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Reden, Vorträge und Berichte


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Begrüßung des Dekans
zur Eröffnung des 57. Wintersemesters
am Fachbereich Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft (FASK)
der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in Germersheim
und zur Podiumsdiskussion

"Reform des rheinland-pfälzischen Hochschulrechts -
Auswirkungen auf Studium, Lehre und Forschung am FASK"

Peter Kupfer

Germersheim, 6 November 2002



Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Studierende,

zur feierlichen Eröffnung des 57. Wintersemesters heiße ich Sie ganz herzlich willkommen. Ich freue mich, zu diesem Anlass auch den Vizepräsidenten unserer Universität, Herrn Prof. Dr. Preuß, den Vertreter des Ministeriums für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur, Herrn Ministerialdirigenten Mentges, und Herrn Altbürgermeister Heiter ganz herzlich begrüßen zu dürfen. Herr Präsident Prof. Dr. Michaelis, der ursprünglich heute abend nach Germersheim kommen wollte, musste wegen Erkrankung in letzter Minute absagen. Herr Landrat Dr. Brechtel und Herr Bürgermeister Hänlein sind leider ebenfalls verhindert und lassen sich entschuldigen. So auch Frau Schleicher-Rothmund, Abgeordnete des rheinland-pfälzischen Landtages, die sehr bedauert, heute wegen einer Plenarsitzung nicht teilnehmen zu können.

Ich danke dem Prodekan, Herrn Prof. Kelletat, dass er bereit ist, das heutige Gespräch zu moderieren, und den weiteren Podiumsteilnehmern, Herrn Prof. Stoll, Herrn Dr. Hönig, Frau Heinrich und Herrn Hoffmann.

Nicht zuletzt begrüßen möchte ich Herrn Mashayekh und Herrn Schmitz, die uns heute Abend auf eine musikalische Reise zwischen Okzident und Orient begleiten. Bereits bei der letzten Semestereröffnung präsentierte uns Herr Mashayekh Proben seiner Virtuosität an Gitarre und Al-Oud, die aus Persien stammende Laute. Er hat 1986 aus politischen Gründen seine Heimat Iran verlassen, unter anderem an der Universität Heidelberg Musikwissenschaft studiert und lebt heute in Enkenbach-Alsenborn. Herr Schmitz aus Landau, heute wohnhaft in Haßloch, studierte Querflöte an der Musikhochschule Köln und als Stipendiat am Berklee College of Music in Boston auch Jazz-Improvisation und -Komposition, war 1. Preisträger der "Berklee Concerto Competition" 1993 und beherrscht, wie wir uns heute Abend überzeugen dürfen, die hohe Kunst der Zirkularatmung.

Meine Damen und Herren, genau ein Jahr ist es her, dass wir zur Eröffnung des vergangenen Wintersemesters erstmals eine Podiumsdiskussion veranstalteten. Damals war der Qualm über den Trümmern des World Trade Center noch nicht verflogen, und auch unser Fachbereich und die Stadt Germersheim blieben von den Terrorereignissen nicht unberührt. Eine anonyme Drohung per E-mail, Ansätze von Misstrauen und Unsicherheit waren der Anlass, mit Studierenden, Dozierenden und Vertretern der Öffentlichkeit über dieses uns damals wohl alle bewegende Thema zu diskutieren. Auch Herr Dr. Geißler hatte unser Anliegen unterstützt und war extra von einer Bundestagssitzung aus Berlin angereist. Es ging bei jener Diskussion nicht darum, unmittelbare Lösungen in einer bedrohlichen Weltlage zu finden. Unser gemeinsames Bedürfnis war lediglich, den historischen Auftrag und die aktuelle Verpflichtung unseres Fachbereiches uns selbst und der Öffentlichkeit bewusst zu machen, junge Menschen, die fast zur Hälfte aus anderen Ländern und Kulturen stammen, in Sachen interkultureller Kompetenz und damit zu mehr Toleranz auszubilden. Ich glaube, dass das damalige offene Gespräch tatsächlich nicht nur dazu beigetragen hat, unsere Position und Funktion als weltweit größte Institution für die Ausbildung von Sprach- und Kulturmittlern deutlich zu machen, sondern auch dafür sorgte, dass Ratlosigkeit und Beunruhigung unter einigen Studierenden und Dozierenden bald verflogen. Ich erinnere bei dieser Gelegenheit nochmals daran, dass rund ein Viertel der ausländischen Studierenden der Universität Mainz in Germersheim lebt Ä einer Stadt, in der ja schon fast jeder vierte Einwohner aus dem Ausland stammt Ä und dass wir in einer derartigen multikulturellen Gemeinde auf ein tägliches kooperatives und konstruktives Miteinander angewiesen sind Ä ein Miteinander, das außer gegenseitiger Rücksichtnahme vor allem auch die Bereitschaft des beständigen voneinander Lernens bedingt.

Nach der uns im letzten Jahr durch die internationalen Ereignisse herausgeforderten Form der öffentlichen Stellungnahme kam der Wunsch auf, auch in diesem Jahr die Semestereröffnung zu einem Gespräch über ein aktuelles, uns tangierendes Thema zu nutzen. Die Gelegenheit bot sich vor wenigen Wochen, als die Inhalte des Entwurfes zum lang erwarteten neuen rheinland-pfälzischen Hochschulgesetz bekannt wurden. Herr Minister Zöllner sprach bereits von den tiefgreifendsten Reformen seit der 68er-Bewegung (Übrigens wurde damals, d.h. 1972, also vor genau dreißig Jahren, aus dem "ADI" der "FAS"). Die Fachbereiche der Universität Mainz, also auch wir, wurden zur intensiven Diskussion des Gesetzentwurfes und zur Stellungnahme aufgefordert.

In der Tat bringt das umfangreiche neue Gesetzeswerk eine Reihe von grundlegenden Neuerungen, die den hiesigen Studienalltag und die Organisation an unserem Fachbereich in mancher Hinsicht nachhaltig verändern könnten. Da hiervon alle Studierenden und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen sein werden, muss es unser gemeinsames Anliegen sein, die uns interessierenden Innovationen im Gesetzentwurf hinsichtlich der Konsequenzen und Chancen einer näheren Betrachtung zu unterziehen und zu diskutieren. Da auf die uns interessierenden Fragen anschließend noch näher eingegangen wird, beschränke ich mich hier nur auf einige Stichpunkte:

  1. Neuregulierung des Verhältnisses zwischen Staat und Hochschule unter der Devise "Globalsteuerung statt Detailsteuerung",
  2. verstärkte Autonomie und Eigenverantwortung der Universität und der Fachbereiche mit erweiterten Entscheidungsbefugnissen und vermehrt nachgefragten Managementqualifikationen des Präsidenten bzw. der Dekane,
  3. neue Leitungsgremien der Universität, mit einem Hochschulrat, der sich möglicherweise bis zur Hälfte aus Persönlichkeiten der Wirtschaft zusammensetzt,
  4. damit zugleich auch eine größere Öffnung der Universität zur Gesellschaft,
  5. Stärkung der Forschung, der Qualitätssicherung und der Weiterbildung,
  6. Verpflichtung der Lehrenden zu intensiverer Studienbetreuung und -begleitung,
  7. garantierte Studiengebührenfreiheit für das Erststudium bei gleichzeitiger Einführung so genannter individueller Studienkonten für die Studierenden,
  8. Möglichkeiten von Eignungsprüfungen,
  9. Einführung der neuen Studiengänge des Bachelor und des Master,
  10. Einführung von Juniorprofessuren, die längerfristig die Habilitation ersetzen werden,
  11. Bewertung der Qualität der Lehre.

Zumindest in Bezug auf die letzten drei Punkte hat sich der FASK ja bereits als reformfreudig gezeigt:

Die Ordnungen für einen Bachelor-Studiengang für Übersetzen und für ein Master-Programm für Konferenzdolmetschen liegen vor. Letzteres beginnt bereits mit diesem Wintersemester, und wir hoffen ab dem nächsten Wintersemester auch den Bachelor anbieten zu können. Ich erwähne dies allerdings nicht nur im Hinblick auf die großen Chancen für eine verstärkte Internationalisierung unseres Fachbereiches, sondern auch mit einiger Besorgnis angesichts immer knapper werdender Personalressourcen und des permanenten Belastungsdruckes auf das Prüfungs- und das Auslandsamt hier in Germersheim.

In diesem Wintersemester und im kommenden Sommersemester wird der FASK seine ersten Juniorprofessuren in Chinesisch, Russisch und Translationswissenschaft einrichten Ä womit unsere Bereitschaft signalisiert ist, auch auf diesem nicht unumstrittenden Terrain unsere ersten Gehversuche zu wagen.

Und was die Bewertung und Qualitätssicherung der Lehre angeht, so wird der FASK im kommenden Jahr eine Evaluation aller Fächer in Angriff nehmen.

Meine Damen und Herren, erlauben Sie mir abschließend, die Gelegenheit zu nutzen, dass sowohl das Wissenschaftsministerium als auch die Universitätsleitung uns heute Gehör schenken, um aus meiner eigenen Erfahrung in diesem Amt noch auf folgende Punkte hinzuweisen, die für unseren Fachbereich essentiell sind:

  1. Das neue Hochschulgesetz und die Neustrukturierung der Fachbereiche an der Universität Mainz müssen uns die Chance einräumen, das Dekanat und die Zentraleinrichtungen des FASK nicht nur mit mehr Befugnissen und zusätzlichen Bürden, sondern auch personell besser auszustatten.
  2. Insgesamt darf mehr Autonomie nicht noch mehr Belastung für viele Kolleginnen und Kollegen bei gleichzeitigem Stellenabbau bedeuten. Erweiterte Entscheidungsbefugnisse dürfen nicht durch bürokratische Sparmaßnahmen aufgefressen werden, die an die Substanz einzelner Fächer gehen und deren Existenz gefährden.
  3. Seit einigen Jahren bemühen wir uns Ä und zwar mit überaus gutem Erfolg bei unseren Ehemaligen und der Öffentlichkeit Ä um den Ausbau der Weiterbildung. Wir hoffen auf wesentliche Erleichterungen durch das neue Hochschulgesetz und auf die verstärkte Unterstützung durch Universität und Ministerium bei der Institutionalisierung dieses zukunftsweisenden Projekts.
  4. Einer verbesserten Studierendenbetreuung und der Qualitätssicherung der Lehre fühlt sich der FASK traditionsgemäß verpflichtet. Die für 2003 vorgesehene Evaluation unterstreicht dies.
  5. Und nicht zuletzt: Die Öffnung zur Gesellschaft ist für uns hier in Germersheim ein zentrales Thema. Die Tatsache, dass Landrat, Bürgermeister und die Bevölkerung an dieser und anderen Veranstaltungen gewöhnlich teilnehmen, bezeugen dies. Vor kurzem haben wir Ä sozusagen als symbolische Bekräftigung dieses Bestrebens Ä das mittlere Hauptportal zur Stadt hin geöffnet.

Meine Damen und Herren, ohne Lebensfreude und Lust keine Inspiration und Kreativität, die wir doch bei den laufenden und anstehenden Reformen dringend brauchen. Ich möchte Sie deshalb im Anschluss an die Veranstaltung noch herzlich einladen, zum zwanglosen und fröhlichen Ausklang bei einem Glas neuen Wein zu verweilen. Mein Dank gilt dem Landrat und dem Bürgermeister für die großzügige Spende, die uns diesen Genuss ermöglicht!

Ich wünsche Ihnen und uns allen ein inspiratives, kreatives und erfolgreiches akademisches Jahr!

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