Leitfaden für terminologische Abschlussarbeiten

Leitfaden für terminologische Abschlussarbeiten

(Stand: 16.03.2015)

Inhaltsverzeichnis

  1. Volumen
  2. Erforderliche Teile
  3. Formale Anforderungen
  4. Standardliteratur
  5. Beispiel für Glossareinträge
  6. Methodik
  7. Quellen für die Terminologierecherche
  8. Weitere Hinweise

1. Volumen

Das erforderliche Volumen zu bestimmen, ist bei terminologischen Abschlussarbeiten deutlich schwieriger als bei Arbeiten in anderen Bereichen, bei denen es in der Regel Vorgaben zur Seiten- oder Wörterzahl gibt. Grund hierfür ist, dass bei terminologischen Abschlussarbeiten zwei Aspekte berücksichtigt werden müssen, zum einen das Volumen des wissenschaftlichen Teils, zum anderen das Volumen des Glossars, also die Anzahl der erfassten Termini (s. dazu auch Abschnitt 2). Daher muss die Frage des Volumens bei terminologischen Abschlussarbeiten in Abhängigkeit von folgender Frage mit dem Betreuer geklärt werden:

Wie ist das Verhältnis zwischen dem wissenschaftlichen Teil und den erfassten Termini im Glossar?

Je umfangreicher die wissenschaftlichen Fragestellungen sind, die im ersten Teil der Arbeit bearbeitet werden, desto geringer und exemplarischer kann die Menge der erfassten Termini im Glossar sein. Umgekehrt gilt entsprechend: Je weniger Fragen im wissenschaftlichen Teil bearbeitet werden, desto umfangreicher muss das Glossar sein. Da dieses Verhältnis vom gewählten Thema und der gewählten Fragestellung abhängt, die sich u. U. erst im Verlauf der Arbeit konkretisieren, muss die Frage des Volumens ggf. auch kontinuierlich im Verlauf der Bearbeitung mit dem Betreuer diskutiert werden. 

2. Erforderliche Teile

Die folgenden inhaltlichen Punkte sind bei terminologischen Abschlussarbeiten zu beachten:

2.1 Gliederung der Arbeit

Bei der Gliederung ist zu unterscheiden zwischen der fachlichen Einführung, der Erörterung translatorisch relevanter sprach- bzw. kulturspezifischer Aspekte und dem terminographischen Ergebnis der Untersuchung, dem Glossar. Je nachdem, ob die translatorischen Aspekte bereits im fachlichen Teil angesprochen werden oder in einem separaten Kapitel, ergibt sich hieraus eine Gliederung in zwei oder drei Hauptteile. Welche Version geeigneter ist, hängt vom Thema ab: In einigen Fachgebieten mit lange gewachsener und etablierter Terminologie, wie z. B. im Bergbau oder der Holzverarbeitung, sind interlinguale Inkongruenzen bzw. die Kulturspezifik oft so ausgeprägt, dass es meist zweckmäßig ist, schon bei der fachlichen Darstellung auf die andere Situation in der behandelten anderen Kultur/Sprache hinzuweisen.

2.2 Translatorisch relevante Aspekte

Generell gilt, dass es wohl kein Fachgebiet gibt, das translatorisch völlig problemlos wäre. Es ist ein unverzichtbarer Teil von Terminologiearbeit, solche Probleme aufzuzeigen, zu erörtern und ggf. Lösungsmöglichkeiten vorzuschlagen. Typische Problembereiche sind z. B. interkulturelle Kommunikationsprobleme im untersuchten Fachgebiet, lexikalische Lücken in einer der untersuchten Sprachen, Fragen der Wortbildung bei neuen Begriffen, Interferenzphänomene wie Anglizismen, innersprachliche (intralinguale) und zwischensprachliche (interlinguale) Inkongruenzen, unterschiedliche Begriffssysteme, pragmatische Aspekte der Terminologieverwendung wie Norm und tatsächlicher Sprachgebrauch, kulturspezifische Konventionen bestimmter Textsorten und die terminographische Behandlung des jeweiligen Fachgebiets in Wörterbüchern (Wörterbuchanalyse).

Besonderes Augenmerk ist dabei darauf zu richten, dass die translatorisch relevanten Aspekte jeweils mit konkretem Bezug zum gewählten Thema diskutiert und nicht nur allgemeine Informationen zum Thema Fachsprache referiert werden.

2.3 Adressatenkreis

Der Adressatenkreis für terminologische Arbeiten sind Leser, die auf dem behandelten Spezialgebiet mit Fachausdrücken in einer oder zwei Sprachen konfrontiert werden und diese übersetzen oder auch nur verstehen müssen. Diese Leser können Experten, aber auch Laien sein. Beispiele dafür sind Übersetzer bzw. Dolmetscher oder auch Fachleute des betreffenden Gebiets. Dieser Adressatenkreis muss zu Beginn der Arbeit definiert und der Inhalt der Arbeit muss darauf ausgerichtet werden.

3. Formale Anforderungen

Für die Fragen des formalen Aufbaus der Arbeit, also beispielsweise Seitenränder, Zeilenabstände, Schriftgrößen, aber auch die Formatierung der Einträge im Literaturverzeichnis, müssen die Anforderungen des jeweiligen Arbeitsbereichs berücksichtigt bzw. die jeweils gültigen Formatvorlagen verwendet werden. Informationen dazu hat der Betreuer der Arbeit.

4. Standardliteratur

Je nach Fragestellung der Arbeit kann beispielsweise folgende Standardliteratur zum Einsatz kommen:

4.1 Terminologie

  • Arntz, Reiner; Heribert Picht und Klaus-Dirk Schmitz. 2014. Einführung in die Terminologiearbeit. Hildesheim: Olms.
  • DTT, Deutscher Terminologietag e. V., und DIT, Deutsches Institut für Terminologie e. V. 2010. Terminologiearbeit - Best Practices. Köln: DTT.
  • Temmerman, Rita. 2000. Towards New Ways of Terminology Description: The sociocognitive-approach. Amsterdam/Philadelphia: John Benjamins.

4.2 Korpuslinguistische Literatur

  • Lemnitzer, Lothar und Heike Zinsmeister. 2006. Korpuslinguistik: eine Einführung. Tübingen: Gunter Narr.
  • Scherer, Carmen. 2006. Korpuslinguistik. Heidelberg: Winter.

5. Beispiel für Glossareinträge

Im Folgenden ist ein Beispiel für einen Glossareintrag aus SDL MultiTerm (D-E) dargestellt, der im Deutschen ein Synonym aufweist. Erfasst wurden dabei Definition, Wortart, Genus, Kontext, Quellenangaben zu Definition (D), Terminus (T) und Kontext (K) sowie das Register (hier: GS = Gemeinsprache, FS = Fachsprache). Welche Daten für die einzelnen Termini erfasst werden, ist dabei von der gewählten Fragestellung abhängig.

  

6. Methodik

  • In der Regel ist es sinnvoll, für die Erstellung des Glossars ein Terminologieverwal-tungsprogramm, wie SDL MultiTerm oder Across crossTerm, zu nutzen.
  • Wenn Sie Themen bearbeiten, bei denen es am Fachbereich keinen Betreuer mit Fachkenntnissen im zugehörigen Fachgebiet gibt, ist es ratsam, einen externen fachlichen Betreuer hinzuzuziehen.
  • Sinnvoll ist es, als Basis für die Terminologiearbeit ein Textkorpus anzulegen und dieses dann für die Arbeit auszuwerten (s. Literaturhinweise in Abschnitt 4.2).
  • Beachten Sie auch die Hinweise in Abschnitt 2 oben.

7. Quellen für die Terminologierecherche

Von Bedeutung für die Wahl der geeigneten Quellen für die Terminologierecherche sind in erster Linie die verwendeten Sprachen sowie das zu bearbeitende Thema. Von den verwendeten Sprachen hängt dabei ab, ob und in welchem Umfang Quellen verfügbar sind und welche Qualität diese Quellen aufweisen. 

Gleichermaßen ist das gewählte Thema bzw. dessen Fachgebiet ausschlaggebend dafür, welche Arten von Quellen potenziell verfügbar sind. Folgende Quellen können je nach Fachgebiet beispielsweise vorhanden sein: Nachschlagewerke, sprachwissenschaftliche Literatur, Fachbücher, Dissertationen und Masterarbeiten, Artikel in Fachzeitschriften, Produktinformationen sowie Druckschriften und Broschüren von Firmen, DVDs und Videos, Material von Verbänden.

Bei technischen Themen können beispielsweise Druckschriften und Broschüren von Firmen, die im gewählten Bereich arbeiten, nützliche Quellen sein. Bei juristischen Themen können dagegen Gesetzestexte, Gerichtsurteile und Gesetzeskommentare sinnvolle und nutzbare Quellen sein.

Unabhängig davon, ob Sie Print- oder Internetquellen nutzen, ist hierbei jeweils von zentraler Bedeutung, aus potenziell vielen Quellen die zuverlässigen auszuwählen und dann auch zu nutzen. Ob einzelne Quellen zuverlässig sind, müssen Sie dabei selbst beurteilen, was Sie in der Regel erst können, wenn Sie sich eingehend mit Ihrem Thema beschäftigt haben.

8. Weitere Hinweise

Neben den eigentlichen terminologischen Abschlussarbeiten gibt es auch verwandte Themengebiete, in denen sich ebenfalls interessante Fragestellungen finden lassen. Beispiele:

8.1 Analyse von vorhandenen Wörterbüchern in einem bestimmten Fachgebiet

Eine solche Untersuchung kann beispielsweise in Form einer ausführlichen Analyse eines gewählten Wörterbuchs im Stil einer Rezension oder auch als Vergleich mehrerer Wörterbücher anhand sinnvoll gewählter Fachausdrücke erfolgen. Hierzu eignet sich z. B. eine Matrix aus nach Spezialisierungsgrad gestaffelten Wörterbüchern und einer etwa 10 bis 20 Ausdrücke umfassenden Liste fachgebietstypischer Ausdrücke mit ebenfalls unterschiedlichem Spezialisierungsgrad.

8.2 Exemplarische Detailanalysen

Bei exemplarischen Detailanalysen steht die gründliche Untersuchung bestimmter fachsprachlicher Erscheinungen anhand geeigneter Beispiele im Zentrum. Wünschenswert wäre, wenn aus solchen exemplarischen Untersuchungen ein Beitrag zu grundsätzlichen theoretischen Fragen (Übersetzungstheorie, Metapherntheorie, Pragmatik, Interferenzforschung, Wortfeldtheorie u. a.) abgeleitet werden kann. Arbeiten mit Titeln wie Anglizismen in der Mineralölindustrie, Anglizismen in der Sprache des Windsurfings, Neuere Einflüsse des Englischen auf die deutsche Sprache der Kraftfahrzeugtechnik liefern einen Beitrag zur Interferenzforschung, d. h. zum Problem der Wechselwirkung zwischen einzelnen Sprachen. Beispielsweise können Ursachen, Erscheinungsformen und Konsequenzen solcher Einflüsse beschrieben werden. Untersuchenswerte sprachliche Phänomene sind u. a. auch die Entstehungsgeschichte bestimmter Fachwörter, ihre Verbreitung in der Umgangssprache, der Stilwert von Fachausdrücken usw. Typische Arbeitstitel sind: Metaphern in der Börsensprache, Popularisierung von Fachlexik im Roman, Die Begriffsfelder "Control" und "Kontrolle": Eine diachronische Studie, Affektive Konnotationen in der Terminologie der Kernenergiekontroverse.

Bei einer solchen Untersuchung ergeben sich Gliederung und logische Vorgehensweise individuell aus dem jeweiligen Untersuchungsgegenstand. So ist es beispielsweise durchaus möglich, sich auf die gründliche exemplarische Untersuchung von nur fünf schwierigen Begriffen auf je etwa zehn Seiten zu beschränken.