UNI-MAINZ

FASK

INTRANET


.

fax
Informationen aus dem Fachbereich 23
Ausgabe 1 - April 1996

Inhalt

  1. Beiträge
    1.  
    2. FIXE FAXE FACKELN
    3. Übersetzerausbildung und Übersetzungswissenschaft in der Türkei
    4. Ein Paradies zum Studieren (Interview)
  2. Redaktionelles
    1.  
    2. Neu auf dem Buchmarkt
      1.  
      2. CIUTI-Handbuch
      3. Jerzy Zmudzki
      4. Studienordnung
    3. Personalien
    4. fax-Literatur und Presseschau
  3. Aktuelle (und vergängliche) Informationen

  4. vgl. auch Semester- und sonstige Fachbereichstermine (externer Verweis)
       
    1. Konferenzkalender
    2. Informationen der Verwaltung
    3. Suche/Biete

siehe auch:


Beiträge

FIXE FAXE FACKELN

Ein Trailer zum ersten Fax-Zirkular

Beim Pedell liegt ein Fax für Sie - so verwenden wir Fax wohl am häufigsten. Das Duden-Universalwörterbuch von 1989 hat Fax noch nicht lemmatisiert, so neu ist das Wort, kennt aber schon das Verb faxen, von wo aus auf telefaxen und Telefax verwiesen wird. Das wiederum aus Tele- und Faksimile entstanden ist, wobei das ks in Analogie zum schnittigen Telex in ein x mutierte. An solch schnelle (gehts nicht ein bißchenfixer?) Übermittlung von Nachrichten und weniger Wichtigem mag denken, wer das Wort Fax hört. Oder war an andres gedacht? An lateinisch fax, facis (feminin) für die aus Kienholz gefertigte Fackel zum Leuchten oder zum Anzünden, an die facesdicendi womöglich, die flammende Beredsamkeit oder an die brennenden Schmerzen, die faces dolorum? Mach bloß keine Faxen, der Plural führt zu Albernheiten, zu Unfug und dummem Zeug. Und da schließt sich noch ein vierter Bedeutungsstrang an, der dann aber ganz und gar in die Irre führt.

 An was genau gedacht war, daran haben wir uns gar nicht mehr erinnert, als der Name einmal gefunden war, und die Bedenken überwunden, daß das doch ein bißchen sehr in die Nähe der studentischen FASK-news rutscht, unser Fax. Sollen sie von Plagiat reden, denn wir reden ja über ein und dieselbe Institution, den Fachbereich Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft, in Germersheim, am Rhein. Oder lieber nicht über ihn, sondern aus ihm, in ihm, diesem Fachbereich. Aber was gibts da zu reden? Haben wir uns etwas mitzuteilen, das das Abholzen eines weiteren Birkenwäldchens in die ratternden Druckerpressen hinein, in die fixen Kopiermaschinen, rechtfertigen kann?

 Wo kann man die neuen Parkausweise abholen? Wann gibts endlich Pfingstferien? Und das Sommerfest ist wieder am vorletzten Freitag im Juli? Was ist eigentlich mit den neuen Computern in der Bibliothek - ob man irgendwann erklärt bekommt, wie die Dinger funktionieren? Ach, im Fachbereichsrat wird über Module geredet, was ist das nun schon wieder? Und wer kümmert sich um den verwildernden Park? In den Urwald setzen sie jetzt auch noch eine Kindertagesstätte, neulich war erster Spatenstich mit ganz großem Brimborium, mit Vizepräsidentin und so, doch, hab ich in der Zeitung gelesen! Wie bitte, die Studentenzahlen in Germersheim stagnieren seit 10 Jahren und Bewerber gibts auch immer weniger? Kann doch nicht wahr sein, also in meinen Übungen hab ich davon nichts gemerkt, die werden immer voller. Die Y. soll auf einem Kongreß in Tananarivo gewesen sein, typischer Wissenschafts-Tourismus, und alles von meinen Steuern. Ach so, hat selbst bezahlt, aber erzählen hätt sie trotzdem was können, wies da war. Und das 50-Jahr-Fest, haben Sie eigentlich schon irgendwas gehört, was die da vorhaben? Wieso die? - ich dacht, wir würden da was machen. Na ja, für alles kann man sich ja nicht interessieren. Und mit meinem Unterricht hab ich ohnehin genug am Hals, und das noch 12 Jahre lang, hätt ich mir 1965 auch nicht träumen lassen. Wer ist jetzt eigentlich Frauenbeauftragte? Und der Personalrat kümmert sich um was? Naja, die wolln halt nirgends anecken. Der Z. hat was über Introspektion veröffentlicht, wissen Sie zufällig, wo das erschienen ist? Nein? Schade. Was gibts denn heut in der Mensa? Und in den Ferien ist die auch auf? Weiß ich nicht.

 Über all das will FAX berichten? FAX will gar nichts berichten. Das Zirkular ist ein Angebot zum Gespräch, zum Informations- und Meinungsaustausch. Thema ist das, was die Mitarbeiter (aus Lehre, Forschung, Technik, Verwaltung) unseres Fachbereichs zum Thema machen. Konferenzberichte, Unterrichtserfahrungen, internationale Kontakte, Neuigkeiten aus Bibliothek und Dolmetschanlage, aus Studierendensekretariat, Prüfungs- und Akademischem Auslandsamt, aus einzelnen Instituten, Mitteilungen der Verwaltung, Vorstellung neuer Mitarbeiter, Termine, Vorschläge zur Studienreform, zur Verbesserung der Forschung, Informationen über CIUTI, Sokrates- und Tempus-Programm, über unsre Partnerinstitute in Frankreich, Rußland, Amerika oder Lettland - all das hat Platz in diesem Zirkular. Welche Schwerpunkte, welche Rubriken sich dann herauskristallisieren, muß man abwarten. Und wenn nix kommt, kommt Fax zu einem fixen Ende, dann wars halt nix. Oder, wie ein Dichter schrieb: Denn x hat vier Ecken, / vier Ecken sind x, / und hätt's keine Ecken, / wär's nix.


ñ

Übersetzerausbildung und Übersetzungswissenschaft

in der Türkei
 
 

Beobachtungen anläßlich einer Kurzzeitdozentur im Oktober 1995


 
 
Paul Kußmaul

Sie haben die Leute schockiert!" Dies war der erste spontane Kommentar der DAAD-Lektorin zu meinem Vortrag für Kolleginnen und Kollegen der Germanistischen Abteilung der Universität Ankara. Was hatte ich gesagt? Ich hatte bei der Übersetzung der ersten beiden Zeilen eines englischen Limericks von Edward Lear "There was an old man of Nepal / from his horse had a terrible fall" die Substitution von "Pferd" durch "Esel" gutgeheißen, weil sich damit der sich reimende Städtename "Wesel" finden ließ, so daß daraus wurde: "Es lebte ein Mann einst in Wesel / der fiel mal kopfüber vom Esel." Die Kollegen meinten, man könne "horse" keinesfalls mit "Esel" übersetzen, das ginge nun doch viel zu weit, wo bliebe hier eigentlich die Treue zum Original.

 Meine Antwort auf den Kommentar der DAAD-Lektorin war: "Genau das wollte ich!" Nach der Devise "Ein milder Schock fördert das Nachdenken" war ich mit der Wirkung meines Vortrags zufrieden. Die Lektorin übrigens auch. Die Reaktion scheint mir typisch für eine traditionelle Ansicht vom Übersetzen zu sein, die auf möglichst genaue Äquivalenz Wert legt ohne die Funktion von Wörtern in größeren Zusammenhängen zu bedenken. Diese Auffassung findet man natürlich nicht nur in der Türkei. In Ankara ist diese Auffassung vielleicht durch die dortige Tradition des literarischen Übersetzens (mit Ehrfurcht vor dem heiligen Original?) erklärbar. Ich möchte damit natürlich nicht behaupten, daß dort ausschließlich eine Wort-für-Wort Übersetzung praktiziert wird. Wenn dies so wäre, hätte Frau Professor Dr. Aytac, die Leiterin des Germanistischen Instituts, mit ihren Übersetzungen von Thomas Mann, Heinrich Böll und Barbara Frischmuth ins Türkische sicher keine so große Anerkennung gefunden.

 Es ist wohl generell so, daß die Übersetzungswissenschaft, die sich ja u.a. um ein Bewußtmachen der Lösungssuche und der Entscheidungen bemüht, bislang in der Türkei noch kaum rezipiert ist. Sie stößt aber auf ein sehr großes Interesse. Dies konnte ich anläßlich meiner Vorträge und Seminare an den Universitäten in Ankara, Adana, Mersin und Istanbul beobachten. In Ankara ist ein Magisterstudiengang "Übersetzen" geplant, der auch nicht-literarische Texte zum Inhalt haben wird, und in diesen Studiengang wäre die Übersetzungswissenschaft zu integrieren. Der Erfolg eines solchen Vorhabens hängt natürlich von einzelnen Personen ab. Es gibt in Ankara eine Reihe von Kolleginnen und Kollegen, die sich dafür stark engagieren, z.B. Frau Dr. Kiziltan und Frau Dr. Özdimir, die beide im Jahr 1995 ein DAAD-Forschungsstipendium in Heidelberg hatten und auch Germersheim besuchten, außerdem Herr Murat Ünlü, der nach Abschluß seines M.A. in Übersetzungswissenschaft promovieren möchte.

 Bei der Etablierung von Studiengängen "Übersetzen" wird man in der Türkei zunächst einmal so verfahren, daß man sie in den jeweiligen Fremdsprachenabteilungen der Universitäten ansiedelt, z.B. innerhalb der Germanistik. Letzteres ist bedingt durch die Aktivitäten der deutschen DAAD-Lektoren und Lektorinnen. Übersetzerausbildung ist also mit keiner eigenständigen Institution verbunden. Diese Beobachtung konnte ich auch schon in anderen Ländern, z.B. in Indien, Indonesien, Thailand und Argentinien machen. Ein typisches Modell sieht dann so aus, daß in den ersten 2 Jahren Philologie studiert wird und daß sich dann das Studium gabelt: entweder weiterhin Philologie oder Übersetzen/Dolmetschen. Es liegt auf der Hand, daß Übersetzen in einem solchen Studienmodell stark von der Fremdsprachendidaktik geprägt ist, die Ausbildung zum professionellen Übersetzer braucht jedoch ein anderes Fundament. Auch aus diesem Grunde wirken die Ideen von Germersheimer "Funktionalisten" zunächst oft schockierend. Doch wenn der erste Schock einmal überwunden ist, scheinen sie ganz gut Fuß zu fassen. Dies ist übrigens auch das Verdienst meines Kollegen Dr. Hans Hönig, der im Oktober 1995 schon zum zweiten Mal eine Kurzzeitdozentur in Istanbul wahrnahm.

Eine Ausnahme zu diesen Modellen bietet das Department of Translation and Interpretation der Bogazici Universität in Istanbul, wo es schon seit längerem einen eigenständigen Studiengang Übersetzen/Dolmetschen für das Sprachenpaar Englisch-Türkisch gibt. Dort besteht auch ein starkes Interesse an Übersetzungswissenschaft, was sich u.a. darin zeigte, daß Frau Dr. Isim Bengi im Sommersemester 1995 einen 3-wöchigen Forschungsaufenthalt in Germersheim verbrachte. Außerdem promovieren bei uns zwei ehemalige Studentinnen der Bogazici Universität, Dilek Dizdar und ebnem Bahadir.

Besuche von Kolleginnen und Kollegen in Deutschland sind ein erfreuliches Ergebnis unserer Arbeit in der Türkei. Im Januar 1996 weilte z.B. Frau Mine Dal von der Marmara Universität in Istanbul in Germersheim, und ich hoffe, daß in absehbarer Zeit auch Kollegen und Kolleginnen von Ankara, Mersin und Adana ein DAAD-Stipendium erhalten, um nach Deutschland und natürlich vor allem nach Germersheim zu kommen. Dies ist immer ein finanzielles Problem. Ohne Unterstützung von deutscher Seite ist ein solcher wissenschaftlicher Austausch nicht möglich. Ein türkischer Kollege hat ein Monatsgehalt von etwa DM 600.-

Die knappen Mittel wirken sich nicht nur auf die Gehälter aus, sondern auch auf die Anschaffung von Büchern. Es gibt zwar Möglichkeiten über DAAD-Lektoren an Gelder aus Deutschland zu kommen, aber warum sollte man sich nicht auch einmal überlegen, ob man hier nicht persönlich etwas tun kann? Warum sollte eine Bücherspende aus der Privatbibliothek eines deutschen Wissenschaftlers statt in die ohnehin unter Raumproblemen leidende eigene Institutsbibliothek nicht auch einmal in die Türkei gehen können?

 Vielleicht ließe sich eine Bücherspende auch über den Freundeskreis des FASK finanzieren. Wenn türkische Kollegen und Kolleginnen in Germersheim sind, ergäbe sich dafür eine ideale Gelegenheit. Auch damit würde man einen bedeutenden Beitrag zum wissenschaftlichen Austausch leisten.
 
 

Interview

ñ

"Ein Paradies zum Studieren"



Gaststudent Raymond Sutka aus Rumänien über unseren Fachbereich.

Was er sonst noch zu sagen hat, lesen Sie im folgenden.
 

Claire McTague


 


Name: Raymond Sutka

 Geburtsdatum und -ort: 02.09.1975 Temesvar,

Rumänien

 Heimatuniversität: TU Temesvar

 Hobbies: Karate (Schwarzgurt!), Sozialwissenschaften

 Besondere Merkmale: Trinkt keinen Alkohol und

keinen Kaffee

 Sternzeichen: Jungfrau

 Motto: Carpe diem
 
 

Fax: Raymond, erzähl mal ein bißchen, wie du nach Deutschland gekommen bist.

Raymond: Eine lange Geschichte. Zuerst einmal habe ich insofern eine Verbindung zu Deutschland, als ich einen deutschen Kindergarten und eine deutsche Schule besucht habe. In Temesvar leben sehr viele Deutsche und Ungarn - meine Familie ist ungarisch -, früher gehörte das Gebiet zur österreichisch-ungarischen Monarchie. Meistens können die alten Leute dort besser Deutsch und Ungarisch als Rumänisch, aber Rumänisch können alle. Rumänisch ist ja auch die einzige Amtssprache in Rumänien. Wie auch immer. Meine Eltern wollten, daß ich gut Deutsch lerne, weil es eine Weltsprache ist, und weil sie die Sprache auch können. Nach dem Abitur im zwölften Schuljahr - auf rumänisch heißt es übrigens 'bacalaureat', ähnlich wie auf französisch - wollte ich Sprachen studieren. Bei uns reicht das Abitur nicht, um zu studieren - nachdem man sich eingeschrieben hat an der Uni seiner Wahl, muß man eine Extraprüfung ablegen, um endgültig in das gewählte Fach aufgenommen zu werden. In meinem Fall wurde ich in den Fächern Deutsch, Englisch und Rumänisch noch mal geprüft. Es ist jeweils der Stoff von vier Jahren. Ich bin jetzt im fünften Semester. Von Temesvar aus habe ich mich um ein Stipendium beim DAAD beworben und persönlich Kontakt aufgenommen zu den Hochschulen in Flensburg, Köln und Germersheim. Als ich von allen drei Instituten eine Zusage bekam, haben mir meine Dozenten und andere geraten, nach Germersheim zu gehen - es sei das Beste, was es gibt.

Fax: Germersheim ist ja ein kleines Provinznest - kann man dieses Dorf Menschen wie dir zumuten, die aus dem Ausland kommen und sicherlich was erleben wollen?
 
 

Raymond: Klar, Germersheim ist der ideale Ort zum Studieren - ein Paradies sozusagen. Man wird nicht abgelenkt, und die Uni ist sehr gut. Diese Vielfalt der Sprachen und des Studiums - ich denke dabei auch an die Extras, wie z.B. Stimmbildung. Da schneidet Germersheim einfach besser ab. Was ich besonders gut finde, ist, daß man meistens von einem Muttersprachler oder einer Muttersprachlerin unterrichtet wird. Da kriegt man einfach ein besseres Gefühl für die Sprache. In Rumänien ist das nicht so. Dort herrscht ein Mangel an muttersprachlichen Lehrkräften, sogar an den deutschen Schulen. Die Lehrer sind nämlich seit der Wende alle ausgewandert.

Fax: Hattest du Integrationsprobleme, als du frisch in Germersheim angekommen bist?
 
 

Der Dichter Oskar Pastior (s.u.), Araceli Marin und Raymond Sutka ( v.l.n.r) Foto: C.McTague

Raymond: Einiges war ungewohnt. In Rumänien ist das Studium in Jahre eingeteilt, nicht in Semester. Der Lehrplan für jedes Studienjahr steht fest. Man kann nicht entscheiden, ob man nun in diesem Semester oder im nächsten eine be-stimmte Klausur schreibt oder ein bestimmtes Seminar besucht. Als ich nach Germersheim kam, dachte ich, ich würde immer mit derselben Gruppe den Unterricht besuchen, und daß alles nach Plan laufen würde. Es ist schon schwer am Anfang, fördert aber letztendlich die Eigeninitiative. Man muß selbst handeln, selbst aktiv Hilfe suchen, selbst seinen Studenplan ausarbeiten.

Fax: Könnte man da an eine intensivere Betreuung denken?
 
 

Raymond: Für den Anfang, bis man alles rafft, wäre es schon gut, eine Orientierungshilfe zu haben, zum Beispiel ein aussagekräftiges Vorlesungsverzeichnis.
 
 

Fax: Angesichts dieser Anfangsschwierigkeiten, gibt es so etwas wie Solidarität unter den ausländischen Studierenden, um diese Hürden zu überwinden?
 
 

Raymond: Ja, diese Solidarität gibt es schon - aber meistens werden die Freundeskreise unter Landsleuten gebildet. So entstehen Cliquen, da ist es schwer, als Außenseiter Zugang zu finden. Ich hatte nun das Pech, hier keine Landsleute anzutreffen. Ich habe dann versucht, mich in verschiedene Kreise zu integrieren.

Fax: Also war es zum Schluß doch eine Bereicherung, denn du warst quasi gezwungen, den Kontakt zu Menschen verschiedener Nationalitäten zu suchen und hast ihn aus eigenen Kräften auch gefunden. Und wie war's mit den Deutschen?
 
 

Raymond: Bei den Deutschen habe ich die Erfahrung gemacht, daß man mich für aufdringlich hält, wegen des lateinischen Temperaments. Es passiert häufig, daß ich Leute kennenlerne, mit denen ich meine, mich gut zu verstehen - und am nächsten Tag gucken sie an mir vorbei und sind total kalt und abweisend. Andererseits, wenn man sich näherkommt, kann man gute Freunde gewinnen.

Fax: Hast du den Eindruck gehabt, daß man auf dich als 'Ostblock-Loser' von oben herab schaute? Hattest du irgendwelche Minderwertigkeitskomplexe deswegen, als du angekommen bist?
 
 

Raymond: Bedenken hatte ich schon eher wegen Ausländerfeindlichkeit im allgemeinen, nicht speziell deswegen, daß ich aus Osteuropa komme. Als ich hier ankam, stellte ich fest, daß man mit Rumänien so ziemlich nichts verbindet, außer Drakula und Ceauescu. In den Großstädten gibt es Vorurteile, da wird man in einen Topf geworfen mit Tresorknackern und so. Schlimmer ist das in Frankreich, wie ich gemerkt habe, als ich vor kurzem in Paris war. Jedesmal, wenn ich mich als Rumänen geoutet habe, haben anfangs freundliche Menschen sofort eine abwertende Haltung an den Tag gelegt. Mittlerweile sage ich, 'I'm Hungarian but I'm studying in Germany now' - was ja stimmt, auch wenn es ein wenig gemogelt ist. Das kommt bei den Leuten gut an.
 
 

Fax: Du sagst, die Leute wissen wenig über Rumänien - warum wohl?
 
 

Raymond: Ich glaube, es hängt damit zusammen, daß Rumänien kein wirtschaftlicher oder politischer Machtfaktor ist. Das spiegelt sich auch im Kulturellen wieder. Warum kennt jeder Shakespeare, und niemand kennt Eminescu? Weil die englische Sprache weiter verbreitet ist. In so einer Situation kann man es sich leisten, überheblich und nur mit sich beschäftigt zu sein. Als ich zum Beispiel in den USA war, hat mich mal einer gefragt, wo ich herkomme. 'Romania', sagte ich. 'Where's Romania?' fragte er. 'In Europe', sagte ich. 'Where's Europe?' fragte er dann. In Rumänien bekommt man von der Schule her eine breite Allgemeinbildung. Jedes rumänische Schulkind - etwas überspitzt gesagt - kennt Stonehenge und Big Ben. Ich bezweifle, ob ein britisches Kind Rumänien oder Ungarn auf der Landkarte finden könnte. Bei einem solchen Informationsmangel ist es wirklich nicht verwunderlich, daß zum Beispiel rumänische Autoren - und es gibt große Schriftsteller, wie in jeder Sprache und jeder Kultur - außerhalb des Landes unbekannt sind. Der Kontext, das kulturelle Hintergrundwissen - das fehlt eben. Auch wenn so ein rumänisches Werk übersetzt wird, wird es ohne den Kontext nicht verstanden.
 
 

Fax: Germersheim mit seinem multikulturellen Germanistischen Institut ist wohl ein geeigneter Nährboden, um so ein interkulturelles Verständnis zu pflegen. Die Tatsache, daß du hier an der Uni studierst - wenn auch nur für eine kurze Zeit -, trägt mit Sicherheit auch ein Stück weit dazu bei, daß dein kultureller Hintergrund einem größeren Kreis mehr ins Bewußtsein gerückt wird. Soweit zum Studium. Was ist mit deinem Sport?
 
 

Raymond: Ich liebe Sport, besonders Karate. Für mich ist Karate mehr als ein Sport. Karate ist eine Lebensschule. Durch Karate lernt man, die eigenen Schwächen zu bekämpfen und den rationalsten Weg zum Ziel zu finden. Diese Lehre läßt sich aufs Leben übertragen. Man lernt es, sich selbst zu überwinden und so das Leben zu meistern - auch das Studium.
 
 

Fax: Raymond, danke für dieses Gespräch.
 
 

ñ

Redaktionelles

Ein anderer Gast aus Rumänien:
Der Dichter Oskar Pastior (Foto) war am 31. Januar bei uns.

Seine Botschaft: Übersetzen gibt es nicht.Und wir sagen: Egal. Hauptsache, der Zeilenpreis stimmt - und wenn's fürs Nichtstun ist! Doch Spaß beiseite: Die Gedichte waren so schön verspielt und provozierend wie der Beitrag zur Translationswissenschaft.

Eine Videoaufzeichnung des Vortrags und der Lesung sowie der anschließenden Diskussion kann im Videoraum ausgeliehen werden.

mc
 
 

ñ

Neu auf dem Buchmarkt
 
 

"Gleichwertigkeit in Vielfalt"

ñ

C.I.U.T.I.-Handbuch "Translation and Interpreting Studies" 1995 ,

herausgegeben von Martin Forstner

Ein Novum ist anzuzeigen: das erste Handbuch "Die Studiengänge Übersetzen und Dolmetschen an den C.I.U.T.I.-Instituten". Es ist unter der engagierten Leitung des Vizepräsidenten der C.I.U.T.I., der Conférence Internationale des Instituts Universitaires de Traducteurs et Interprétes, Prof. Martin Forstner, mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Kommission entstanden.

Die C.I.U.T.I. betrachtet es als ihr erklärtes Ziel, die akademischen Abschlüsse der einzelnen Institute vergleichbar und gleichwertig zu machen, eine wesentliche Voraussetzung für die gegenseitige Anerkennung von Studienabschlüssen über die Landesgrenzen hinaus. Das vorliegende Handbuch ist ein weiterer Schritt auf dem Wege zur angestrebten "Gleichwertigkeit in Vielfalt".

 Die Publikation bietet in übersichtlicher Form nach einem einheitlichen Raster die wichtigsten Informationen zu den einzelnen Instituten und ihren Studiengängen, so etwa zu Studieninhalten, Aufnahmebedingungen, Prüfungsmodalitäten u. a. Sie bietet sich damit vor allem als Hilfsmittel für Studierende an, die einen Studienaufenthalt an einem der C.I.U.T.I.- Institute planen; aber auch für Mitarbeiter dürfte ein Blick auf die Lehrangebote der "Konkurrenz" nicht uninteressant sein.

Das Handbuch liegt in der Fachbereichsbibliothek zur Einsicht aus.

ew
 
 

C.I.U.T.I. Translation and Interpreting Studies. 1995. Herausgegeben von Martin Forstner. 322 S.


ñ

Jerzy Zmudzki

Konsekutivdolmetschen. Handlungen - Operationen - Strategien


 
 

In diesen Tagen ist ein neues Buch zur Theorie des Dolmetschens erschienen. Der polnische Autor Jerzy Ømudzki unternimmt hier den Versuch, das Konsekutivdolmetschen, die nach Meinung des Autors am wenigsten erforschte und beschriebene Translationsart, auf der Grundlage der "Tätigkeits- und Sprach-handlungstheorie einer komplexen Interpretation zu unterziehen". Er stützt sich dabei auf ein polnisch-deutsches Analysekorpus von Dolmetschtexten (ca. 100 Std.), die auf betriebswirtschaftlichen Seminaren für polnische Führungskräfte aufgezeichnet wurden. Einige ausgewählte Protokolle werden in einem Anhang beigefügt.

 Aus dem Inhaltsverzeichnis: Das Konsekutiv-dolmetschen in der Translationstheorie und im trans-latorischen Handlungsvollzug, Spezifikation des Handlungsgefüges, Zum Aufbau der Dolmetschstrategien, Vollzugsarten. Das Buch ist in deutscher Sprache erschienen, so daß es trotz des polnischen Beispielmaterials einem größeren Adressatenkreis zugänglich ist. Es steht Interessenten in der Seminarbibliothek der Abteilung Polnisch zur Verfügung.

ew
 
 

Jerzy Zmudzki: Konsekutivdolmetschen: Handlungen - Operationen - Strategien. Lublin: Wydawnictwo Uniwersytetu Marii Curie-Sklodowskiej, 1995, 268 S.

ñ

Wie ist die neue Studienordnung? - Rot und weiblich!


 
 

Das Promotionsvorhaben soll nicht schon daran scheitern, daß der/die hoffnungsvolle Postgraduierte die Promotionsordnung nicht versteht. Der Prüfungsausschuß hat dies eingesehen - seit Januar gibt's eine Neuauflage der `Studienordnung, Prüfungsordnungen und Promotion (Fächerkatalog)', in die alle Änderungen seit 1986 schön übersichtlich eingearbeitet sind. Besondere Merkmale: rot, weibliche Form!
 
 

Prüfungsausschuß am Fachbereich Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in Germersheim (Hrsg.): Studienordnung, Prüfungsordnungen und Promotion (Fächerkatalog) Januar 1996, 68 S. mc
 
 

ñ

Aus der Presse


 
 

Quelle: Neue Zürcher Zeitung vom 26.10.1995, Nr. 249, S.7
 


 
 

Quelle: Neue Zürcher Zeitung vom 4./5. 4.1996, Nr. 80, S. 5
 
 

ñ

ñ

Konferenzkalender

11. - 13. September 1996

VI. Internationale Konferenz 
der Reihe "Grundfragen der Übersetzungswissenschaft"


Das Institut für Sprach- und Übersetzungswissenschaft der Universität Leipzig veranstaltet aus Anlaß des 40jährigen Bestehens der Ausbildung von Dolmetschern und Übersetzern an der Universität Leipzig eine Konferenz mit dem Rahmenthema

Die Ausbildung von Übersetzern und Dolmetschern und der Platz der Übersetzungswissenschaft.


 
 

Dabei sollen die Erfahrungen der akademischen Dolmetscher- und Übersetzerausbildung in Deutschland und im Ausland sowie Erwartungen und Anforderungen an Übersetzer/Dolmetscher in der Praxis im Mittelpunkt stehen.

 Ein weiterer Punkt der Diskussion soll der Einfluß von neueren Wissenschaftsgebieten wie Psycholinguistik, Fachsprachenforschung, Textwissenschaft und automatische Sprachverarbeitung auf die Übersetzer- und Dolmetscherausbildung sein.

Konferenzsprachen sind Deutsch, Englisch, Französisch und Russisch.
 
 

Weitere Informationen bei:

 Universität Leipzig

Institut für Sprach- und Übersetzungswissenschaft

 Augustusplatz 9

04109 Leipzig

 Tel.: 0341/9737600, Fax: 0341/9737649, E-mail: schmidt@rzaix340. rz.uni-leipzig.de

 am
 
 

ñ

Informationen der Verwaltung

Alles auf zwei Blicke:

Die Neuverteilung von Raum- und Telefonnummern am Fachbereich

(Raumnummern Hörsaalbau: EG, 1. OG, 2) (Raumnummern Altbau:EG-OST, EG-WEST, OG-OST, OG-WEST

Wie die Verwaltung informiert, sollen jetzt nur noch die neuen Raumnummern gelten, die den Telefonnummern entsprechen. Anbei zwei Kopien der Raumverteilung des FASK, die zusätzlich die Namen der Kolleginnen und Kollegen enthalten, die im jeweiligen Raum ihren Platz haben. Das Telefonverzeichnis folgt in der nächsten Fax-Ausgabe.

ñ

ñ

Aktuelles (und Vergängliches)

Suche / Biete

ZIMMER GESUCHT

Vom 23.Juni bis 14.Juli 1996 ist unsere Kollegin Viktoria UMBORG aus Tallinn/Estland als TEMPUS-Stipendiatin zu Besuch in Germersheim. Sie braucht für die drei Wochen eine preiswerte Unterkunft.

 Wer kann helfen? Nachricht bitte an Rosita Frisch-Klee (Germanistisches Institut, Tel. 508-322).
Ukrainisch am FASK


 
 

Am Institut für Slavistik findet im Sommersemester 1996 erstmals ein Ukrainisch-Kurs für Anfänger statt.

Der Kurs umfaßt vier Wochenstunden und richtet sich an Hörer mit Russischkenntnissen.

 Interessenten wenden sich bitte an das Institut für Slavistik, Abt. Russisch.

ñ

UNI-MAINZ | FASK | INTRANET| FAX

17.06.96 - Erstellt und bearbeitet von F. Krüger, M. Kurowska, C. Rothschmitt und E. Thuro
( Letzte Bearbeitung 12. 02. 2000 DDP )