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Reden, Vorträge und Berichte


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Grußwort des Präsidenten der Johannes Gutenberg-Universität Mainz,
Herr Univ.-Prof. Dr. Josef Reiter,
zur Eröffnung des 4. Deutschen Lusitanistentages
in Germersheim am 11. September, 10.30 Uhr.



Sehr geehrter Herr Ministerialdirigent Mentges, Exzellenzen: sehr geehrter Herr Botschafter von Portugal, sehr geehrter Herr Botschafter von Angola, sehr geehrte Herren Generalkonsuln von Brasilien und Portugal, sehr geehrter Herr Bürgermeister, meine Damen und Herren.


Portugiesisch wird heute zwar von ca. 200 Millionen Menschen gesprochen. Ich gehöre aber leider nicht zu diesen 200 Millionen, deswegen nehme ich mir die Freiheit, Sie hier auf deutsch zu begrüßen.
Es ist außerordentlich erfreulich, einen so großen, so gut besetzten Kongress in unserer Universität, bzw. in unserem pfälzischen Standort Germersheim zu haben; sowohl die Anwesenheit von etwa 180 Universitätsdozentinnen und -dozenten aus 14 Ländern wie auch die Anwesenheit hoher politischer Persönlichkeiten beweist den Stellenwert, den die Lusitanistik hat, und auch den Stellenwert, den unsere Germersheimer Lusitanistik hat. Deswegen bin ich, lassen Sie mich das ganz zu Anfang sagen, auch ein wenig stolz auf unsere Germersheimer Romanisten.
Ich möchte Sie nun alle sehr herzlich hier willkommen heißen; zunächst und vor allen natürlich unsere weitgereisten Gäste von Übersee, die einiges an Wegstrecke auf sich genommen haben, aber sowohl durch die Tagung wie durch ihr Umfeld reichlich dafür entschädigt werden. Begrüßen möchte ich aber nochmals die Vertreter der Politik: in Vertretung des Schirmherrn dieser Veranstaltung, Herrn Minister Zöllner, ist heute Herr Ministerialdirigent Mentges hier und wird gleich selbst das Wort an Sie richten; ein herzliches Willkommen gilt aber vor allem den Herren Botschaftern von Portugal und Angola sowie den Herren Generalkonsuln von Portugal und Brasilien: Sie sind bereits in mancherlei Kooperation der Universität Mainz verbunden, und Ihre Anwesenheit hier und heute beweist die Wichtigkeit der Kulturwissenschaften für die Völkerverständigung in Zeiten, wo Globalisierung in der öffentlichen Meinung nur als wirtschaftlicher Tatbestand vorkommt, und ist für die ganze Universität wie auch ihren Standort Germersheim ein wichtiges Zeichen der Anerkennung.
Gestatten Sie mir, dass ich Ihnen kurz die Johannes Gutenberg-Universität Mainz, zu der ja der Fachbereich in Germersheim gehört, vorstelle:
Die Johannes Gutenberg-Universität ist eine der wenigen Campusuniversitäten in Deutschland. In Mainz sind 18 der 19 Fachbereiche der Universität angesiedelt; der Fachbereich Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaften, der vor allem Übersetzer und Dolmetscher ausbildet, liegt hier in Germersheim rund 100 Kilometer südlich von Mainz.
Die Mainzer Universität wurde 1477 durch den Mainzer Kurfürst-Erzbischof Diether von Isenburg gegründet. Nach mehr als drei wechselvollen Jahrhunderten ist die Hohe Schule dann im Gefolge der Französischen Revolution faktisch erloschen, ohne jemals offiziell aufgehoben worden zu sein. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg, im Mai 1946, wurde sie von der französischen Militärregierung wieder eröffnet. 1949 wurde ihr die Dolmetscher-Hochschule, die von der französischen Besatzungsmacht 1947 gegründet worden war, als dem Mainzer Universitätsrektor direkt unterstelltes Auslands- und Dolmetscherinstitut Germersheim eingegliedert. 1477 hatte die Universität Mainz mit 14 Professoren und 100 Studenten ihren Lehrbetrieb aufgenommen, beim Neubeginn 1946 waren es im Sommersemester 2.088 und im Wintersemester bereits 4.205 Studierende; die Dolmetscherhochschule hatte in ihrem ersten Semester insgesamt 4 Professoren und 14 andere Dozenten. Heute beläuft sich die Zahl der Studierenden der Johannes Gutenberg-Universität auf über 28.000, davon 2.300 in Germersheim. Das Germersheimer Institut für Romanistik ist mit 2.100 Studierenden eines der größten Institute unserer Universität. Neben den rund 1.300 Wissenschaftlern auf dem Mainzer Campus (zuzüglich etwa 110 in Germersheim) und den ca. 800 Wissenschaftlern des kürzlich rechtlich selbständig gewordenen Klinikums gibt es ca. 5.400 Stellen für nichtwissenschaftliches Personal in den beiden Institutionen. Das Klinikum wird wegen seiner renommierten Ärzte nicht nur von Patienten der näheren und weiteren Umgebung aufgesucht, sondern auch immer wieder von Hilfesuchenden aus dem Ausland. Die Johannes Gutenberg-Universität ist der größte Arbeitgeber in Mainz und der zweitgrößte im Bundesland Rheinland-Pfalz.
Den Studierenden bietet die Hochschule ein breites Fächerspektrum der Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften an; man kann zudem Sport, Musik und Bildende Kunst, Mediendramaturgie, Medienmanagement, Film- und Theaterwissenschaft studieren. Als Aufbaustudium wird Journalistik, als Ergänzungsstudium wird Polnisch gelehrt. Germersheim bildet in erster Linie Dolmetscher und Übersetzer aus und ist die weltweit größte Einrichtung dieser Art. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat sieben Graduiertenkollegs (Medizin, Naturwissenschaften, Geisteswissenschaften) bewilligt, die der interdisziplinären "Förderung des graduierten wissenschaftlichen Nachwuchses durch die Beteiligung an der Forschung" dienen, wie es in der einschlägigen Definition heißt. In der Forschung schreiben wir Interdisziplinarität groß, so haben wir vier Forschungszentren (Geistes- und Sozialwissenschaften, Materialwissenschaften, Umweltforschung, Naturwissenschaften/Medizin), zehn Sonderforschungsbereiche (Geisteswissenschaften, Naturwissenschaften und Medizin) sowie eine ganze Reihe von Arbeitskreisen, in denen sich Wissenschaftler mit Themen wie Nordamerikastudien, Lateinamerika, Drama und Theater, Dritte Welt, Musik- und Kunstinformatik u.a. befassen. Eine Besonderheit ist das Studium generale, eine Einrichtung mit der Aufgabe, interdisziplinäre Fragestellungen zu diskutieren und Einsichten in Zusammenhänge zwischen wissenschaftlichem Erkennen und lebensweltlicher Praxis zu vermitteln.


Die Mainzer Universität pflegt sehr engagiert Beziehungen zu Universitäten in der ganzen Welt. Die ältesten und intensivsten Kontakte bestehen zu Universitäten in Frankreich. Darüber hinaus bestehen sehr lebhafte Partnerschaften zu Universitäten in Spanien, Italien, Großbritannien, Kroatien, Polen, Lettland, Russland, Israel, Japan, Süd-Korea, Ruanda und Kolumbien. Neuerdings gibt es auch eine aufstrebende Partnerschaft mit einer venezolanischen Universität, eine Kooperation, die hier von Germersheim aus aufgebaut wurde und geleitet wird. Neben einer ganzen Reihe von einzelnen Kooperationsvereinbarungen, vor allem auch mit amerikanischen Hochschulen (z.B. der Aufbaustudiengang MBA mit der University of Texas in Austin, ein Austauschprogramm mit dem Middlebury-College u.a.m.), bestehen zahlreiche persönliche Beziehungen von Mainzer Hochschullehrern zu ihren Kollegen im Ausland.
Die über 4.000 ausländischen Studierenden (etwa 15% der Gesamtzahl) kommen aus mehr als 100 Ländern, wobei die stärksten Gruppen die Iraner, Türken, Griechen, Franzosen, Italiener und Spanier, US-Amerikaner sowie Chinesen und Koreaner sind. In den Sommerferien (August) gibt es, vornehmlich für Germanisten aus dem Ausland, auf dem Mainzer Campus einen internationalen Sommerkurs. Eine sehr erfolgreiche internationale Sommerschule mit Übersetzungs- und Dolmetscherkursen gibt es hier in Germersheim.
Germersheim ist eines der deutschen Zentren der Lusitanistik; 150 Studierende widmen sich dem Portugiesischen als Haupt- oder Nebenfach, den Studenten stehen Austauschplätze an 3 portugiesischen Universitäten offen, gute Beziehungen gibt es auch nach Brasilien. Übrigens sind auch zahlreiche brasilianische und portugiesische Studenten hier, um Germanistik zu studieren. Frucht der Germersheimer Lusitanistik, die auch über eine reiche lusitanistische Mediensammlung verfügt, ist neben den zahlreichen Absolventen auch eine reiche Produktion an Büchern und Artikeln. Dazu gehören nicht zuletzt einige preisgekrönte Dissertationen zu Themen des Portugiesischen und Spanischen. Das alles wird davon unterstrichen, dass das Lehrangebot der Germersheimer Lusitanistik in einer Untersuchung der Fachzeitschrift LUSORAMA als das viertbeste von über 40 deutschsprachigen Universitätsinstituten eingestuft wurde.
Sie sehen also, ein Lusitanistentag ergänzt hervorragend das internationale Profil dieser Universität, und Sie finden - gerade hier in Germersheim - einen in jeder Beziehung versierten Gastgeber in einer der schönsten Umgebungen Deutschlands. Der 4. Deutsche Lusitanistentag ist auch der erste Kongress einer deutschen wissenschaftlichen Vereinigung in Germersheim, und so hat das Organisationsteam der Kollegen Perl und Pörtl auch besondere Anerkennung und Dank verdient; aber bei der hiesigen, insgesamt überaus kongressversierten Truppe muss bestimmt niemand um sein Wohlergehen fürchten, handelt es sich hier doch um den dritten großen internationalen iberoromanischen Kongress unter ihrer Ägide. Ein solches Engagement verdient unsere Achtung und unseren Dank.
Ich möchte aber auch noch erwähnen, dass diese Tagung nicht möglich gewesen wäre ohne die Unterstützung mehrerer Sponsoren aus der Stadt Germersheim, deren Bürgermeister ich hier auch recht herzlich begrüßen möchte. Diese Unterstützung durch das städtische Umfeld ist für den Fachbereich und die gesamte Universität sehr wichtig, wie umgekehrt auch der Fachbereich für Germersheim ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist.
Ich wünsche allen Teilnehmern anregende Tage in Germersheim, um Germersheim und um Germersheim herum.




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