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Diskussionsforum des FASK


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Diplomfeier am 24.11.2000

Diplomarbeitspreis: Laudatio auf Frau Marion Otto

Hans Ruge


Frau Marion Otto vergleicht in ihrer Diplomarbeit zwei Romane aus der Zeit der englischen Industrialisierung im 19. Jahrhundert: Charles Dickens’ Hard Times und Elizabeth Gaskells North and South, beide im Jahr 1854 erschienen. Anhand dieser Werke untersucht sie den Zusammenhang zwischen dem weiblichen Idealbild der Viktorianischen Zeit und der industriellen Problematik. In beiden Romanen wird die Kluft zwischen working class und middle class als folgenreich und destruktiv dargestellt, jedoch etwas unterschiedlich. Frau Otto zeigt, daß ihnen gemeinsam ist, daß Frauen an der Lösung des Problems beteiligt sind, aber auch das wiederum auf unterschiedliche Weise.


Bei Dickens folgen die Frauen dem viktorianischem Rollenverständnis, das Tugenden wie Reinheit, Hilfsbereitschaft, Herzensbildung und Fürsorglichkeit verlangt. So können Frauen den destruktiven Auswirkungen utilitaristischen Denkens entgegenwirken.


Die Frauenschilderungen bei Elizabeth Gaskell erscheinen differenzierter, nicht nur weil sie selbst eine Frau ist, sondern auch weil sie mit beiden Gesellschaftsschichten Kontakt hatte. Sowohl passive wie tatenkräftige Frauen kommen vor. Das positive Frauenbild besteht hier vor allem im Prinzip der Menschlichkeit: So kann eine selbständig denkende und tatkräftige Frau dazu beitragen, den Umgang zwischen Vorgesetzten und Untergebenen menschlicher zu gestalten.


In bezug auf die Aktualität des Themas seien Frau Ottos eigene Schlußworte zitiert: “Das Viktorianische Zeitalter ist /.../ keineswegs als präfeministische “Steinzeit” zu betrachten. Es war eine Zeit der Umbrüche und der tiefgreifenden Veränderungen, deren Verständnis uns Aufschluß geben kann über die Welt, in der wir heute leben.”


Frau Otto hat eine gut strukturierte, sehr sorgfältig recherchierte und flüssig argumentierende Arbeit geschrieben. Hinzu kommt, daß sie ihr Thema auf eine angenehme Art leidenschaftslos und sachlich angeht, was ihrer Arbeit weitere wissenschaftliche Glaubwürdigkeit verleiht.

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