstsemestern vollkommen fremd.

Eine Umfrage unter Studierenden am FASK ergab ebenso interessante und aufschlussreiche Ergebnisse.


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