Ein etwas anderer Kurs

Im Sommersemester 2002 nahmen ungefähr 20 Studenten an einer Übersetzungsübung Deutsch-Englisch für das 5. und 6. Semester teil. Diese Übung verlief jedoch nicht so, wie man es von den meisten anderen Übungen gewohnt ist. In diesem Kurs wurden nicht nur Texte übersetzt und besprochen, vielmehr drehte es sich um die Aufgaben, die die Studenten nach dem Diplom erwartet.

In den ersten vier Wochen wurden Lebensläufe und Empfehlungsschreiben nach den geläufigen Standards verfasst und diskutiert, Vor- und Nachteile gegen einander abgewogen.

In den anschließenden fünf Wochen wurden drei Übersetzungsaufträge bearbeitet. Die Studenten formten selbst mehrere Arbeitsgruppen und teilten sich auch ihre eigene Arbeitszeit ein. Sie arbeiteten nicht nur während der regulären Unterrichtsstunden, sondern auch zu Hause und in den Computerräumen des FASK. Einer der Aufträge war eine Broschüre für das Badische Landesmuseum in Karlsruhe. Die Texte geben Informationen über das Museum selbst und die Ausstellungen, die den Besuchern geboten werden und bieten nützlich Informationen zusätzlich zu den Bildern. So kurz wie möglich und doch korrekt und mit guten Stil zu übersetzen ist eine Herausforderung, die von den Arbeitsgruppen sehr gut gemeistert wurde. Der Dozent übernimmt die Verantwortung für den Auftrag und liest am Schluss auch Korrektur. Eine hohe Qualität ist dadurch gewährleistet.

In den letzten vier Wochen des Semesters wurde über die Arbeit als freiberuflicher Übersetzer gesprochen. Themen, die vorher vielen nicht so bewusst waren, wurden mit Interesse diskutiert.

Dies ist eine Auswahl der besprochenen Fragen: Wie schreibe ich eine Rechnung? Wie viel darf ich berechnen und was kann ich von der Steuer absetzen? Wie schnell arbeite ich und was hat das für Konsequenzen bezüglich der Aufträge? Habe ich jemanden, der für mich Korrektur liest? Arbeite ich besser allein oder in einer Gruppe? Wo bekomme ich Hilfe, wenn ich Fragen habe und nicht weiterkomme? Wie gestalte ich eine gute Präsentation meiner Arbeit? Bin ich mir der professionellen Ethik meinen Kollegen gegenüber bewusst?

Eines der Highlights dieses Kurses war eine zusätzliche freiwillige Abendstunde. Die Dozentin lud drei freiberufliche Übersetzerinnen ein, die gerne Frage und Antwort standen. Eine der Teilnehmerinnen hatte erst im vorherigen Semester ihr Diplom gemacht und schilderte anschaulich ihre ersten Schritte in der Arbeitswelt. Die beiden anderen arbeiteten schon seit mehreren Jahren freiberuflich. Sie gaben nicht nur gute Tipps, sondern erzählten auch von ihren positiven und negativen Erlebnissen.

In diesem Kurs wurde nicht jede Woche ein neuer Text übersetzt. Dafür erhielten die Studenten einen Einblick in das Leben, das sie nach ihrem Studium erwartet. Das entgegengebrachte Interesse und die Versicherung, dass sowohl die Studenten, als auch die Dozentin, diesen Kurs noch einmal besuchen würden, spricht für den Erfolg dieser Veranstaltung.

Beispielrechnung Beispiellebenslauf Fragen der Abendstunde Bilder zum Projekt