Italien im Wandel – Dolmetscher im Einsatz

von Sophia Roessler und Henriette Kilger

Die Konferenz „Italien im Wandel – Der Beitrag der Zivilgesellschaft zur Bekämpfung der Mafia in Italien und Europa“ begann typisch italienisch: mit einer Viertelstunde Verspätung. Als sie eigentlich schon im Gange sein sollte, standen Redner und Organisatoren noch entspannt miteinander plaudernd vor dem Eingang des Audimax des FTSK und auch das Publikum – bunt zusammengesetzt aus Studenten, Dozenten, Einheimischen und sogar vier Polizisten – trudelte erst langsam ein. Nur die Dolmetscher waren zu diesem Zeitpunkt schon längst in den Dolmetschkabinen im ersten Stock, von denen aus sie den ganzen Saal überblicken konnten. Am Morgen waren sie schon mit Namensschildern ausgestattet worden, die sie als Dolmetscher kenntlich machten und mitten im Unialltag sofort eine Atmosphäre der Professionalität schufen. Nun warteten sie gespannt und auch ein bisschen nervös auf den Startschuss durch Dekan Prof. Dr. Gipper nachdem sie sich über die letzten Wochen eingehend mit Themen und Rednern der Konferenz auseinandergesetzt, Zeitungsartikel gelesen, Glossare erstellt und Interviews angehört hatten. Jetzt war es soweit: Die Begrüßung der Gäste läutete den Thementag ein, die Mikrophone in den Kabinen leuchteten auf und die Zuhörer im Saal hatten nun die Möglichkeit, der Konferenz auf Italienisch, Deutsch, Englisch und Niederländisch zu lauschen.

Die Redner sprachen über eine Vielzahl an Bereichen, die im Kampf gegen die Mafia von Bedeutung sind: von Politik über „mafiafreie“ Landwirtschaft und „schutzgeldfreies“ Reisen bis hin zu Aufklärungsarbeit in Kalabrien und der Bekämpfung des organisierten Verbrechens in Berlin. Eins wurde dabei immer deutlicher: Während das eine italienische Klischee (die italienische Küche gehört zu den besten, umso mehr wenn man mit „mafiafreien“ Zutaten kocht) Bestätigung fand, wurden andere (alle Sizilianer sind Mafiosi) schnell zerstreut. Vielmehr stellte sich heraus, dass die Mafia auch in Deutschland aktiv ist und es deswegen nicht nur in den Händen der Italiener liegt, gegen die Mafia vorzugehen.

Nach der wohlverdienten Mittagspause ging es am Nachmittag in Workshops weiter, in denen Neugierige die Redner in die Mangel nehmen konnten. Auch hier wurde die Verständigung teilweise erst durch die hervorragende Arbeit der Dolmetscher möglich, die dieses Mal jedoch nicht hoch oben in den Kabinen saßen, sondern den deutschen Teilnehmern mitten im Geschehen die Antworten der italienischen Redner auf ihre Fragen flüsterten, genauso wie andere Dolmetscher die deutschen Fragen ins Italienische brachten. Im Anschluss wurden Redner und Studenten gleichermaßen mit von Dozentinnen gezauberten köstlichen Kuchen, Muffins und Keksen versorgt, bevor am Abend die Lesung des Buchs „Von Kamen nach Corleone – Die Mafia in Deutschland“ von und mit Petra Reski den ersten Tag der Maxikonferenz abrundete.

Am nächsten Tag ging es mit der Vorführung des Dokumentarfilms „Adieu“ von dem Regisseur Alberto Castiglione – am Vormittag in Germersheim und am Abend in Speyer – weiter. Dieser Film wurde zuvor von Germersheimer Studenten untertitelt und weckte das Interesse der Speyrer an dem zuvor wenig bekannten Thema Mafia, sodass im Anschluss an die Filmvorführung eine angeregte Diskussion geführt wurde. Bei beiden Vorführungen waren wiederum Dolmetscher anwesend, die diesmal durch konsekutive Verdolmetschung die Kommunikation zwischen dem Publikum und Regisseur Castiglione ermöglichten.

Bevor nun am 12. Juni die Theateraufführung „Per non dimenticare“ der italienischen Theatergruppe am FTSK Germersheim das Konferenzprojekt „Italien im Wandel – Der Beitrag der Zivilgesellschaft zur Bekämpfung der Mafia in Italien und Europa“ abschließt, lässt sich jedoch bereits ein Fazit ziehen: Eine gelungene Kommunikation ist nicht nur in Form des Einsatzes von Dolmetschern im Rahmen einer multilingualen Konferenz von großer Bedeutung, sondern sie ist auch eine wichtige Waffe im Kampf gegen das organisierte Verbrechen, zum Beispiel zum Zwecke der Entmystifizierung der ʽNdrangheta, wie Claudio La Camera, Referent für das Museo della ʽNdrangheta im italienischen Kalabrien, verdeutlichte.

Gerade für die Dolmetscher, die sich ja schon im Voraus ausgiebig mit dem Thema beschäftigt hatten, war die Konferenz eine sehr interessante Erfahrung, die ganz deutlich gemacht hat, wie wichtig engagierte Menschen sind, die diesem Kampf ein Gesicht geben und dem Thema durch ihren persönlichen Einsatz Leben einhauchen.