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Hans J. Vermeer
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TEXTconTEXT Vol 14 = NF 4, 2000


Abstracts

Autoren:
Ahrens, Barbara | Bahadir, Sebnem | Collados Aís, Ángela | Dizdar, Dilek  | Hesse, Bettina | Pöchhacker, Franz | Pöllabauer,  Sonja | Prunc, Erich | Rösler, Beate | Salevsky, Heidemarie | Schopp, Jürgen | Wußler, Annette




Ahrens, Barbara (2000) "Collados Aís, Ángela (1998) La evaluación de la calidad en interpretación simultánea. La importancia de la comunicación no verbal. Peligros (Granada): Editorial Comares (Colleción Interlingua)" [Rezension], in: TEXTconTEXT 14 = NF 4.2, 267-271; hier: 267.

Qualität und Evaluierung von Dolmetschleistungen sind Themen, die die Dolmetschforschung schon seit ihren Anfängen beschäftigt haben und sicher auch noch lange beschäftigen werden. Das mag daran liegen, daß sich die Suche nach objektiven Parametern schwierig gestaltet: Dolmetschen ist ein kommunikativer Akt, bei dem nicht nur der rein semantische Aspekt der beiden involvierten Sprachen wichtig ist, sondern bei dem gerade auf Grund der Mündlichkeit auch die nonverbalen Elemente zum Tragen kommen. Auf das Simultandolmetschen bezogen sind es die stimmlich-intonatorischen Aspekte, die großen Einfluß auf die Wahrnehmung und Wirkung der Dolmetschleistung haben, da der Simultandolmetscher nur in Form seiner Stimme über die Kopfhörer aus der Isolation seiner Kabine heraustritt:
Una de las características esenciales de la IS [interpretación simultánea] es la necesidad de interpretar [...] con el código no verbal fuertemente restringido, desapareciendo las posibilidades corporales y faciales, quedando únicamente la voz del intérprete, [...]. (S. 4f)[1]

Trotz der Bedeutung, die ergo den nonverbalen Elementen im allgemeinen und der Stimme im besonderen beim Dolmetschen zukommt, handelt es sich um einen Bereich, dem in der bisherigen Dolmetschforschung wenig Beachtung geschenkt wurde (S. 1). Das Buch von Collados Aís, in dem sie den Einfluß der Stimme des Dolmetschers auf die Bewertung von Simultanverdolmetschungen untersucht, stellt einen Beitrag zu dieser Thematik und zur Qualitätsdebatte dar. Da die Stimme ein sehr facettenreiches Medium ist, konzentriert Collados sich auf einen Aspekt, der ihr eine eindeutige Abgrenzung ihres Untersuchungsgegenstands ermöglicht: die Intonation, und dabei wiederum die monotone Intonation. Bei der Definition von Parametern für die Evaluierung von Dolmetschleistungen spielte dieser Aspekt bisher kaum eine Rolle. Gerade durch die Beschränkung auf die monotone Intonation gelingt es Collados aber, die Bedeutung dieses unter Dolmetschern weitverbreiteten Phänomens in der Qualitätsdebatte zu demonstrieren.


[1] Eines der wesentlichen Charakteristika des Simultandolmetschens besteht darin [...], daß die nonverbalen Kommunikationsmittel des Dolmetschers stark eingeschränkt sind. Die Medien Körper und Gesicht entfallen vollständig, so daß dem Dolmetscher nur die Stimme zur Verfügung steht, [...]. [Übers. v. B. A.]

 




Bahadir, Sebnem (2000) "Von natürlichen Kommunikationskrücken zu professionellen Kommunikationskrücken (Reflexionen zum Berufsprofil und zur Ausbildung professioneller Dolmetscher im medizinischen, sozialen und juristischen Bereich)", in: TEXTconTEXT 14 = NF 4.2, 211-229; hier: 211-214.

1. (K)eine Standortbestimmung
Jahrzehntelang wurde das Dolmetschen für und meist von Migranten in einem Atemzug mit beratenden und oft karitativen Diensten für die Eingliederung der Gastarbeiter und ihrer Familien in die deutsche Gesellschaft genannt. Eine Evaluation der bisherigen Praxis ist zweifelsohne notwendig, um auf Mißstände aufmerksam zu machen. Aber man sollte sich nicht zu lange in dieser Lamentier-Phase aufhalten. Eine mehr oder weniger stark ausgebildete Form der weinerlichen Unzufriedenheit und/oder komplexbeladenen Bescheidenheit in der Thematisierung vom Dolmetschen im medizinischen, sozialen, selbst oft auch noch juristischen Bereich ist merkwürdigerweise auf globaler Ebene in fast allen sonst betont kulturspezifischen Herangehensweisen an diese Dolmetschsorte zu finden.[2] Besonders zäh und zögerlich schreiten dabei die Überlegungen zu einem professionellen Berufsbild auf der Grundlage einer langfristigen Ausbildung voran. Man kann zwei Stränge in dem ewigen Lamento erkennen. Einerseits haftet an dieser Dolmetschtätigkeit eine Art karitativ-humanitäres Siegel: Das Dolmetschen im migrantenspezifischen Kontext des Gesundheits- und Sozialwesens wird bis heute oft als 'Sache des Migranten' gesehen. Es gilt als selbstverständlich, daß ein Familienmitglied, ein Bekannter, ein Nachbar oder eben ein anderer 'von denen da' im blinden Vertrauen auf die 'natürliche Dolmetschgabe natürlicher Bikultureller'[3] für diese Tätigkeit eingesetzt wird. Deswegen bringen Migranten meist ihre 'Kommunikationskrücken' mit. Der 'geborene Dolmetscher' hat für deutsche Institutionen, genauer gesagt für Ärzte, Sozialarbeiter, Psychologen etc., bisher den großen Vorteil gehabt, daß er nicht als Professioneller anerkannt werden muß. Somit kann die Verdolmetschung bei Bedarf und nach Belieben, oft jedoch auch aus tatsächlich gegebenem Anlaß angezweifelt werden. Die mitgebrachte 'Kommunikationskrücke' kann und wird keinen Anspruch darauf erheben, als vollwertige Fachperson akzeptiert und vergütet zu werden. Paradoxerweise wird jedoch gleichzeitig ununterbrochen von allen Seiten über die allzu intervenierende oder viel zu lückenhafte Übertragung der Sachverhalte und über massive Kommunikationsschwierigkeiten geklagt. Wenn es aber darum geht, die Notwendigkeit einer professionellen Dolmetschdienstleistung anzuerkennen, wird meist der Riegel 'Kostenfaktor' vorgeschoben. Es operiert aber auch noch ein anderer Riegel, wohl eher im Unterbewußtsein der Fachpersonen, die mit Migranten zu tun haben: Für eine beruflich monokulturell sozialisierte Fachkraft im Gesundheits- und Sozialwesen kann das Aufbrechen des dyadischen Therapie- bzw. Beratungsgesprächs und somit der Machtverhältnisse in der Kommunikationssituation durch den Einsatz eines professionellen Dolmetschers als Kommunikationsexperten im interkulturellen Kontext zu einem gravierenden Problem werden (vgl. Haenel 1997; Knoll + Röder 1988; Leyer 1990; Stuker 1998).
In der heutigen 'präprofessionellen' Phase des Dolmetschens in medizinischen und sozialen Kontexten in Deutschland ist das Bewußtsein von der Notwendigkeit professioneller Dolmetschdienstleistungen noch nicht weit gediehen. Das gilt sowohl für universitäre Ausbilder und Forscher der Disziplin Translationswissenschaft als auch für den Großteil der Auftraggeber und Kunden und selbst für die meisten professionellen Dolmetscher. Während man sich in diesen Einsatzbereichen also durchaus mit 'geborenen Dolmetschern' begnügen zu können glaubt, gibt es in der Politik und Wirtschaft schon lange das Berufsprofil eines hochqualifizierten Dolmetschers.
[...] Das weit verbreitete Dolmetscherideal heißt Konferenzdolmetscher (vgl. hierzu auch Pöllabauer in diesem Heft). Das Gerichtsdolmetschen hat sich in einigen Ländern zum 'kleinen Bruder' des Konferenzdolmetschens gemausert und genießt eine gewisse Autorität. Insbesondere in den USA versucht man oft, die berufsethischen Kodizes des Gerichtsdolmetschens über die Dolmetscheinsätze im medizinischen und sozialen Bereich zu stülpen.[5] Auch in Deutschland erfreut sich das Gerichtsdolmetschen trotz jahrelanger fragwürdiger Regelungen bei der Zulassung zur Beeidigung von Dolmetschern für sogenannte exotische Sprachen, wie z. B. Türkisch,[6] eines besseren Rufs, weil die Einsatzbereiche, die Aufgaben und die Bezahlung im allgemeinen geregelt sind. Mittlerweile lassen sich jedoch auf der Ebene der politischen und sozialen Institutionen in Deutschland, insbesondere im bisher stark monokulturell ausgerichteten Gesundheitswesen, Anzeichen eines Erwachens erkennen. Vor dem Hintergrund der raschen und manchmal nicht sehr erfreulichen Entwicklungen[7]in der Praxis der Dolmetschleistungen im Gesundheits- und Sozialwesen entstand im letzten Jahr unter einigen deutschsprachigen Praktikern, Dienstleistern, Forschern und Ausbildern aus Bereichen wie Translationswissenschaft, Interkulturelle Kommunikationsforschung, Mehrsprachigkeitsforschung, Gesundheitssystemforschung, Entwicklungsmedizin, Pflegewissenschaft, Kulturanthropologie und Ethnologie ein reger Kontakt. Dies führte zu mehreren Treffen und Diskussionsrunden.[8] Auf zwei Treffen möchte ich im Rahmen der unten stehenden Überlegungen zum Berufsprofil und zur Ausbildung ausschnittsweise näher eingehen.
[2] Vgl. Burley (1997); Chesher (1997); Gentile (1997); Gentile + Ozolins + Vasilakakos (1996); Mikkelson (1996); Turner (1990); Weiss + Stuker (1998).
[3] "Natürlich" verwende ich hier in Anlehnung an "natural translator" von Harris + Sherwood (1978); vgl. auch Bahadir (1998).
[5] Vgl. Gonzalez + Vásquez + Mikkelson (1991); Morris (1995); Schweda Nicholson (1994); für einen kritischen Blick auf diese Tendenz vgl. Barsky (1996).
[6] Auch heute kommt es noch vor, daß ein auf eine Verhandlung im Nebenraum wartender Migrant, nur weil er zufällig Türkisch, Kurdisch (daß es mindestens zwei kurdische Sprachvarianten gibt, deren Sprecher sich kaum untereinander verständigen können, wird meist nicht beachtet), Arabisch (nach dem länderspezifischen Dialekt wird oft nicht gefragt) etc. 'kann', für diese spezifische Verhandlung vom Richter ad hoc beeidigt wird, weil man nicht im voraus an das Recht und die Notwendigkeit der Verdolmetschung gedacht hatte.
[7] Auffallend ist hierbei, daß das Dolmetschen im sozialen und medizinischen Kontext mit seiner stark humanitären Prägung nun fast zu einer Art 'Modeerscheinung' geworden ist: Für Migrantenversorgungsdienste scheint es heute im Sinne der migrationspolitischen Korrektheit fast 'schick' zu sein, ein paar 'Vorzeige-Migrantinnen' im Schnelldurchlauf zu Dolmetscherinnen auszubilden.
[8] Auf individueller Ebene gaben diese Treffen Anstoß zu teilweise sehr fruchtbarem Austausch zwischen einzelnen Teilnehmern. Angesichts des Umstands, daß bei interdisziplinären Diskussionsrunden über diese so heiß umstrittene Dolmetschsorte die Teilnehmenden zunächst einmal mit den Fragestellungen und Erklärungsmustern der Disziplinen und Arbeitsbereiche, die sie vertreten, argumentieren und somit in den ersten Anläufen keine 'Synergie-Effekte' erzielt werden können, sind diese individuellen Kontakte und Vernetzungen für mich persönlich das Ertragreichste der Treffen gewesen.

 




Collados Aís, Ángela (2000) "La teoría de la interpretación en la formación de intérpretes de conferencias", in: TEXTconTEXT 14 = NF 4.2, 231-247; hier: 231f.

0. Introducción
Es frecuente escuchar entre los intérpretes de conferencias profesionales, e incluso entre los docentes de la interpretación, afirmaciones tales como que nos encontramos frente a una profesión práctica que no requiere de la teoría. Sobre todo teniendo en cuenta la escasez de créditos normalmente disponibles para la formación y la dificultad que entraña la interpretación de conferencias, éstos debieran estar dedicados íntegramente al entrenamiento de las habilidades técnicas necesarias, según esta posición. Muy al contrario que en la antigua URSS donde el componente teórico ha sido parte esencial de la formación de intérpretes (cf. Barcenkov 1992).
Parece obvia la necesidad de que el docente de la interpretación se enfrente a la teoría de la materia que imparte y que teoría y didáctica deben nutrirse mutuamente (cf. Stenzl 1989; Bühler 1990a; Pöchhacker 1992; Gile 1992; Kalina 1994; Tommola et al. 1997; Dodds et al. 1997; entre otros). La teoría, en este sentido, aporta justificación a la propia didáctica de la interpretación y permite además que el estudiante sea consciente de que su docente se ha enfrentado a una toma de decisiones coherente y de que su formación no se basa, por tanto, en la mera intuición o en la discrecionalidad, incluso arbitrariedad, de aquél que tiene la tarea encomendada de guiarle. Y es que si el docente explica sus tomas de decisiones en este camino que han de recorrer juntos y el estudiante las entiende como receptor de las mismas, el alumno se ve reforzado en su interés por la globalidad de su profesión y ésta incluye la teoría y la reflexión científica sobre su actividad.
Sin embargo, nuestra perspectiva en este trabajo es otra: intentar justificar la inclusión de la teoría de la interpretación en la formación no desde el punto de vista del docente, sino del alumno (cf. Gile 1992). Son varios los argumentos, a nuestro entender, que abogarían por la inclusión sin complejos de la teoría en la formación universitaria del intérprete: la primera precisamente porque estamos en una universidad que prepara profesionales para el mercado de trabajo, pero profesionales que son capaces de entender el por qué y el para qué de su actividad más allá de la propia realización de la misma, la segunda porque la interpretación de conferencias todavía necesita del reconocimiento de su entorno institucional y social y ello no será posible si los propios intérpretes no son conscientes y no pueden fundamentar su propia actividad profesional (cf. Bühler 1990b), tercero, porque puede ayudar al futuro intérprete en la solución de problemas de interpretación y en su propia formación práctica (cf. Gile 1995b) y, cuarto, porque la teoría, además de estas funciones, tiene una función aplicada a la maduración intelectual de aquel que se ocupa de ella. Este último objetivo, clave a nuestro entender dentro del ámbito universitario, tiende a ser olvidado, sobre todo en los últimos tiempos en los que la alta tecnificación y la profesionalización, encuadradas en compartimentos estancos, son consideradas como la clave imprescindible de adaptación a modelos empresariales de universidad.
La teoría de la interpretación, pues, entendida en dos vertientes: como justificación al planteamiento didáctico del profesor y como puesta a disposición del alumno de los estudios realizados en este ámbito, al menos como visión general. Los créditos (horas disponibles), como ya hemos dicho, casi siempre suelen ser escasos, pero debe reservarse siempre un número flexible (cf. Wußler 1999) en función del número total para acercar al estudiante a la teoría y, por lo menos, presentarle los estudios básicos, despertar su curiosidad y animarle a adentrarse, quizá en un futuro, en el mundo de las ideas y de las construcciones teóricas que sustentan sus propias construcciones prácticas, las interpretaciones.
De hecho, consideramos que los estudiantes acogen con agrado las nociones teóricas que se les brindan. Esta opinión contradice aquella otra generalizada, pero no verificada empíricamente, de que la teoría no es bien recibida por los estudiantes (lanzamos la hipótesis de que tampoco esto tiene porqué ser así en el caso de los intérpretes profesionales), sino que más bien se trataría de analizar qué teoría y cómo ha de transmitirse para qué auditorio (cf. Gile 1995b).
El estudio empírico que presentamos a continuación se basa en este planteamiento y recoge las opiniones de los estudiantes de interpretación de conferencias de la Facultad de Traducción e Interpretación de la Univer-sidad de Granada que a lo largo de tres cursos académicos (97/98, 98/99 y 99/00) asistieron a un seminario de teoría de la interpretación impartido por la autora.

 




Dizdar, Dilek (2000) "Descriptive Translations Studies (and beyond): Überlegungen aus und zu Thourys Theorie" [TcT-Disputation], in: TEXTconTEXT 14 = NF 4.1, 105-129; hier: 125f.

Geborene Translatoren, Normen und Ausbildung
Die Frage, wie sich ein bilingualer Sprecher ohne Ausbildung zu einem Translator entwickelt und wie die Beobachtung dieser Entwicklung für die Didaktik nutzbar gemacht werden kann, beschäftigt Toury seit den 80er Jahren (vgl. Toury 1984). Die Feststellung, daß Translation unabhängig von und sowohl chronologisch als auch logisch gesehen vor der Ausbildung geschieht, und die Annahme, die Erforschung der 'natürlichen Translation' könne einen realitätsnäheren Umgang mit der Didaktik ermöglichen, führte ihn zur Einführung des Begriffs "native translator".[24] Diesen Gedanken greift Toury in Descriptive Translation Studies and beyond erneut auf, wo die Bedeutung der Sozialisierung in der Entwicklung des "native translator" und die Erweiterung des Normenbegriffs auf die Aneignung translatorischer Fähigkeiten unterstrichen werden (vgl. Toury 1995:248, 250). Nach Toury wird der Translator in seiner Entwicklung translatorisch sozialisiert. Während dieses Prozesses ergänzt und modifiziert er seine Kompetenz in Interaktion mit seiner Umwelt. Seine Kompetenz besteht daher in jeder Phase dieser Entwicklung aus einer Mischung von angeborenen, individuell assimilierten und sozial bedingten Eigenschaften. Normen, denen er ausgesetzt ist, werden somit durch Internalisierung während der Entwicklung zu einem wichtigen Bestandteil der Sozialisierung (vgl. ibid.:1995:250). Sozialisierte Translatoren entwickeln in Situationen, mit denen sie häufig konfrontiert werden, Strategien für die Lösung von Problemen. Diese Lösungen nehmen oft die Form von automatisierten Verhaltensweisen an, mit denen bestimmte Probleme umgangen werden. Diese Art von Lösungen gehören nach Toury zur Fähigkeit, mit Zeitdruck, Müdigkeit, Wissenslücken und sogar unvollständiger Zweisprachigkeit etc. umzugehen. Dies wiederum unterstütze die These, daß ein höherer Grad an Zweisprachigkeit nicht unbedingt mit erhöhter translatorischer Fähigkeit einhergehe (vgl. ibid.:252). Auch wenn "coextensive bilingualism" als Voraussetzung für das Übersetzen/Dolmetschen gilt, basiere die Entwicklung der Fähigkeit zur Translation auf einem Handeln zwischen Sprachen, einem "interlingualism" (ibid.:248). Dazu gehört auch eine Flexibilität, sich wechselnden Situationen, die unterschiedliche Verhaltensweisen verlangen, anzupassen. Je größer daher die Bandbreite an verschiedenen Translationsnormen, denen der Translator ausgesetzt ist, desto besser kann er sich situationsadäquat verhalten. Wenn der Translator in seiner Entwicklung fortgeschritten ist, wird er in der Ausübung seiner Tätigkeit sicherer. Genießt er dann soziale Anerkennung und einen hohen Status in der Gesellschaft, so kann er beginnen, sich gegen den normativen Druck zu wehren, ohne Sanktionen für sein Verhalten fürchten zu müssen, und somit auch zu einer Veränderung der Normen beitragen, die in der jeweils relevanten Arbeitskultur herrschen (vgl. ibid.:253).
Diese Annahmen zu einem ganzheitlichen interaktionalen Handlungsrahmen und die Kontextualisierung der Translationssituation sollten nach Toury nicht nur bei der Untersuchung der Entwicklung translatorischer Fähigkeiten berücksichtigt werden, sondern haben auch Implikationen für die Ausbildung. [...]
[24] Vgl. Toury (1995:241ff) und "natural translation" bei Harris (1973).

 




Hesse, Bettina (2000) "Kalina, Sylvia (1998) Strategische Prozesse beim Dolmetschen. Theoretische Grundlagen, empirische Fallstudien, didaktische Konsequenzen. Tübingen: Narr (Language in Performance 18)" [Rezension], in: TEXTconTEXT 14 = NF 4.2, 273-276; hier: 273.

Wie im Titel angedeutet, möchte die Autorin im vorliegenden Band die theoretischen Grundlagen für das Dolmetschen ausbauen, mit eigenen empirischen Fallstudien untermauern und daraus didaktische Konsequenzen ziehen.
In diesem Sinne wird zunächst versucht, eine Definition allgemeiner dolmetschwissenschaftlicher Begriffe zu geben. Im Anschluß daran wird der status quo der Dolmetschwissenschaft dargestellt, wobei verschiedene theoretische Modelle sowie empirische Studien als Beleg diskutiert werden. In einem weiteren Schritt wird den bislang vorwiegend produktorientierten Modellen ein prozeßorientiertes Modell zum Dolmetschen gegenübergestellt, das durch eigene empirische Untersuchungen gestützt wird. Abschließend werden die für eine Realisierung des vorgestellten Modells notwendigen didaktischen Konsequenzen gezogen.
Inwiefern die von der Autorin postulierten Ziele erreicht wurden, sei im folgenden diskutiert.

 




Pöchhacker, Franz (2000) "Dolmetschen – ein Kinderspiel? Eine klinische Fallstudie", in: TEXTconTEXT 14 = NF 4.2, 153-179: hier: 153f.

0. Einleitung
Im Rahmen des funktionalen Ansatzes in der Translationswissenschaft, wie er durch die Theorie vom translatorischen Handeln repräsentiert wird (vgl. Holz-Mänttäri 1984, 1986; Vermeer 1989), gilt Dolmetschen - wie auch Übersetzen - als eine Expertentätigkeit in übergeordneten Handlungsgefügen, die eine Professionalisierung durch eine fachspezifische Ausbildung voraussetzt (vgl. Holz-Mänttäri 1986:365). Diese Konzentration auf professionelles Dolmetschen liegt generell der Dolmetschwissenschaft zugrunde, die im wesentlichen von MitarbeiterInnen universitärer Ausbildungsstätten für TranslatorInnen getragen wird (vgl. Pöchhacker 1995:49f). Eine Sonderstellung nimmt im Bereich der Translatologie Harris ein, der sich seit Jahrzehnten für eine Aufwertung des natürlichen Dolmetschens ("natural translation") als Forschungsgegenstand engagiert (vgl. Harris + Sherwood 1978; Harris 1992, 1998). Das "Sprachmitteln", wie Knapp (1986) das (Laien-)Dolmetschen im Alltag im Gegensatz zum professionellen Dolmetschen nennt, wurde bisher vor allem aus linguistischer Perspektive untersucht.
Seit das bislang kaum professionalisierte Dolmetschen in öffentlichen Einrichtungen, insbesondere des Gesundheits- und Sozialwesens (Community Interpreting), in der Praxis zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist eine Isolierung des professionellen Dolmetschens in der Gegenstandsbestimmung der Dolmetschwissenschaft immer schwieriger aufrechtzuerhalten. Da spezifische Ausbildungsangebote für Kommunaldolmetschen weitgehend fehlen (vgl. Roberts 1997:16), wird die Kommunikation zwischen MitarbeiterInnen kommunaler Einrichtungen und deren anderssprachigen KlientInnen häufig von translatorisch ungeschulten Zweisprachigen, nicht zuletzt von Kindern, vermittelt. So sehr man dieses Phänomen aus normativer Sicht ablehnen mag, stellt sich für die Translationswissenschaft dennoch die Frage, wie bzw. ob solche LaiendolmetscherInnen die ihnen gestellte translatorische Aufgabe bewältigen können. Es sollte also, wie es Holz-Mänttäri (1986:365) normativ formuliert, "beschrieben werden, was der Translator auf Grund seiner fachspezifischen Berufsausbildung können soll und was der fremdsprachenkundige Laie oder Fachmann anderer Kompetenz (z. B. der bilinguale Native Speaker [...]) nicht können kann".[1]

Der vorliegende Beitrag trägt dem obigen Desiderat nur insofern Rechnung, als er - als ersten empirischen Schritt - eine exemplarische Beschreibung dessen liefert, was eine zweisprachige Laiendolmetscherin tut, um im speziellen Interaktionsgefüge einer Institution Kommunikation zu ermöglichen. Auf der Grundlage authentischer Gesprächsdaten soll dann im Einklang mit einem funktionalen translationstheoretischen Ansatz diskutiert werden, inwiefern das dolmetscherische Handeln im institutionellen Handlungszusammenhang seinen Zweck erfüllt.


[1] Daß es jedoch nicht unproblematisch ist, in dieser Dichotomie eine scharfe Trennlinie zu ziehen, läßt Holz-Mänttäri (1986:364) selbst durchblicken, wenn sie auf die graduelle Entwicklung translatorischer Kompetenz verweist: "Das Individuum ist zu kooperationssteuernder Kommunikation befähigt. Diese Veranlagung ist durch Ausbildung artifizierbar und professionalisierbar."

 




Pöllabauer, Sonja (2000) "'Nemma problema, alles paletti ...?' Community interpreting aus der Sicht von NGOs", in: TEXTconTEXT 14 = NF 4.2, 181-210; hier: 181f.

1. Community Interpreting = Dolmetschen?
Im österreichischen Kontext wird unter Dolmetschen vornehmlich Konferenzdolmetschen verstanden. Ein Grund dafür ist vermutlich, daß im Bereich der Ausbildung das Augenmerk fast ausschließlich auf der Ausbildung von Konferenzdolmetschern liegt. Das Gebiet des Community Interpreting ebenso wie andere Untergruppen des Dolmetschens sind in der Ausbildung praktisch nicht existent. Konferenzdolmetscher haben international mittlerweile einen hohen Grad an Professionalität erreicht: Traditionelle Ausbildungsstätten versehen den Markt mit Nachschub, eigene Berufsverbände vertreten die Interessen der Dolmetscher, die Leistung professioneller Konferenzdolmetscher wird angemessen honoriert, und sie genießen entsprechendes Ansehen. Subbereiche, die noch am Anfang ihrer Entwicklung stehen, werden jedoch (nicht nur in Österreich) vernachlässigt oder gänzlich ignoriert. Der Bereich des Community Interpreting ist hier zweifelsohne ein Paradebeispiel:
It seems fair to say that the general lack of training and assessment or accreditation schemes makes interpreting in Austrian health and social service settings a very low-level affair with regard to professional qualifications. Interpreting is considered synonymous with working at international conferences and in the courts, on a proven level or standard of professional interpreting techniques. Community Interpreting, in contrast, is practised essentially on a non-, sub- or paraprofessional level, with no prior or on-the-job training [...] and without any type of official status, professional organiza-tion or accreditation. (Pöchhacker 1997:223)

Hinter dem Terminus Community Interpreting verbirgt sich für viele nicht mehr als ein vages Konzept. Oft wird von der irrigen Annahme ausgegangen, die Gleichung Dolmetschen ist Konferenzdolmetschen sei unbeschränkt gültig, und die Variable Community Interpreting bleibt eine Unbekannte - so wie sie weiterhin für die Ausbildung, für viele praktizierende DolmetscherInnen und Studierende an Dolmetschinstituten, Behörden, nichtstaatliche Organisationen und die Allgemeinheit nicht existiert. Verschiedene Gründe machen den Bereich des Community Interpreting jedoch zu einem interessanten Forschungsgegenstand. Faszinierend ist vor allem die soziale Komponente, die Community Interpreting anhaftet. Sprache findet in einem spezifischen sozialen Gefüge statt, in dem zahlreiche kulturelle, ideologische und soziale Wertsysteme zum Tragen kommen. Die Definition des Terminus bereitet allerdings Probleme. Nicht nur erste Ansätze, das vage Konzept des Community Interpreting zu definieren, bleiben fragmentarisch, sondern auch der Begriff selbst scheint zu einem terminologischen Chaos geführt zu haben. Die Dolmetschhandlungen, die im vorliegenden Artikel als Community Interpreting bezeichnet werden, finden sich anderswo unter abweichenden Begriffsbezeichnungen: Liaison Interpreting, Dialogue Interpreting, Public Service Interpreting, Cultural Interpreting, Ad-hoc-Interpreting, Contact Interpreting, Three-cornered-Interpreting, Cultural Interpreting, Escort Interpreting, Legal Interpreting, Medical Interpreting, Peace-Interpreting etc. (vgl. u. a. Gentile + Ozolins + Vasila-kakos 1996:17; Gentile 1997:110; Roberts 1997:8ff). Von den angeführten Termini scheint der Begriff Community Interpreting am weitesten verbreitet zu sein.[...]

 




Prunc, Erich (2000) "Vom Translationsbiedermeier zur Cyber-translation", in: TEXTconTEXT 14 = NF 4.1, 3-74; hier: 55f.

Blick nicht zurück in Harm
Wenn wir die möglichen Realisierungsformen von Skopoi noch einmal Revue passieren lassen, so scheint sich eine Entwicklungslinie abzuzeichnen.
Je mehr wir uns vom Konzept des 'heiligen Originals' und seiner sklavischen Widerspiegelung durch Translation entfernen, um so dynamischer wird auch das Konzept der Translation und um so mehr entfernt sich diese von der bloßen Oberflächenstruktur der Texte. Text wird spätestens bei der dialogischen Translation nicht mehr lediglich zu dem, was da steht. Er schließt in der dialogischen Translation auch das ein, was nicht da steht, was also auf Grund der Textoberfläche lediglich erschließbar ist und von den Textproduzenten und -rezipienten stillschweigend vorausgesetzt wird. In der trialogischen Translation wird von den TranslatorInnen als selbstverantwortlichen AgentInnen im transkulturellen Diskurs auch das an die Oberfläche geholt, was auf Grund asymmetrischer Machtbeziehungen nicht da stehen durfte oder konnte, was jedoch aus der (ideologischen) Sicht der TranslatorInnen da stehen (und deshalb in den Zieltext eingeschrieben werden) sollte. In der diaskopischen Translation wird schließlich der Umgang mit den Texten dem freien Kräftespiel von Interessen und Zielvorgaben überlassen, das lediglich durch den gemeinsam zu erzielenden Konsens über das professionell zu Erreichende geregelt wird.
Die zweite Tendenz, die wir in den realen Handlungsfeldern von Translation zu erkennen glauben, ist die, daß sich auf dem Weg vom Translationsbiedermeier zur Cyber-translation, das Schwergewicht immer mehr von den 'einfachen' Skopostypen in Richtung diaskopische Translation verlagert. Die Entwicklung von einem in sich ruhenden und abgeschlossenen Handlungsfeld der TranslatorInnen zu einer spezialisierten, hochgradig arbeitsteiligen Welt der globalen Kommunikation macht maßgeschneiderte, an Ausgangstexte locker angebundene Translate von der Ausnahme zum Regelfall.[39] Allein auf Grund der Reduktion der Raumkategorie im Cyberspace, der leichten Veränderbarkeit und Übermittelbarkeit der materiellen Manifestationen von Texten ergeben sich völlig neue Formen translatorischer Kooperation.
Das dritte Element, auf das wir quasi in eigener Sache verweisen möchten, ist, daß die Translationswissenschaft die Probleme von morgen nicht mit den Instrumenten von gestern lösen und die Erkenntnisse der Kognitions- und Kulturwissenschaften nicht ignorieren kann. Daß sie durchaus imstande ist, mit dynamischen Modellen auf dynamische Entwicklungen zu reagieren, mag vielleicht auch aus dieser kursorischen Übersicht möglicher Skopoi und ihrer Implikationen hervorgegangen sein.>
[...]
[39] Vgl. die European Translation Platform: "The typical translator of the future will be like a synthesiser, manipulating various tools as appropriate to the job in the hand. The training of translators [...] should move towards the tool-aided processing of volumes of text, and away from sentence-by-sentence hand-crafting." (Europäische Kommission 1996:163)

 




Rösler, Beate (2000) "Der Zusammenhang zwischen kultureller Identität und Sprache am Beispiel des Maghreb", in: TEXTconTEXT 14 = NF 4.1, 75-104; hier: 96f.

Funktion der Sprache als Element der kulturellen Identität
[...]
Gleichzeitig stellt Sprache als gemeinschaftliches Gut kein neutrales, sondern ein kulturgebundenes Zeichensystem dar. Das heißt, daß sie selbst Trägerin der Kultur ist und in dieser Funktion das Wertesystem ihrer Kultur wiedergibt (vgl. Moatassime 1993:168). Die besondere Bedeutung der Sprache für die kulturelle Identität liegt folglich in ihrer doppelten Funktion: Sie ist gleichzeitig Vermittlerin und Trägerin von Kultur.
In den mehrsprachigen Maghreb-Gesellschaften ergibt sich daraus folgende Situation: Die arabische und die französische Sprache stehen für zwei große Zivilisationen, deren Kulturen und Gesellschaftssysteme extrem divergieren. Als Vermittlerin ihrer Kultur transportiert folglich jede Sprache entgegengesetzte Denkweisen, was sich auch in den unterschiedlichen Sprachsystemen widerspiegelt. Dies ist nach Ansicht von Moatassime Chance und Hindernis zugleich: Einerseits ermöglicht es den Dialog zwischen den Gesellschaften, andererseits besteht die Schwierigkeit in der Aneignung zweier voneinander abweichender Sprach- und Denksysteme. So könne man problemlos mehrere verwandte Sprachen, wie z. B. Französisch und Italienisch, beherrschen, was auch für Sprachen aus vergleichbaren ökonomischen, historischen oder sozialen Umfeldern, z. B. das Französische und das Deutsche, gelte; für die französische und arabische Sprache treffe es jedoch nicht zu:

[L]orsqu'il s'agit de mettre face à face deux grandes langues de civilisation totalement différentes [...], des langues qui font appel à des mécanismes différents et qui demandent des démarches tout à fait différentes et qui sont parfois même diamétralement opposés, leur parfaite maîtrise simultanée paraît difficile. (Moatassime 1993:168)


Das gleichzeitige Erlernen des Arabischen und Französischen erfordert nach Ibrahimi (1995:98) die Auseinandersetzung mit den durch sie vermittelten Weltsichten, Mentalitäten und Kulturen und nicht lediglich die Aneignung sprachlicher Regeln. [...]

 




Salevsky, Heidemarie (2000) "Sprachliche Gleichberechtigung in der EU – eine Chance für Esperanto? (Ein Kongreßbereicht, ein Pilotprojekt und einige Hintergründe)", in: TEXTconTEXT 14 = NF 4.2, 249-266; hier 249f.

0. Einführung
"Kaj el kiu lando vi venas?" wurde ich auf dem Esperanto-Weltkongreß gefragt und etwas verständnislos angesehen, als ich nicht gleich begriff, daß dies nichts anderes heißt als: "Und aus welchem Land kommen Sie?" Nach vorsichtigen Schätzungen sprechen derzeit etwa 1 Mio. Menschen weltweit Esperanto, 2 700 davon (Vertreter der verschiedensten Be-rufe und Wissenschaftszweige) aus nahezu 70 Ländern waren vom 31. Juli bis 7. August 1999 beim 84. Esperanto-Weltkongreß in Berlin. Es war der 8. Esperanto-Weltkongreß in Deutschland (nach: 1908 Dresden, 1923 Nürnberg, 1933 Köln, 1951 München, 1958 Mainz, 1974 Hamburg, 1985 Augsburg - vgl. Bormann + Schwanzer 1988:10ff). Auf diesen seit 1905 jährlich stattfindenden internationalen Zusammenkünften wird die 1887 von dem polnischen Augenarzt Zamenhof (1859-1917) begründete Plansprache (Esperanto = der Hoffende, nach dem Pseudonym ihres Initiators) gesprochen.
Zamenhofs Wunsch, eine Sprache zu schaffen, die keinen bevorzugen bzw. benachteiligen sollte - eine Zweitsprache für alle - war in ihm in seiner Heimatstadt Bialystok entstanden, in der Juden, Polen, Deutsche, Russen und Litauer in jener Zeit nicht ohne Feindseligkeiten auf engem Raum zusammenlebten. Neben Polnisch, Russisch, Hebräisch und Jiddisch sprach Zamenhof auch Französisch, Deutsch, Latein, Englisch und Griechisch. Sein erstes Esperanto-Lehrbuch erschien 1887 zunächst auf russisch (vgl. Dr. Esperanto 1887), danach auf polnisch, französisch und deutsch, ein Jahr später auf englisch. Zamenhof selbst hat noch das Alte Testament und verschiedene literarische Werke ins Esperanto übertragen. Heute liegt ein großer Teil der Werke der Weltliteratur in Esperanto vor (vgl. Blanke, D. 1994:215ff).
1987 feierten in Warschau im Rahmen des 72. Esperanto-Weltkongresses über 6 000 Esperanto-Sprecher aus mehr als 60 Ländern das 100jährige Bestehen von Esperanto.
Die Esperanto-Bewegung hat eine wechselvolle Geschichte, wenn man allein an die Verfolgung unter Hitler und Stalin denkt (vgl. dazu Lins 1988).
[...]

 




Schopp, Jürgen (2000) "Die vergessenen ÜbersetzerInnen. Faber, Ingrid (1998) ausgleichen oder kerning - Typografie im Desktop Publishing: Experten- und Laienwortschatz. Frankfurt am Main etc.: Peter Lang. - ix + 250 Seiten" [TcT-Disputation], in: TEXTconTEXT 14 = NF 4.1, 131-147; hier: 131f.

1. REM TENE VERBA SEQUENTUR
Die Sache erfassen und festhalten, dann werden die Worte folgen. Mit diesem, Cato dem Älteren zugeschriebenen Hauptgrundsatz der antiken Rhetorik, den Freihoff [demnächst] auf die Translation anwendet, läßt sich kurz das wohl unlösbare Dilemma jeglicher Fachsprachenforschung und des hier besprochenen Buches charakterisieren: Es werden sprachliche Phänomene untersucht, zu denen man nur begrenzt ('von außen') Zugang hat. So sind die Wörter zwar bekannt, die Sache ist es in ihrem innersten Wesen aber nicht. Und während der Forscher bzw. die Forscherin großen Wert auf das Wort und seine 'korrekte' Bedeutung legt, genügt es den Fachleuten, die Sache zu kennen und adäquat handeln zu können - eine Beobachtung, die auch Faber machen durfte (S. 171). Im übrigen erfüllt die Arbeit sicherlich alle Kriterien, die an eine gute Dissertation im Bereich der germanistischen Fachsprachenforschung gestellt werden und demonstriert dem Leser eindrucksvoll das derzeitige Instrumentarium und die heute geltenden Modelle in diesem Zweig der Sprachwissenschaft. Warum die vorgelegten Ergebnisse dennoch anzuzweifeln sind, soll im folgenden diskutiert werden.
Um es gleich zu sagen: Die im vorliegenden Beitrag vorgetragenen Ansichten und Meinungen sind nicht die eines Fachsprachenforschers, sondern die eines typografischen Insiders, der sich aus zwei Richtungen dem Fach - sofern man es als solches bezeichnen kann - genähert hat: als Schriftsetzer gutenbergischer Tradition, bei der neben handwerklichen Fertigkeiten großes Gewicht auf kreative Gestaltung gelegt wurde, und als Universitätsdozent im Fach Translatologie, der sich auf Grund seiner typografischen Berufserfahrung mit der kulturspezifischen Gestaltung von Publikationen mittels Desktop-Publishing (DTP) befaßt. Mit diesem biographischen Hintergrund reizt ein Titel wie der vorliegende, dessen Kernbegriffe ausgleichen und kerning (warum hier überhaupt Kleinschreibung?) die beiden hier verglichenen Bereiche vertreten: Ausgleichen steht für das traditionell-professionelle, auf Ausbildung beruhende Arbeiten im grafischen Gewerbe - Kerning für das durch DTP auch Laien zugängliche, in der Regel rein reproduktive Gestalten von Druckvorlagen am Computer.
Was aber hat eine solche Wortschatzuntersuchung mit dem Übersetzen und den ÜbersetzerInnen gemein? Typografie und DTP - immer häufiger auch Computer-Publishing genannt - sind Begriffe, die sich seit Ende der 80er Jahre auch im translatorischen Bereich etabliert haben (vgl. Freibott 1989). DTP erschloß den Übersetzern (im folgenden verwende ich die unmarkierte Form als Berufsbezeichnung) einen neuen Produkttyp, die "druckfertige Übersetzung" (vgl. Schopp 1993). Damit gehören sie zu der Gruppe der "formalen Laien" (vgl. unten), die sich oft autodidaktisch in den Bereich Typografie einarbeiten und deren Wissen in Fabers Untersuchung mit dem der "formalen Experten", der Fachleute, verglichen wird.
Ein zweiter Grund: Übersetzer haben bei der Übersetzung von Texten für Software-Bedienungsoberflächen und -Handbücher Wesentliches zur Popularisierung typografischen Wortschatzes beigetragen, nicht immer mit glücklicher Hand, wie z. B. beim Ventura-Publisher die Verwechslung von Hurenkind und Schusterjunge sowie die Bildung des Wortes Zeilendurchschuß zeigen. Den Einfluß des Übersetzens auf die "Fachsprache des DTP", die bei genauerem Hinsehen den eigentlichen Hintergrund dieser Untersuchung ausmacht, scheint die Autorin völlig übersehen zu haben, da sie nur feststellt, "auch in der Fachsprache bringt das ursprünglich nicht für den professionellen Gebrauch konzipierte DTP so einiges durcheinander: Unterschiedliche Programme verwenden unterschiedliche Begrifflichkeiten, Fachwörter werden in der Software teilweise uneinheitlich oder falsch verwendet" (S. 192f).
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Wußler, Annette (2000) "Snell-Hornby, Mary + Hönig, Hans G. + Kußmaul, Paul + Schmitt, Peter Axel (eds.) (1998) Handbuch Translation. Tübingen: Stauffenburg (Stauffenburg Handbücher) (x + 434)." [Rezension], in: TEXTconTEXT 14 = NF 4.1, 149-152; hier: 150f.

Der von den Herausgebern gewählte Zugang, Wissenschaft, Praxis und Didaktik zu integrieren, könnte unter anderem dazu beitragen, die bestehende Kluft zwischen Wissenschaft und Praxis langfristig zu überwinden Der von den Herausgebern gewählte Zugang, Wissenschaft, Praxis und Didaktik zu integrieren, könnte unter anderem dazu beitragen, die bestehende Kluft zwischen Wissenschaft und Praxis langfristig zu überwinden. Eine Annäherung der beiden Pole dürfte auch der Lehre zuträglich sein, da sie die universitären Ausbildungsstätten in ihrem Auftrag unterstützen könnte, den Studierenden einerseits eine wissenschaftlich fundierte Ausbildung zu gewährleisten und sie andererseits auf den Beruf vorzubereiten.
Eigens hervorzuheben sind Teil C Translatorische Aspekte: Wie "funktioniert" das Übersetzen? (S. 141-204), Teil D Spezifische Aspekte des Übersetzens (S. 205-300) und Teil E Spezifische Aspekte des Dolmetschens (S. 301-339), die eine grundlegende Klärung des Phänomens Translation bieten. Diese erweist sich für eine Optimierung von Translation insofern als wichtig, als in der Öffentlichkeit, vor allem unter Auftraggebern und Konsumenten, immer noch Mißverständnisse darüber bestehen, was Translation leisten und unter welchen Bedingungen sie stattfinden kann und soll (vgl. Wußler 1998:241ff; 1999:24f).