Vorgeschichte der Methode

Die konzeptionellen Grundlagen der Methode Dolmetschinszenierungen werden seit Ende der 1990er Jahre von Dr. Şebnem Bahadır entwickelt. Die Methode versteht sich als ein neuer emanzipatorischer Ansatz in der Dolmetschpädagogik. In der ersten Phase wurde sie in außeruniversitären Qualifizierungsmaßnahmen erprobt, in denen MigrantInnen als Sprach- und KulturmittlerInnen ausgebildet wurden (z.B. 1999-2000 im Fortbildungskurs von KrankenhausdolmetscherInnen am AKH Wien, unter Leitung von Franz Pöchhacker,  oder im Rahmen von SpraKuM als Vorgängerprojekt von SprInt Wuppertal). 2002 - 2008 arbeitete Bahadır in dem neu eingeführten Kurs “Community Interpreting” im Rahmen der Übersetzer- und Dolmetscherausbildung an der Boğaziçi Universität Istanbul mit dieser Methode. In diesem Zeitraum hat sie auch Blockveranstaltungen und Vorträge zum Dolmetschen in medizinischen, sozialen und behördlichen Bereichen an anderen Universitäten (z.B. in Österreich, Finnland, Island, Israel und der Schweiz) durchgeführt, in denen die Methode vorgestellt und angewandt wurde. 2009 wurden die Dolmetschinszenierungen als Methode für den Kurs „Dolmetschpraxis“ (Interpreting Skills) innerhalb des universitären Weiterbildungslehrgangs „Dolmetschen im medizinischen Bereich“ aufgenommen. Der Lehrgang wurde im Rahmen des EU-geförderten Projekts „MedInt- Entwicklung eines Curriculums für DolmetscherInnen im medizinischen Bereich“ von Vertreterinnen verschiedener Universitäten und medizinisch-sozialer Einrichtungen in Slovenien, Österreich, Finnland und Deutschland erarbeitet. Der Fachbereich 06 war die deutsche Partnerhochschule in diesem internationalen Projekt (s. auch Dolmetschinszenierungen: Szenen, Methoden, Materialien und Body-and-Enactment-Centred Interpreting Pedagogy:Preliminary Thoughts on a Train-the-Trainers Concept for(Medical) Interpreting). Seit 2012 ist die Methode fester Bestandteil des Curriculums „Qualifizierung zum/zur Sprach- und Integrationsmittler/-in im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialwesen“ des SprInt Transfer Projekts an der Diakonie Wuppertal.