Forschung

Forschung
Schwerpunkte:

Russisch-amerikanische Beziehungen (citizen diplomacy) im Kalten Krieg, translationsorientierte russistische Kulturwissenschaft

Russische Literaturkritik

Avantgarde, Stalinismus/sozialistischer Realismus

Russische Literatur und Kultur im 20. und 21. Jh. mit kultursoziologischem Schwerpunkt auf Populärliteratur, Buch- und Zeitschriftenmarkt, Literaturbetrieb, Institutionen

Utopische und phantastische Literatur, Science Fiction und Fantasy-Literatur in Russland

Okkultismus und Esoterik in Russland

Kultur- als Translationswissenschaft

Russische und sowjetische Oper

Russisch-amerikanische Kulturbeziehungen, Filmgeschichte des Kalten Krieges

Konzepte, Organisation und Durchführung folgender Tagungen:

17. Tagung der DGO-Fachgruppe Slavistik: "Katastrophe, Unruhe und Verheißung Neue Populärkultur in Russland und im östlichen Europa seit 2000", 4.-6.7. 2014, Europäische Akademie Berlin (EAB)
Konzept DE Konzept RU ReferentInnen Programm

"Russlanddeutsche Spätaussiedler als Kultur-­‐ÜbersetzerInnen. Probleme und Perspektiven", 6./7.Juni, 2013
Programm, Bericht

"Rückkehr in die Fremde? Ethnische Remigration Russlanddeutscher Spätaussiedler", 10.-12.11., 2011 (16. Arbeitstagung der FAchgruppe Slavistik in der Dt. Gesellschaft für Osteuropakunde (DGO)
Konzept, Programm, Bericht

"The Occult in 20th Century Russia / Оккультизм в России Metaphysical Roots of Soviet Civilisation". Conference of the DGO-working group ‘Russian and East European Culture”. Berlin, March 11-13, 2007
Programm

Kultur und/als Übersetzung. Russisch-deutsche Beziehungen im 20. und 21. Jahrhundert

Kulturelle Konstanten Russlands im Wandel

Gewalt und ihre Verarbeitung in der russischen Kultur

Kulturelle Grenzverschiebungen: Mittel-, Ost- und Südosteuropa

13. Arbeitstagung der Fachgruppe Slavistik in der DGO, 1.-3. Juli, 2004, in Berlin

Okkultismus in Russland/ The Occult in 20th Century Russia

Organisation und Durchführung einer Tagung, veranstaltet von der DGO (Fachtagung Slavistik), in Kooperation mit dem Harriman-Institut/Columbia University, New York (Sprachen: Englisch und Russisch), vom 13.-15. März 2007 in Berlin

Grenzüberschreibungen in der Literatur

Konzeption und Durchführung der Podiumsdiskussion auf dem Regional European Congress ‚Transcending Europe’s Borders. The EU and its Neighbours’, 2.-4.8.2007, Berlin

Projekte:

Citizen Diplomacy.
Sowjetisch- amerikanischer zivilgesellschaftlicher Aufbruch in den 1970-80er Jahren /
Citizen Diplomacy A Project of Soviet-American Exchange and Understanding in the 1970s and 1980s

Kultur als/und Übersetzung: Russisch-deutsche Beziehungen im 20. und 21. Jh.

15. Arbeitstagung der Fachgruppe Slavistik in der DGO: Kultur als/und Übersetzung: Russisch-deutsche Beziehungen im 20. und 21. Jh.

11.-13. Dezember 2009, Berlin

Programm (PDF, 73 K)

Konzept Betrachtet man kulturelle Tätigkeit als ein Feld der Kommunikation, in dem kollektive Wertsetzungen ausgehandelt werden, so ist sie weitgehend als eine Tätigkeit des Übersetzens zu beschreiben, als ein Austauschprozess zwischen Fremdem und Eigenem, für den es notwendig ist, die Perspektive zu wechseln. Dieser Perspektivenwechsel ist mit Interpretation und einer Übertragung in andere Zusammenhänge verbunden und kann im weitesten Sinn als Übersetzungsprozess bezeichnet werden. Die Tätigkeit des Interpretierens, Kommentierens und Auslegens beschränkt sich jedoch nicht nur auf Texte und Redesituationen oder auf Übersetzungen von einer Sprache in die andere, sondern sie ist ein Kulturwerkzeug, das auch in Alltagssituationen zum Einsatz kommt, dessen Handhabung aber in interkulturellen Bereichen einer besonderen Anstrengung und Reflexion bedarf.

Die Figur des Vermittlers führt im europäischen Denken ein stiefmütterliches Dasein: Tradierte Denkmuster zeigen eine deutliche Tendenz, Vermittlungstätigkeit auszublenden und damit einhergehend, Alterität zu verhüllen. Das steht unter anderem in engem Zusammenhang mit dem europäischen (Sonder-) Weg, der der Vorstellung von Authentizität eine besondere Bedeutung zuweist und diese mit der Dominanz des Originals verbindet. Als Garant für Authentizität wird dabei die Person bzw. die Funktion des Autors gesehen, der ein überhöhter Stellenwert zugewiesen wird. Dieses Denken suggeriert eine Art von Unmittelbarkeit, die keiner weiteren Vermittlungstätigkeit bedarf, so dass in logischer Konsequenz vermittelnde Akteure und Akteurinnen unsichtbar gemacht werden. Einen ganz konkreten Niederschlag findet das darin, dass Vermittler als Paria, als Dienstleister gesehen werden, was sich in der gehandhabten Praxis z. B. an der mangelnden gesellschaftlichen Anerkennung von ÜbersetzerInnen ablesen lässt. Überdies erfolgt der Transfer von einer Sprache in die andere meist durch eine weitgehende Kontextualisierung in die Zielkultur, durch eine Eingemeindung, die dem Text das befruchtende Fremde nimmt. Solche Übersetzungen werden dann auch nicht als fremde Texte rezipiert, sondern als Originale der eigenen Kultur.

Während ältere Übersetzungskonzeptionen häufig von einer ‚Einbahn‘ im Sinne einer Verwandlung des (wertvollen) Originals in eine (schlechte) Kopie ausgingen, hat der Übersetzungsprozess auch im Zuge des linguistic turn eine Neubewertung erfahren: Nicht nur, dass Übersetzung jetzt als eine quantitative Erweiterung (aller Austausch ist Übersetzung) angesehen wird, ihm wird ebenso eine qualitative Erweiterung zugesprochen, die das Moment des ‚Austausches’ und der gegenseitigen Bereicherung betont.

So betrachtet kann sich auch Übersetzung zwischen den Sprachen und Kulturen nicht darauf beschränken, einzelne (sprachliche oder kulturelle) Elemente zu übertragen, sie muss vielmehr Verwebungen, Verhältnisse und Relationen berücksichtigen. Ein sprachliches (kulturelles) Gewebe, das als ein unaufhörlich sich veränderndes System gedacht wird, kann sich demnach keineswegs nur innerhalb eigener Grenzen und Regelsysteme organisieren, denn damit würde es sich seiner Innovationsfähigkeit berauben. Für den Kommunkationswissenschaftler Michel Serres sind für derartige Austausch- und Übersetzungsprozesse jedoch nicht nur Orte des Übergangs, des Durchgangs und der Kommunikation notwendig, sondern auch Figuren, die diese Funktion auf sich vereinen. Hermes, als symbolischer Träger aller Kommunikation und Vermittlung, ist für Serres die neue Leitfigur der gegenwärtigen Entwicklungen und ersetzt Prometheus, die zentrale Figur der Moderne. Inter- und transkulturelle Forschungsansätze fassen im Vergleich zu Serres solche Vermittlerfiguren sehr viel konkreter und nehmen Personen in den Blick, die sich in ihrer Tätigkeit solchen interkulturellen Austauschprozessen widmen und reflektierend damit umgehen.

Die Konferenz nimmt interkulturelle Austauschprozesse zwischen Russland und dem deutschsprachigen Raum in den kultursoziologischen Blick. Im Zentrum steht die Frage, wie sich diese beiden Kulturräume im 20. Jh. gegenseitig übersetzerisch präsentieren und welche Auswirkungen dies auf die politische und kulturelle Wahrnehmung einzelner Persönlichkeiten wie auch des kollektiven Bewusstseins hat. Makroperspektivisch betrachtet, lassen sich in nationalen Kulturen Perioden mit einer starken Übersetzungstätigkeit von solchen mit einer schwachen unterscheiden. Jurij Lotman geht davon aus, dass einer Periode starker Appropriation des Fremden durch Übersetzung immer kulturelle Blüteperioden folgen. Hier gilt es zu überprüfen, inwiefern diese These für das heutige Russland zutrifft.

Der Schwerpunkt liegt auf der konkreten kulturvermittelnden Tätigkeit und Wirkung einzelner Persönlichkeiten (u.a. ÜbersetzerInnen, WissenschaftlerInnen, KorrespondentInnen, FilmemacherInnen) sowie von Institutionen mit einer internationalen Ausrichtung (z.B. Zeitschriften, Verlage, Literaturinstitute, wissenschaftliche Institutionen, wissenschaftliche Förderprogramme, Stiftungen). Dabei werden folgende Leitfragen angesprochen: Wie stellen sich konkrete Prozesse bzw. Ereignisse interkultureller Kommunikation aus der Perspektive der Übersetzung dar? Wie wirkt sich z.B. die Übersetzung der jeweils anderen Kultur in einzelnen Medien (Film, Fernsehen, Internet) aus? Inwieweit prägen alte und neue Stereotypen, Missverständnisse oder selektive Wahrnehmungen die gegenseitigen Bilder und Vorstellungen? Wie werden sie in Politik, Literatur, Publizistik, Wissenschaft wirksam?

The Occult in 20th Century Russia/Оккультизм в России

Metaphysical Roots of Soviet Civilization

Conference "Fachtagung Slavistik", organized by the Deutsche Gesellschaft fuer Osteuropakunde (DGO)/ working group "Russian and East European Culture" (Prof. Birgit Menzel, University of Mainz/Germersheim), in cooperation with the Harriman Institute/Columbia University (Prof. Catharine Theimer-Nepomnyashchy)

Information about the conference (PDF-Datei, 170 Kb)

Publication:
Birgit Menzel
The Occult Revival in Russia Today and Its Impact on Literature

11-13 March, 2007, in Berlin (European Academy)
(languages: English and Russian)

Description (German version, Russian version, English version) and Programm

Nähere Informationen zu Person und Publikationen der TeilnehmerInnen wie auch die Papers der ReferentInnen finden Sie auf der Homepage des Harriman-Instituts:
http://www.harrimaninstitute.org/events/conferences.html

Weitere Links:
http://www.desib.de/www/ruphil/rundschau.htm
http://www.dgo-online.org/35.0.html?&tx_julleevents_pi1[showUid]=​78&cHash=299d31f37c
http://www.owwz.de/events.html?&L=1
http://www-cgi.uni-regensburg.de/Einrichtungen/Bayhost/aktuelles.shtml
http://www.philosophy.ru/main/inf?id=95
http://www.uni-tuebingen.de/uni/qzf/forschungsnachrichten/tagung.html
www.esswe.org

„The Word as Entertainment: Post-Soviet Popular Literature”

Forschungsprojekt, gefördert vom DAAD und British Council (2000-2002);

Leitung: Prof. Dr. Birgit Menzel (Mainz/Germersheim) und Dr. Stephen Lovell (Oxford); Beteiligte: Dr. Andrej Rogachevski (University of Glasgow), Dr. Ekaterina Rogachevskaia (University of Edinburgh), Dr. Rosalinde Sartorti (FU Berlin), Dr. Anett Jubara (Berlin/Germersheim);

Autoren des gleichnamigen Buches (vorauss. 2003) sind: Prof. Dr. Birgit Menzel (Mainz/Germersheim) und Dr. Stephen Lovell (Oxford); Beteiligte: Dr. Andrej Rogachevski (University of Glasgow), Dr. Ekaterina Rogachevskaia (University of Edinburgh), Dr. Marina Koreneva (Pushkinskij Dom/ St. Petersburg), Boris Dubin (Vserossijskij Institut Obščestvennogo Mnenija (VCIOM)/Moskau), Tat’jana Semenova (Rossijskij Gosudarstvennyj Gumanitarnyj Universitet (RGGU)/Moskau).

Kulturelle Konstanten Russlands im Wandel

Organisation und Durchführung der Fachtagung Slavistik der DGO 12.-14.12.2002 an der europ. Akademie, Berlin:

Die Tagung verfolgt im Anschluß an die beiden vorangehenden Fachtagungen 1996 und 1998 drei Ziele: aktuelle kulturelle Prozesse in Russland zu untersuchen, deutschsprachigen Slavisten (einschl. akademischem Nachwuchs) mit dem Schwerpunkt Gegenwartskultur ein Diskussionsforum zu bieten, und drittens zwischen wissenschaftlich-akademischer Forschung und einer breiteren interessierten Öffentlichkeit zu vermitteln.

Nach dem Ende der Perestrojka als der abschließenden Periode der ideokratisch organisierten Sowjetzivilisation zeichnet sich seit Mitte der 90er Jahre in Russland eine neue Situation ab. Als deren Kennzeichen lassen sich festhalten:

Eine postideologische Situation ist eingetreten, in der es, wie in der globalen Kultur, keine verbindliche Sprache oder Ideologie mehr gibt. Alles ist erlaubt, aber „objektiv unlesbar“, da es praktisch nur noch subjektive Lesarten gibt.

  • Nachdem ehemals homogene, trotz aller Binnendifferenzierung klar voneinander abgegrenzte Bereiche aufgebrochen, Hierarchien gestürzt, „Hohes“ und „Niederes“ auf-, ent- oder umgewertet worden sind, ist ehemals Verdrängtes, Verbotenes, Tabuisiertes gleichgültig neben ehemals Offizielles getreten.
  • Es kommt zu einer Restitution des ehemals Verdrängten. Diese findet sowohl auf der Ebene der Praxis künstlerischer Eliten statt (als Dekonstruktion in Fortsetzung z.B. der Soz-Art und des Moskauer Konzeptualismus mit dem Ziel, die starre Fixiertheit der Zeichen aufzubrechen; z.B. V. Sorokin, O. Kulik), als auch auf der Ebene lebensweltlicher Deutungen, auf der Ebene der Alltags- und Massenkultur (Neoimperialismus, verschiedene Nostalgiebewegungen). Das vormals Verdrängte gelangt an die Oberfläche und wird zum Bestandteil der neuen Ideologie, seien es Okkultismus, Esoterik oder Nationalismus, oder sei es die Tatsache, dass ehemals subversive, ideologiekritisch wirkende und als Dekonstruktion konzipierte künstlerische Produkte im Rahmen der neuen Massenkultur unkritisch adaptiert, also affirmativ rezipiert und integriert werden (z.B. V. Sorokins Film „Moskva“ als „Mafia-Thriller“).­ 
  • Die Heterogenität geht einher mit einer extremen Polarisierung. Eine neorussische Massenkultur, die den Maximen der globalen Popkultur folgt, steht einer elitär-exzentrischen neuen Untergrundkultur gegenüber. Die Mitte bleibt einstweilen unbesetzt bzw. unbeschrieben. Statt eines Dialogs oder einer Polyphonie verschiedener Ideologien und kulturell-künstlerischer Praktiken ist viel eher eine Kakophonie, d.h. eine extreme Unvermischtheit von unterschiedlichen Stimmen und Stilen, ein unverbindliches Nebeneinander oftmals autistisch agierender Positionen und Praktiken, zu beobachten. 

Der sich abzeichnende kulturelle Wandel soll als ideologisch-semiotischer Wandel verstanden und beschrieben werden. Unter kulturellen Konstanten werden bestimmte allgemeine und dau­erhafte Konzepte – Einstellungen, Vorstellungen, Anschauungen und Wertungen – ver­standen, die für diverse soziale und lebensweltliche Kernbereiche übergreifend relevant sind und die zeichenhaft-medial repräsentiert werden. (vgl. Ju. Stepanov: Konstanty: slovar’ russ­koj kul’tury, SPb 2001). Solche Konstanten sind z.B. „Zeit“, „Raum/(„Grenze“), „Volk“ (Hei­mat, Vater­land, Boden), „Das Eigene/Fremde“ („Die Unsrigen/Naši“), „Alltag (byt)“ und „Fest­tag“, „Seele“ und „Glaube“ (Sakrales und Profanes, Heiliges und Verworfenes), „Moral“ und „Ehre“, „Recht“ und „Gesetz“ bzw. nicht nur die genannten allgemeinen, sondern auch damit verbundene speziellere Konzepte („Geld“, „Zahlen“) die so­wohl in ihrer jeweiligen Besonderheit als auch in ihrer Kompexität betrachtet werden können.

Mit dem Titel „Konstanten im Wandel“ wird der paradoxe Charakter dieser Konzepte an­ge­sprochen: durch den – in bestimmten Epochen unauffälligen, in anderen dramatischen, kri­sen­haften – Wandel der Zeichen werden Bedeutungen nicht einfach neu geschaffen, um vor­han­dene zu ersetzen, sondern es wird ein relativ konstanter Bedeutungskern tradiert, der sich ge­rade in- und durch Verdrängung bewahrt.

In funktionaler Hinsicht können bei der Beschreibung dieses Wandels unterschiedliche Akzente gesetzt werden: indem das Moment der Veränderung betont wird, als Subversion von Bedeutungen, oder aber, den bewahrenden Aspekt akzentuierend, als Herausbildung einer histori­schen „Reihe“ aneinander anknüpfender Konzepte, wobei ein Moment des vorherge­hen­den Gliedes zum Zeichen innerhalb des darauffolgenden neuen Gliedes wird.

Die Beiträge werden unter dem Gesichtspunkt des „Wandels kultureller Konstanten“ die beobachteten aktuellen Phänomene und Tendenzen der zeitgenössischen rus­sischen Kultur – Polarisierung, Vulgarisierung, Restitution des Verdrängten, exemplarisch in verschiedenen Berei­chen (Literatur, Sprache, Medien – Film, TV, Werbung - , bildende Kunst etc.) behandeln, wobei jeder Beitrag von einer ausgewählten Konstante ausgeht.