Fachübersetzen

"Die Branche der Sprachdienstleistungen wächst unaufhaltsam. Angefacht durch die Globalisierung beträgt das Volumen des Übersetzungsmarktes in Deutschland nach Schätzungen des Bundesverbandes der Dolmetscher und Übersetzer e. V. (BDÜ) mittlerweile rund 1 Milliarde Euro pro Jahr." Der BDÜ bezieht sich hierbei auf das Jahr 2012; für spätere Jahre wird ein weiteres Wachstum vorhergesagt.

Ein sehr großer Teil des Umsatzes in der Übersetzungsbranche wird mit sogenannten Fachübersetzungen erzielt. Das sind im engeren Sinne Übersetzungen von Fachtexten, also Texten, mit denen Fachleute untereinander kommunizieren. Zu den Fachtexten im Bereich Wirtschaft zählen beispielsweise Geschäftsberichte, im Bereich Technik Werkstatthandbücher. Im weiteren Sinne rechnet man zu den Fachübersetzungen auch Übersetzungen von Texten, die von Fachleuten für Laien geschrieben sind, also beispielsweise (an Laien gerichtete) Werbung. Fachübersetzungen werden teilweise von angestellten, häufig jedoch auch von freiberuflich tätigen Übersetzerinnen und Übersetzern erstellt.

Der Studienschwerpunkt Fachübersetzen ermöglicht Ihnen zum einen den Einstieg in eine fachliche Spezialisierung. Eines der beiden Schwerpunktmodule besteht aus Übungen zum Fachübersetzen aus der und in die Fremdsprache Deutsch. Für viele Grundsprachen werden Übungen im Bereich Wirtschaft angeboten, teilweise auch Technik oder Medizin. Es kann auch vorkommen, dass zwei Fachgebiete kombiniert werden, denn in der Praxis ist eine solche Kombination relativ häufig – z. B. bei Wirtschaftsverträgen (Wirtschaft und Recht) oder bei Medizintechnik (Medizin und Technik). Zur Vertiefung Ihrer Fachspezialisierung(en) können Sie außerhalb des Studienschwerpunkts ein Sachfach-Modul belegen, also z. B. ein Modul in Wirtschaftswissenschaft.

Zum anderen bereitet Sie der Studienschwerpunkt auch unabhängig von der Spezialisierung auf eine Tätigkeit als Fachübersetzerin oder Fachübersetzer vor. Sie lernen also auch Dinge, die mit dem Fachübersetzen allgemein, nicht speziell z. B. dem Wirtschaftsübersetzen, in Zusammenhang stehen. Das ist nicht nur deswegen wichtig, weil Sie jetzt wahrscheinlich noch nicht wissen, wo Sie später arbeiten werden, sondern auch deswegen, weil kein Studium Sie auf sämtliche Textsorten vorbereiten könnte, mit denen Sie in der translatorischen Praxis zu tun bekommen. Im ersten Schwerpunktmodul lernen Sie daher auch, wie man sich in ein Teilgebiet eines Faches einarbeiten kann. Das zweite Schwerpunktmodul ist den allgemeinen Grundlagen des Fachübersetzens gewidmet; es enthält beispielsweise Übungen zur Fachkommunikation, zur Berufspraxis und zu Tools (Computerprogramme, die speziell für das Übersetzen konzipiert sind).

Aufbau und Inhalte der beiden Module

Das Wahlpflichtmodul "Fachübersetzen 1 (Deutsch): Fachspezialisierung" umfasst 4 Übungen zum Fachübersetzen. In der Regel sind das je zwei Fachübersetzungsübungen F1>G und G>F1. (Dieses Modul kann ausschließlich von Studierenden mit den Grundsprachen Arabisch, Chinesisch, Englisch, Französisch, Griechisch, Italienisch, Niederländisch, Polnisch, Portugiesisch, Russisch, Spanisch und Türkisch belegt werden.)

Inhalte:

  • Fachübersetzen mit Schwerpunkt auf einem Sachfach (nach Maßgabe des Lehrangebots) anhand simulierter Aufträge oder authentischer Projekte (z. B. Übersetzung von Webseiten, Broschüren oder Präsentationen),
  • fachspezifische Ressourcen, z. B. Hintergrundtexte, Paralleltexte, Print- und Online-Fachwörterbücher, Datenbanken, translationswissenschaftliche Untersuchungen des Fachübersetzens,
  • Textoptimierung im Rahmen des Translations- und des Revisionsprozesses,
  • Qualitätsmanagement im Kontext des Auftrags (z. B. in Bezug auf Software, Terminologie, Textsortenkonventionen oder Teamkommunikation),
  • Rolle(n) von Translatorinnen und Translatoren.

Ziele: Nach erfolgreichem Abschluss des Moduls "Fachübersetzen 1" können Sie

  • fachsprachliche und fachbezogene Texte auf der Grundlage von Sachfachkompetenz skoposadäquat produzieren,
  • fachspezifische Ressourcen identifizieren und effizient anwenden sowie ihre Angemessenheit kritisch beurteilen,
  • Kriterien für Qualität im Kontext eines Auftrags festlegen, beschreiben und begründen,
  • den Ausgangs- und Zieltext auf Defekte prüfen und die identifizierten Defekte beurteilen,
  • verschiedene Positionierungen von Translatorinnen und Translatoren in Beruf und Gesellschaft kontrastieren sowie eine eigene Positionierung entwickeln und begründen.

Das Wahlpflichtmodul "Fachübersetzen 2 (Deutsch): Grundlagen des Fachübersetzens" umfasst ebenfalls 4 Übungen. Anders als die Übungen im Modul "Fachübersetzen 1" sind die Grundlagen-Übungen größtenteils sprachenpaarübergreifend konzipiert, das heißt, Studierende verschiedener Grundsprachen werden hier gemeinsam unterrichtet.

Inhalte:

  • Fachkommunikation, z. B. Grundlagen der Fachkommunikationsforschung, Analyse unterschiedlicher Fachtextsorten, intralinguales Übersetzen von Fachtexten,
  • Arbeitsmarktbedingungen in ihrem soziokulturellen und globalen Kontext,
  • Übersetzen von Fachtexten, u. a. Urkunden,
  • Translationstools, z. B. integrierte Übersetzungssysteme, Lokalisierungstools oder Terminologieverwaltungssoftware,
  • teilweise authentische Projekte, auch in Verzahnung mit anderen Veranstaltungen (z. B. translationsbezogene Analyse oder technologische Bearbeitung fachsprachlicher bzw. fachbezogener Texte aus einem Projekt des Moduls "Fachübersetzen 1: Fachspezialisierung").

Ziele: Nach erfolgreichem Abschluss des Moduls "Fachübersetzen 2" können Sie

  • den Fachlichkeitsgrad von Texten identifizieren und beurteilen,
  • Normen und Konventionen von fachsprachlichen und fachbezogenen Texten analysieren, kritisch hinterfragen und bei der Textproduktion implementieren,
  • den Arbeitsmarkt einschätzen und sich selbst am Markt und in der Gesellschaft positionieren,
  • verschiedene Translationstools anwenden und ihre Angemessenheit beurteilen.

Die beiden Module können auch unabhängig voneinander, also als frei wählbare Wahlpflichtmodule, belegt werden.