Anne Burgert

Promotionsprojekt: Translation als Emergenz. Postkoloniale Translationsstrategien zur Sichtbarmachung der Differenz im Konzept der Lusophonie (Arbeitstitel)

 

Abstract des Promotionsprojektes

In seiner allgemein akzeptierten Definition von Lusophonie geht Fernando Cristóvão (Dicionário Temático da Lusofonia) zunächst von der Ethymologie, der Portugiesischsprachigkeit aus, fasst unter den Begriff jedoch auch die erweiterte Bedeutung einer Überwindung des Nationalen bis hin zur argumentativen Flucht ins Mystische und Symbolische. Die Lusophonie wird durch diese breit gefasste Einbeziehung aller Portugiesischsprecher zu einem weiten und kaum klar abgrenzbaren Konzept. Hinter diesem Lusophonieverständnis, das theoretisch allen Sprechern den gleichen Rang zuweist, verbirgt sich ein nicht artikuliertes Konfliktpotential. Dieses wird vielfach in euphemistischen Diskursen zur Lusophonie verborgen, so dass die historischen Spuren, (post)kolonialen Verhältnisse, Macht- und Gender-Asymmetrien, ebenso wie ethnische und klassenspezifische Ausgrenzungen eher unsichtbar im Hintergrund verhandelt werden. Die Ungleichheit der Teilnehmer an der Debatte über das Konzept der Lusophonie, ihre geographische wie kulturelle Disparität sowie die heterogenen (geo)politischen Positionierungen, aus denen heraus sie an der Debatte teilnehmen, führen außerdem zu solch unterschiedlichen Ansätzen und Zugangsweisen zum Thema, dass die Diskurse zuweilen parallel und aneinander vorbei verlaufen. Ziel der Arbeit ist es deshalb, diese unterschiedlichen Ansätze zusammenzubringen, ihre Differenzen offen zu legen und eventuelle Perspektiven für eine gegenseitige Fruchtbarmachung aufzuzeigen. Zur Herausarbeitung der Differenz dienen Strategien der Translation, die auf den verschiedenen Ebenen als Analysekategorie herangezogen wird.
Ausgehend von der Frage, wieviel Translation innerhalb der Lusophonie vonnöten ist, d.h. wie belastbar die sprachliche Einheit ist, die die Grundlage der Lusophoniekonzepte bildet, richtet sich diese Frage sogleich auch auf die (zum Teil nur angenommene) Notwendigkeit kultureller Translation, beispielsweise zwischen den lusophonen Zentren und den kreolen Peripherien. Dabei erschafft Translation den Raum zur Bildung neuer Denkmodelle (vgl. Bhabha) und trägt so aktiv zur Entwicklung der Lusophoniekonzepte bei. Zugleich kann Translation jedoch auch eine Funktion der Abgrenzung erfüllen (vgl. Sakai), die vorhandene oder angenommene Differenzen aufgreift und dadurch in ihrer Wichtigkeit betont. Es gilt, die Produktivität der Translation für die Entwicklung der Lusophonie zu analysieren und mögliche Anschlüsse für weitere translationstheoretische Entwicklungen aufzuzeigen. Schließlich lassen sich mit Hilfe translatorischer Strategien die Differenzen und Brüche zwischen den verschiedenen Diskursen über die Lusophonie herausarbeiten mit dem Ziel eines offenen, expliziten Nebeneinanderlegens der Diskontinuitäten. Somit werden die oberflächlich glatten, politisch korrekten Diskurse in deutliche, ausdrückliche, aber nicht immer diplomatische Äußerungen übersetzt, um so die Reibungsflächen zwischen den Diskursen aufzuzeigen und zu untersuchen.

 

Zum Seitenanfang

 


Informationen zur Person

seit 04/2013 Promotionsstudium, FTSK Germersheim
seit 04/2011 Lehrkraft für besondere Aufgaben, FTSK Germersheim, Studienfach Portugiesisch
10/2010 bis 02/2011 Lehrbeauftragte, FTSK Germersheim, Studienfach Portugiesisch
10/2008 bis 09/2010 M.A.-Studium „Sprache, Kultur, Translation“ mit den Sprachen Portugiesisch (B) und Englisch (C), FTSK Germersheim
09/2005 bis 07/2008 Studium der Licenciatura (180 Credits) „Línguas, Literaturas e Culturas – Estudos Ingleses e Alemães“, Universidade Nova de Lisboa, Faculdade de Ciências Sociais e Humanas
06/2004 Abitur, Faust-Gymnasium, Staufen im Breisgau

 

Zum Seitenanfang

 


Forschungsaufenthalte und Stipendien

11/2015 bis 03/2016 Forschungsaufenthalt in Lissabon (Portugal), Universidade de Lisboa, Faculdade de Letras, Centro de Literaturas e Culturas Lusófonas e Europeias (CLEPUL), von 11/2015 bis 01/2016 mit Stipendium des DAAD
08/2014 bis 09/2014 Forschungsaufenthalt in Porto Alegre (Brasilien), Universidade Federal do Rio Grande do Sul (UFRGS), Instituto de Letras, mit Stipendium der Fonte-Stiftung

 

Zum Seitenanfang

 


Vorträge

„Visões sobre o “Mundo de língua portuguesa”: Identidades lusófonas nas práticas discursivas“, Internationale Tagung „Pensar o passado, compreender o presente, idealizar o futuro“, Univerzita Karlova, Prag, Tschechien, 22.-23.09.2017

„Memórias de guerra em família: silêncio e confidência intergeracional no romance "Estranha guerra de uso comum" de Paulo Faria“, Sektion 8: „Gekreuzte Blicke: das Post-Gedächtnis des Endes des portugiesischen Kolonialismus in vergleichender Perspektive“, Sektionsleitung: Margarida Calafate Ribeiro und Júlia Garraio, 12. Deutscher Lusitanistentag, Mainz, 13.-16.09.2017

„Von „Dickicht“ und „Dickung“ – Waldbeschreibungen und ihre Wirkung in Felix Saltens Bambi und António Cortesãos portugiesischer Übersetzung von 1944“ gemeinsam mit Ângela Nunes. Internationales Kolloquium „Recuperar os clássicos – reinventar os clássicos: Heidi, Abelha Maia, Bambi enquanto herança transnacional e intergeracional“, Centro de Estudos de Comunicação e Cultura, Universidade Cátolica, Lissabon, 12.-13.12.2016

„Questões de identidade e diferença. O conceito de “Lusofonia” e a idealização de uma comunidade transcultural“, Gastvortrag an der Universidade de Lisboa, 19.11.2015

„Rephrased Concepts, Ideological Shifts – Translational Perspectives on the Revolutionary Processes in Lusophone Africa“, 9th International Colloquium on Translation Studies in Portugal „Translation and Revolution“, Centro de Estudos de Comunicação e Cultura, Universidade Cátolica, Lissabon, 22.-23.10.2015

„Fronteiras, cruzamentos e transições – o bairro do Bom Fim em Porto Alegre como espaço de reflexão identitária na obra de Moacyr Scliar“, Sektion 4: „Städte der lusophonen Welt: Zwischen Tradition und (Post)Moderne“, Sektionsleitung: Ana Filipa Prata, Doris Wieser, 11. Deutscher Lusitanistentag, Aachen, 16.-19.09.2015

„Understanding Lusophony. The Mediation Capacity of Translation for a Shared Identity Concept in the Portuguese Speaking World“, 2nd CHAM International Conference „Knowledge Transfer and Cultural Exchanges“ FCSH/Universidade Nova de Lisboa, 15.-18.07.2015

„Versuche der Ein- und Abgrenzung. Der Lusophonie-Begriff und seine kreolen Ränder“, Tagung „Sprache und Identität in der lusophonen Welt“, Universität Mainz, Fachbereich 05, 28.-29.05.2015

„Descolonizando a Língua: A Situação do Português na África“, Gastvortrag an der Univates, Lajeado-RS, Brasilien, 18.09.2014

„Do Oscilar entre Realidades e Identificações: A Influência de Vilém Flusser no Pensamento de Tradução“, 8th International Colloquium on Translation Studies in Portugal „50 years that changed the world - translation in the 1st half of the 20th century“, Centro de Estudos de Comunicação e Cultura, Universidade Cátolica, Lissabon, 10.-11.07.2014

„Entkolonialisierung der Sprache: Portugiesisch im unabhängigen Afrika“, anlässlich des 40. Jahrestages der Nelkenrevolution, FTSK Germersheim, 25.04.2014

„A Língua Portuguesa e os Imaginários Nacionais: Tradução Cultural no Espaço Lusófono“, Internationales Kolloquium „Lusofonia Pós-Colonial: Línguas, Literaturas, Identidades“, Universidade Lusófona, Lissabon, 23.-24.09.2013

„Limites híbridos. Pensando a Lusofonia a partir das Margens“ auf der internationalen Tagung „Interfaces da Lusofonia“, Universidade do Minho, Braga, Portugal. 4.-6.07.2013

„Vorstellung des Lehrprojekts ,Übersetzen des polyphonen Romans A Prisioneira de Emily Dickinson von Ana Nobre de Gusmão aus dem Portugiesischen ins Deutscheʻ“ gemeinsam mit Marcel Vejmelka. Dies Legendi der JGU Mainz, Gutenberg Lehrkolleg (GLK), 11.04.2013 sowie Praxistage Translation, FTSK Germersheim, 14.-15.06.2013

„Lusofonia – Aspetos de uma Identidade Linguística em Construção“. Gastvortrag am Instituto Superior de Ciências Socias e Políticas (Universidade Técnica de Lisboa), Lissabon, 25.02.2013

„Die Überwindung der Vielstimmigkeit. Zur Aushandlung von Übersetzungsentscheidungen im Team“. Stimmen hinter der Tür. Übersetzen des polyphonen Romans A Prisioneira de Emily Dickinson in Projektarbeit. Forschungsorientierter Workshop im Rahmen des Lehrprojekts. FTSK Germersheim, 19.10.2012

„Lusophonie – Identitätsstiftendes Konzept oder Identitätsspuren?“ beim XXVIII. Forum Junge Romanistik „Spuren.Suche (in) der Romania“ Karl-Franzens-Universität Graz. 18.-21.04.2012

„Lusophonie. Einheit und Differenz in den portugiesischsprachigen Ländern“ beim XI. Forschungstag Lateinamerika/Iberische Halbinsel, Leitung Prof. Dr. Cornelia Sieber, Prof. Dr. Alfonso de Toro, Prof. Dr. Wilfried Floeck und Prof. Dr. Birgit Mertz-Baumgartner. 29.-31.03.2012

 

Zum Seitenanfang

 


(Mit-)Organisation von Tagungen, Workshops und Ringvorlesungen

Gemeinsam mit Ângela Nunes: Veranstaltung anlässlich des 40. Jahrestages der Nelkenrevolution, im Rahmen des Proseminars „40 Jahre Nelkenrevolution: Stationen, Konflikte, Erinnerungsstrategien“, 25.04.2014.

Gemeinsam mit Cornelia Sieber: Ringvorlesung „Lusofonia – Vozes em Português“ im Sommersemester 2013. Förderung durch das Zentrum für Interkulturelle Studien (ZIS) der Universität Mainz.

Gemeinsam mit Cornelia Sieber und Verónica Abrego: Internationale Fachtagung „Nation und Migration. Spanien und Portugal angesichts der aktuellen Zuwanderung“. FTSK Germersheim, 1.-4.11.2012. Förderung durch die DFG.

Gemeinsam mit Cornelia Sieber, Ângela Nunes und Marcel Vejmelka: „Stimmen hinter der Tür. Übersetzen des polyphonen Romans A Prisioneira de Emily Dickinson in Projektarbeit“ Forschungsorientierter Workshop im Rahmen des Lehrprojekts. FTSK Germersheim, 19.10.2012.

Gemeinsam mit Cornelia Sieber und Ângela Nunes: Übersetzerworkshop im Rahmen des innovativen Lehrprojekts „Übersetzung des Romans A Prisioneira de Emily Dickinson aus dem Portugiesischen ins Deutsche“. FTSK Germersheim, 10.-14.04.2012. Förderung durch das Gutenberg Lehrkolleg der Universität Mainz.

Gemeinsam mit Isabell Lammel: Ringvorlesung „Speichern. Umschreiben. Übersetzen. Medialität aus kulturwissenschaftlicher und translatorischer Perspektive“ des kultur- und translationswissenschaftlichen Doktorandenkolloquiums der Romanisten am FTSK. Sommersemester 2012. Förderung durch das Zentrum für Interkulturelle Studien (ZIS) der Universität Mainz.

 

Zum Seitenanfang

 


Publikationen

Beiträge in Zeitschriften und Sammelbänden

In Vorbereitung: „Porto Alegre’s Bom Fim district and marginal identities in the work of Moacyr Scliar“. In: Prata, Ana Filipa / Wieser, Doris (Hgg.): Cities of The Lusophone World. Framing, Struggling and Crossing, Oxford et al.: Peter Lang (Reihe: Reconfiguring Identities in the Portuguese-Speaking World)

Gemeinsam mit Cornelia Sieber und Verónica Abrego: „Introducción - En Transformación: Las Complejas Relaciones entre la Nación y la Migración como Perspectiva Histórica y Frente a la Crisis Actual“. In: Cornelia Sieber, Verónica Abrego und Anne Burgert (Hgg.): Nación y Migración. España y Portugal frente a las migraciones contemporáneas (Siehe Mitherausgeberschaft)

„Das Portugiesische als Spur. Zur Verhandlung sprachlicher Identität im lusophonen Raum“. In: Melchior, Luca / Göschl, Albert / Rieger, Rita / Fischer, Michaela / Voit, Andreea (Hgg.): Spuren.Suche (in) der Romania. Beiträge zum XXIII. Forum Junge Romanistik in Graz (18.-21. April 2012), Frankfurt/M et al.: Lang 2014 (Reihe: Forum Junge Romanistik 19)

Gemeinsam mit Ângela Nunes: „Konzeption und Realisierung eines literarischen Übersetzungspro-jektes: Übersetzungsdidaktische Überlegungen“. In: Anne Burgert und Ângela Nunes (Hgg.): Stimmen hinter der Tür (Siehe Mitherausgeberschaft)

„Die Überwindung der Vielstimmigkeit. Zur Aushandlung von Übersetzungsentscheidungen im Team“. In: Anne Burgert und Ângela Nunes (Hgg.): Stimmen hinter der Tür (Siehe Mitherausgeberschaft)

Gemeinsam mit Cornelia Sieber, Wiebke Augustin, Ângela Nunes, Marcel Vejmelka und Angela Wodtke: „Übersetzen des polyphonen Romans A Prisioneira de Emily Dickinson von Ana Nobre de Gusmão aus dem Portugiesischen ins Deutsche im Rahmen einer Projektarbeit mit Studierenden der B.A.- und M.A.-Studiengänge Sprache, Kultur, Translation am Fachbereich 06 in Germersheim im Wintersemester 2011/12 und Sommersemester 2012“. In: Gutenberg Lehrkolleg der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Hg.): Gute Lehre – von der Idee zur Realität. Innovative Lehrprojekte an der JGU, Bielefeld: UniversitätsVerlagWebler 2013

„Nas teias da língua. Sobre a conceção da lusofonia em contextos pós-coloniais“. In: Fernando Cristóvão, Annabela Rita (Coords.): Dossiê Temático da Revista Letras Com Vida: „Lusofonia(s) em Interculturalidade“, CLEPUL, Universidade de Lisboa, n.º 6 (2012-2013)

„Die luziferisierte Übersetzung. Zur Verdauung des Faust durch Haroldo de Campos“. In: Julian Bisping, Alexandra Dudzik und Tomasz Rozmyslowicz (Hgg.): Trapriori. Studentische Zeitschrift für Translationswissenschaft, Germersheim 2.1 (2010)

 

Mitherausgeberschaften

Gemeinsam mit Cornelia Sieber und Verónica Abrego (Hgg.): Nación y Migración. España y Portugal frente a las migraciones contemporáneas. Madrid: Editorial Biblioteca Nueva 2015

Gemeinsam mit Ângela Nunes (Hgg.): Stimmen hinter der Tür. Übersetzen des polyphonen Romans A Prisioneira de Emily Dickinson in Projektarbeit. Frankfurt a.M.: Lang 2014 (FTSK. Publikationen des Fachbereichs Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in Germersheim)

 

Übersetzung

Ana Nobre de Gusmão: Die Gefangene von Emily Dickinson. Roman. Bonn: Weidle 2013 (Mitwirkung am studentischen Lehrprojekt am FTSK)