Nation und Migration - Spanien und Portugal angesichts der aktuellen Zuwanderung

Internationale Fachtagung vom 1.-4. November 2012

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Binnen weniger Jahrzehnte ist die kulturelle Diversität auf der Iberischen Halbinsel eine Realität geworden, die das kulturelle Verständnis des ‚Nationalen’ grundlegend verändert. Portugal und Spanien waren über Jahrhunderte stark von der nationalen Sorge um die christliche R/Einheit geprägt – seit ihrer Herausbildung als Nationen im mittelalterlichen Prozess der Reconquista (der christlichen Rückeroberung des Territoriums von der maurisch-islamischen Besiedlung, verbunden mit der Ausweisung der Juden) bis zum Übergang zur Demokratie 1974 und 1975. Die Vorstellung dieses besonderen Nationalcharakters prägte auch die Kolonisierung der Neuen Welt und die Kolonialherrschaft Portugals in Afrika und hatte sich im Diskurs der beiden iberischen Staaten in Form spezifischer nationaler Mythen tief verwurzelt.
Ab den 1980er Jahren begann mit der Zuwanderung von Menschen aus Osteuropa, dem Maghreb, Afrika und Lateinamerika ein neues Kapitel für die beiden Staaten, das sich insbesondere seit der Jahrtausendwende intensiviert – der Wandel vom Auswanderungs- zum Zuwanderungsland. Dieser aktuelle Prozess birgt ganz besondere Dynamiken für die Organisation der gemeinsamen Alltagspraxis, für die Strategien kultureller Übersetzung und die Veränderung der nationalen Selbstbilder.
Die Fachkonferenz dient der kulturwissenschaftlichen Reflexion über die Veränderung der Vorstellung von Nation in Spanien und Portugal im Kontext der aktuellen globalen Entwicklungen, insbesondere des Zuzugs von MigrantInnen. Diese neue Realität verlangt die Auseinandersetzung mit den historisch gewachsenen, exklusiven Ideen und Mythen der Nationaldiskurse, ihre Umdeutung und Umschreibung, die Suche nach verschütteten Anknüpfungspunkten und neuen Strategien für ein offeneres Selbstverständnis. Diese Remodulationsprozesse finden in Spanien und Portugal gegenwärtig statt. Ziel der Konferenz ist es dementsprechend, Zwischenstände zu dokumentieren und aktuelle Entwicklungen und Tendenzen sowie mögliche Ideen für ein gelingendes Zusammenleben in kultureller Vielfalt für die kommenden Jahre zu erkennen und zu beschreiben.

An der Fachtagung werden Wissenschaftler aus Spanien, Portugal, Deutschland, Österreich und der Schweiz teilnehmen.
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