Vilém Flussers langjähriger Aufenthalt in Brasilien (1940
- 1972) ist das zentrale Thema des Kolloquiums. Seine Erfahrungen
und Tätigkeiten als Einwanderer, Journalist, Autor, Übersetzer,
Wissenschaftler und Dozent in Brasilien sollen in Hinblick auf seine
späteren medientheoretischen Arbeiten erschlossen und diskutiert
werden. Selbst in der avancierten Flusserforschung ist dieser Lebensabschnitt
Flussers noch nicht hinreichend erkundet. Die Ziele der Tagung sind
daher insbesondere eine umfassende akademische und kulturelle Kontextualisierung
Flussers im intellektuellen Feld Brasiliens sowie eine Spurensuche
nach den Anfängen seines „ikonischen Interesses“ im
Kontext der konkreten Poesie, des Tropikalismus und der medialen Landschaft
im Brasilien der 50/60er Jahre. Außerdem geht es um die Erfahrung
des Exils und Flussers Tätigkeiten als kultureller Vermittler
und Übersetzer in den oft als asymmetrisch wahrgenommenen kulturellen
Beziehungen zwischen Brasilien und Europa. Hier wird auch die kulturtheoretische
Dimension seines Denkens sichtbar, die bis heute eher im Schatten
seiner Medienphilosophie steht. Themen wie „Bodenlosigkeit“,
„Heimatlosigkeit“ und Migration bilden seit der Flucht vor
den Nazis einen inhaltlichen Bogen in Flussers Denken – nicht nur
als ethisches Problem, sondern auch als ästhetische Herausforderung.
Hier findet sich die besondere Aktualität der Beschäftigung
mit Flussers „Denk-Räumen“, mit den Orten zwischen
Brasilien und Europa und mit seinem aus verschiedenen Kulturen und
Kontexten hervorgegangenen Wissen.
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