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Reden, Vorträge und Berichte


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Der international bekannte Übersetzungswissenschaftler

Dr. Hans Hönig

ist am 5. Juli 2004 im Alter von 63 Jahren plötzlich und völlig unerwartet verstorben.

Dr. Hönig war Akademischer Direktor am Institut für Anglistik,  Amerikanistik und Anglophonie des Fachbereich Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft (FASK) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in Germersheim und als Leiter der Fachgruppe Dolmetschen unter anderem zuständig für Inhalte und Koordination der Dolmetscherausbildung.  Er hatte  über drei Jahrzehnte Erfahrung in Praxis und Lehre des Übersetzens und Dolmetschens - zum einen in der universitären Ausbildung von Diplom-Übersetzern und Diplom-Dolmetschern FASK und zum andern durch seine freiberufliche Tätigkeit. Ein zentrales Anliegen war ihm die Professionalisierung und Qualitätssicherung in Lehre und Praxis. Hans Hönig publizierte drei Bücher und über dreißig Aufsätze zur Translationswissenschaft: Zusammen mit seinem Freund und Kollegen Dr. Paul Kussmaul veröffentlichte er bereits im Jahre 1982 das richtungsweisende Lehr- und Arbeitsbuch Strategie der Übersetzung, das nunmehr in der fünften Auflage immer noch ein Bestseller und Standardwerk ist. Die Kommentare zu Hans Hönigs Monographie Konstruktives Übersetzen (1995) sind charakteristisch für seine gesamte Arbeit als Wissenschaftler und Lehrer. Christina Schäffner schrieb in ihrer Rezension in The Translator: "This book is a plea for the recognition of both translation studies and the status of translators in society. It deserves to reach a wide audience, inside and outside Germany, especially among the groups that Hönig specifically tries to address, namely practising translators and users of translations. Practitioners will find the book clear and accessible, sometimes provocative, drawing on metaphors, analogies and many examples from actual practice. It may prove more difficult to persuade users of translation to read this book. Perhaps what we need at this stage is to stimulate public discourse on translation in order to achieve for the discipline and the practitioners the kind of social recognition they both deserve." Hans Hönigs Fähigkeit, Übersetzungstheorie auch Studierenden und Praktikern nahe zu bringen, wird etwa in dem Kommentar von Franz Pöchhacker deutlich: "[Sein] bildreicher und humorvoller Stil machen die Lektüre zum Vergnügen, ohne daß die Komplexität des Gegenstandes auf das Niveau von einfachen Regeln und Rezepten reduziert würde". Der Verbreitung translationswissenschaftlicher Erkenntnisse und Förderung translatorischer Kompetenz dient auch das von Hans Hönig mitherausgegebene Handbuch Translation. Es dürfte heute kaum noch Studierende der Translationswissenschaft oder jüngere Diplom-Übersetzer oder Diplom-Dolmetscher geben, für die Hans Hönig kein Begriff ist. Sein Ruf als exzellenter Translationswissenschaftler geht weit über die Grenzen Deutschlands hinaus: Er wurde unter anderem bei der Entwicklung neuer universitärer Übersetzer- und Dolmetscher-Studiengänge hinzugezogen, etwa in Istanbul, Ljubljana und Skopje, war aktiv in Programmen zur Ausbildung von Ausbildern beteiligt, z.B. in Spanien und Ungarn, und als eloquenter Vortragender nicht nur in Europa, sondern auch in Indien und China gefragt.

Die Kollegen, Freunde und Studierenden trauern um einen scharfsinnigen und engagierten Wissenschaftler und Lehrer und um einen liebenswerten, geistreichen und humorvollen Menschen. Hans Hönig hinterlässt eine Lücke, die wir nicht füllen können.

KH Stoll

08.07.04

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