UNI-MAINZ

FASK

INTRANET


.




Zum Tode von Univ.-Prof. emeritus Dr. Hans-Rudolf Singer



Martin Forstner



Am 8. Februar 1999 verstarb unerwartet Professor Hans-Rudolf Singer, renommierter Arabist und Semitist, der 1967 an die Universität Mainz berufen worden war.

Hans-Rudolf Singer, geboren am 06. April 1925 in Altenstadt an der Waldnaab, hatte im Herbst 1948 seine Studien bei Hans Wehr, dem Lehrstuhlinhaber für Orientalische Philologie an der Universität Erlangen, aufgenommen und unter dessen Anleitung und Förderung islamische und semitistische Studien betrieben. Im Dezember 1956 wurde er mit einer Arbeit über ”Neuarabische Fragewörter. Ein Beitrag zur historischen und vergleichenden Grammatik der arabischen Dialekte” (München 1958) promoviert.

Von 1959 bis 1961 war er an der Universität Erlangen wissenschaftlicher Assistent bei Jörg Krämer, später, nach dessen Tod 1962, vertrat er den Lehrstuhl, bis er dann 1967, nachdem er sich für das Fach Semitische Philologie und Islamwissenschaft habilitiert hatte, an die Universität Mainz, an das Seminar für Arabische Sprache und Kultur des damaligen Auslands- und Dolmetscherinstitut in Germersheim (heute Fachbereich Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft) berufen wurde.

Das Forschungsinteresse Hans-Rudolf Singers galt insbesondere dem muslimischen Spanien und dem gegenüberliegenden Nordafrika, das die Araber den Maghreb nennen. 1952 und 1953 war er in Granada, dann einige Zeit in Tetuan, wo er Proben der nordmarokkanischen Umgangssprache sammelte. Das Studienjahr 1954/55 verbrachte er in Kairo, dann, 1958, vier Monate in Tunesien und, erneut, von Juli 1962 bis März 1963 in der Stadt Tunis, die ihm ans Herz gewachsen war und deren arabische Sprachform, das Tunisische, schließlich das Thema seiner großen und in Fachkreisen vielbeachteten Habilitationsschrift ”Grammatik der arabischen Mundart der Medina von Tunis” (Berlin 1984) werden sollte.

Hans-Rudolf Singer war einer der selten gewordenen Hochschullehrer, die ihr Fach noch in aller Breite forschend und lehrend beherrschten. Seine zahlreichen Veröffentlichungen betrafen die arabische Sprachgeschichte und die gesamte arabische Dialektologie, die er, obgleich spezialisiert auf die Maghrebdialekte, souverän überblickte. Bahnbrechend waren seine Forschungen über die Mundarten des islamischen Spanien, die nur noch durch die arabischen mittelalterlichen Quellen zu erschließen sind, und die spanisch-arabischen Ortsnamen. Als nicht minder ertragreich erwies sich sein Interesse an der islamischen Kultur, an ihrer Verwurzelung in den vorislamischen Kulturen (Iran und Mittelmeerraum) und ihrem wirkenden Ausstrahlen in das mittelalterliche Europa.

Dank seinem geselligen und verbindlichen Wesen und seinen Kenntnissen, die mit Kollegen zu teilen er allzeit bereit war, war Hans-Rudolf Singer ein geschätzter und nachgefragter Wissenschaftler. Die ihm anläßlich seiner Emeritierung 1991 zugeeignete zweibändige Festschrift stellte dieses Ansehen, daß er national und international genoß, in schöner Weise unter Beweis.


Seine Kollegen und Mitarbeiter sowie die Studierenden, die er nicht nur durch seine Fähigkeit, Wissen zu vermitteln, sondern auch durch seine Begeisterung und Leidenschaft für den wissenschaftlich zu durchdringenden Gegenstand und durch seine umfassende Gelehrsamkeit beeindruckte, schulden ihm Dank für die vielen Jahre erfolgreichen Forschens und Lehrens. Sie werden ihn vermissen, sie trauern um ihn.

.
 

ñ


ñ